450 Mitarbeiter betroffen: Kaufinteressenten für Zumtobel-Werke

450 Mitarbeiter betroffen
Kaufinteressenten für Zumtobel-Werke

Zumtobel will sich verkleinern. Der Leuchtenhersteller, der mit LED-Umstellung und ausbleibenden Aufträgen zu kämpfen hat, will sich von mehreren Werken trennen. Jetzt gibt es offenbar erste Interessenten.
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WienDer Leuchtenhersteller Zumtobel will seine Ertragskraft mit einem umfassenden Konzernumbau innerhalb von drei Jahren verdoppeln. Dazu sollen rund 600 der 7160 Arbeitsplätze abgebaut und vier bis sechs der weltweit 18 Standorte geschlossen, verkauft oder verkleinert werden, erklärte Vorstandschef Ulrich Schumacher am Mittwoch auf einer Branchenmesse in Frankfurt. „Wir müssen den Konzern grundlegend umformen, um ihn zurück auf die Erfolgsspur zu bringen.“ Durch die Zusammenlegung des Einkaufs und der Vertriebsstrukturen der Marken Zumtobel und Thorn sollen die Kosten sinken. Gleichzeitig erwartet der auf die Beleuchtung von Büros, Supermärkten und Straßen spezialisierte Konzern in den kommenden drei Jahren ein organisches Umsatzwachstum von jeweils drei bis fünf Prozent, vor allem weil sich die Baukonjunktur in Europa erholt.

Beides zusammen soll die bereinigte operative Rendite (Ebit-Marge) im ab Mai beginnenden Geschäftsjahr 2014/15 auf fünf bis sechs von zuletzt 4,6 Prozent heben. Für 2016/17 stellt Zumtobel dann eine Rendite von acht bis zehn Prozent in Aussicht. 450 Stellen sollen in der Produktion wegfallen, 150 Arbeitsplätze beim Vertrieb - hauptsächlich in Deutschland und Großbritannien. „Wir haben oft zwei Vertriebsorganisationen im gleichen Land - eine für Zumtobel, eine für Thorn. Das ist Geldverschwendung“, erläuterte Schumacher. Welche Werke von der Restrukturierung betroffen sind, wollte er nicht sagen. Generell sei eine Verlagerung von Produktion von Europa nach China geplant, doch es sei die Frage, ob man in China oder Neuseeland jeweils zwei Fabriken haben müsste. Für zwei Werke gebe es Kaufinteressenten.

Der Abbau von rund acht Prozent der Arbeitsplätze im Konzern kommt überraschend: Noch im Dezember hatte Schumacher gesagt, es werde nur „von Fall zu Fall“ zu Stellenstreichungen kommen - ein „umfangreicher genereller Stellenabbau“ sei nicht geplant. Der ehemalige Infineon -Manager, der als harter Sanierer gilt, steht seit Oktober an der Spitze des Vorarlberger Konzerns. Der Arbeitsplatzabbau kostet zunächst jedoch Geld: Im laufenden vierten Quartal 2013/14 und im kommenden Geschäftsjahr rechnet Zumtobel mit Kosten von jeweils 15 bis 20 Millionen Euro.

Zuletzt hatten Zumtobel die langwierige Umstellung auf die neue LED-Technologie, die Zurückhaltung öffentlicher Auftraggeber bei der Straßenbeleuchtung und die wachsende Konkurrenz asiatischer Hersteller zu schaffen gemacht. Nun will Schumacher wieder mehr in die Forschung und Entwicklung investieren. Der Schwerpunkt liege auf der Standardisierung von Komponenten, auf Leuchtsystemen und Kontrolleinheiten. Dabei würden auch neue Geschäftsfelder ausgelotet. „Wir schauen uns alles an - wir sind etwa noch nicht bei Design-Außenleuchten aktiv und auch nicht bei der Beleuchtung von Wohnungen“, erläuterte Schumacher. In Europa macht der Konzern zurzeit 80 Prozent seiner Umsätze, in der Region Asien-Pazifik rund 16, in den USA 2,6 Prozent. Das Geschäft dort sei definitiv zu klein, sagte Schumacher: „Für die USA haben wir zwei Optionen - aufgeben oder einen Partner suchen.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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