400 Mitarbeiter werden vermutlich gehen müssen
Smart zwingt Mitsubishi zu Stellenabbau

Die Krise der Daimler-Chrysler-Kleinwagentochter Smart hat auch beim japanischen Partner Mitsubishi Motors personelle Konsequenzen. Die Japaner stehen bei ihrer Tochter Nedcar im niederländischen Born erneut vor einem deutlichen Stellenabbau.

HB FRANKFURT/M. Nedcar fertigt neben dem Mitsubishi Colt auf der gleichen Plattform auch den Smart Forfour. „Innerhalb der nächsten sechs Wochen werden wir vermutlich eine Einigung über Personalmaßnahmen mit dem Betriebsrat erzielt haben“, sagte Mitsubishi-Europachef Tim Tozer dem Handelsblatt. Über die genaue Höhe des Stellenabbaus schwieg sich Tozer aus. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen werden aber voraussichtlich 400 Mitarbeiter gehen müssen.

Mitsubishi reagiert mit den Kürzungen darauf, dass die Produktion in Born im kommenden Jahr niedriger ausfallen wird als ursprünglich geplant. Insgesamt erwarte Mitsubishi für Nedcar 2006 die Fertigung von rund 130 000 Fahrzeugen, sagte Tozer. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen macht der Smart Forfour davon lediglich rund 63 000 Exemplare aus.

Smart-Chef Ulrich Walker wartet damit auch im kommenden Jahr vergeblich auf einen positiven Ergebnisbeitrag seines Viersitzers. Mercedes-Chef Eckhard Cordes hatte bei der Vorstellung der Smart-Restrukturierung dargelegt, dass vom Forfour mindestens 90 000 Wagen verkauft werden müssten, damit das Modell die Gewinnschwelle erreicht. Experten glauben, dass Smart diese Schwelle mit der ersten Generation des Forfour niemals überschreiten wird. So rechnen die Experten der WestLB nur mit einem Spitzenvolumen für den Viersitzer von 78 000 Fahrzeugen. Sowohl der Kleinwagen Colt als auch der Smart-Viersitzer verkaufen sich schlechter, als vor dem Marktstart im April vergangenen Jahres erhofft.

Mitsubishi-Präsident Osamu Masuko hatte noch jüngst einen direkten Zusammenhang zwischen der Beschäftigungssituation in Born und den Verhandlungen mit Daimler-Chrysler hergestellt. „Von diesem Volumen hängt alles ab“, sagte er der „Wirtschaftswoche“. Eine Beschäftigungsgarantie von Mitsubishi für Nedcar läuft Ende dieses Jahres aus. Doch Mercedes-Chef Cordes und Smart-Boss Walker trauen dem in Born produzierten Smart-Viersitzer offensichtlich keine großen Absatzsprünge zu. Walker hatte noch unlängst eine Absatzprognose für die tief in der Verlustzone steckende Kleinwagenmarke sowie eine langfristige Bestandsgarantie für den Forfour vermieden. Der schwer angeschlagene Autobauer Mitsubishi hatte bereits Ende 2004 bei Nedcar rund 900 Stellen gestrichen.

Das Leiden bei Nedcar geht damit weiter. Seit Jahren versuchen die Japaner, die niederländische Tochter auf eine solide wirtschaftliche Basis zu stellen. Ende Mai berief Mitsubishi den ehemaligen Daimler-Manager und bisherigen Nedcar-Chef Gunter Butschek ab und ernannte Joost Govaarts zum Leiter des Tagesgeschäfts. Doch das Werk, das jährlich rund 220 000 Fahrzeuge produzieren kann, ist chronisch unausgelastet und wird derzeit nur im Zwei-Schicht-System gefahren. Nach dem Ausstieg des ehemaligen Partners Volvo gehört das Werk den Japaner allein, Daimler-Chrysler hatte sich im Frühjahr angesichts der massiven Restrukturierung bei Smart von seinen Plänen verabschiedet, die Hälfte der Anteile an Nedcar zu übernehmen. Ursprünglich sollte Nedcar eine entscheidende Rolle in der Smart-Expansionsstrategie spielen.

Doch die jüngste Daimler-Tochter hat im vergangenen Jahr nur 139 600 Autos verkauft und das eigene Absatzziel damit deutlich verfehlt. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres kletterten die Verkäufe zwar um 24,3 Prozent auf 60 800 Fahrzeuge – der Forfour kam allerdings erst im April 2004 auf den Markt. Ursprünglich hatte der Hersteller allein vom Viersitzer Forfour in diesem Jahr rund 80 000 Modelle verkaufen wollen.

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