35fache des Gewinns
Schneider-Zukauf gilt als zu teuer

Sinnvoll, aber sehr teuer – auf diesen Nenner lässt sich die Reaktion der Analysten bringen, nach der Ankündigung von Schneider Electric, für 6,1 Mrd. Dollar das US-Unternehmen Amercian Power Conversion (APC) übernehmen zu wollen. Die Nachricht des Zukaufs drückte den Kurs der Schneider-Aktie um mehr als sieben Prozent.

PARIS. APC ist einer der führenden Anbieter unterbrechungsfreier Stromversorgungssysteme. Diese Systeme sorgen zum Beispiel dafür, dass bei Unternehmen die Computer nicht ausfallen, sollte die Stromversorgung streiken.

Der Markt für unterbrechungsfreie Stromversorgungssysteme hat ein Volumen von sieben Milliarden Dollar. Der französische Schneider-Konzern und seine Tochter MGE UPS kommen zusammen mit APC auf gemeinsam rund drei Milliarden Dollar Umsatz.

Mit dem Zukauf setzt der neue Schneider-CEO Jean-Pascal Tricoire die Strategie seines Vorgängers und Aufsichtsratschef Henri Lachmann fort, in Länder und Sektoren mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten zu investieren. „Der Markt für unterbrechungsfreie Stromversorgungssysteme wächst pro Jahr mit Raten zwischen fünf und zehn Prozent und damit schneller als die Gesamtwirtschaft“, sagt Jean-Michel Salvador, Analyst der Privatbank Fideuram Wargny. Vor allem die Stromausfälle in den USA im Jahr 2003 haben den Verantwortlichen klar gemacht, wie anfällig Telekomnetze und andere technologielastige Unternehmen in Sachen Stromversorgung sind.

Kein Investor bestreitet dies – doch der gezahlte Preis kommt vielen Experten wie Olivier Esnou vom Broker Exane BNP Paribas zu hoch vor. Der Kaufpreis bewertet APC mit insgesamt (inklusive Schulden) 5,5 Mrd. Dollar. Der gebotene Preis von 31 Dollar je Aktie enthält eine Prämie von 30 Prozent auf den APC-Schlusskurs von Freitag. Den Kaufpreis will Schneider mit Schulden (4,5 Mrd. Dollar) und einer Kapitalerhöhung (1,2 Mrd. Dollar) bezahlen.

Der Preis entspricht nach den Berechnungen des Brokers Cheuvreux dem 35fachen des für 2007 erwarteten Gewinns je Aktie von APC. Zum Vergleich: Die Schneider-Aktie wurde vor der Ankündigung der Übernahme mit dem rund 13fachen des für 2007 erwarteten Gewinns gehandelt. Und dabei ist die Rentabilität von APC deutlich niedriger (Marge von 6,5 Prozent) als die von Schneider (über 13 Prozent).

Argument von Schneider: APC investiert viel Geld in den Ausbau des Geschäfts mit großen unterbrechungsfreien Stromversorgungssystemen. Diese Investitionen lasten auf der Rentabilität. „Dank der Erfahrungen in diesem Sektor ist Schneider Electric sehr zuversichtlich, die Rentabilität von APC schnell zu verbessern“, heißt es bei Schneider. Gemeinsam könnten Forschungsausgaben effizienter eingesetzt werden. Der französische Konzern stellt jährliche Einsparungen von 220 Mill. Dollar in Aussicht, von denen bereits 70 Prozent bis zum Jahr 2009 erreicht sein sollen. Daher würde der Zukauf den Schneider-Gewinn bereits vom kommenden Jahr an erhöhen.

Doch nicht alle Analysten kaufen die Story: „Schneider hat wenig Erfahrungen, Unternehmen zu sanieren“, gibt Exane-Experte Esnou zu bedenken. „Möglicherweise verfolgt der Konzern einen zu schnellen Wachstumskurs“. Die Analysten der Deutschen Bank sind optimistischer und trauen Schneider die Restrukturierungsarbeit zu. Sie beließen ihre Empfehlung für Schneider bei „kaufen“. Auch Fideuram Wargny-Analyst Salvador verweist darauf, dass Schneider selbst im Geschäft mit großen unterbrechungsfreien Stromversorgungssystemen eine Rentabilität von rund 13 Prozent ausweist.

Der US-Zukauf ist der größte von Schneider Electric seit die Franzosen versucht haben, im Jahr 2001 ihren Konkurrenten Legrand zu übernehmen. Damals untersagte die EU-Kommission den Deal. Die Gerichte verwarfen später dieses Verbot. Doch zu diesem Zeitpunkt hatten die Franzosen Legrand schon wieder an Fondsinvestoren verkauft.

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