50 bis 60 Prozent
Preisrutsch bedroht deutsche Generikafirmen

Die Hersteller patentfreier Arzneien müssen sich in Deutschland auf einen weiteren massiven Preisverfall einstellen. Neue Rabattverträge wie nach der jüngsten Ausschreibung der Ortskrankenkassen (AOK) bringen Preisnachlässe in bislang nicht da gewesenem Ausmaß.

FRANKFURT. „Die AOK erwartet für die Rabattverträge 2009/2010 ein Einsparpotenzial von jährlich 500 Millionen Euro“, sagte Christopher Hermann, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg und Chefunterhändler des AOK-Verbandes, dem Handelsblatt. Da diese Rabatte komplett von den Herstellern getragen werden müssen, läuft das bei den 63 betroffenen Wirkstoffen nach Schätzungen aus der Branche auf eine Preis- und Umsatzreduktion von 50 bis 60 Prozent auf Basis der Herstellerabgabe-Preise hinaus. Bisherige Rabattverträge sehen laut Brancheninformationen Preisnachlässe zwischen fünf und 20 Prozent vor.

Angesichts der Marktbedeutung der AOK, bei der rund ein Drittel der Kassenpatienten in Deutschland versichert ist, können es sich die Generikafirmen den eigenen Angaben zufolge nicht leisten, bei solchen Ausschreibungen nicht mitzubieten. Einige Hersteller scheinen dabei auch Dumpingpreise nicht gescheut zu haben: Für einzelne Substanzen sind nach Aussage von Brancheninsidern bis zu 90 Prozent Rabatt offeriert worden. „Einige haben brutal gepokert“, sagt der Manager eines wichtigen Wirkstoffproduzenten. Beschwerden gegen die Ausschreibungen konnte die AOK bislang durchweg abwehren, so zuletzt am Freitag in einem Verfahren vor dem Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen. Die AOK-Verträge sollen ab Juni starten.

Die 63 ausgeschriebenen Wirkstoffe standen 2007 zu Apotheken-Verkaufspreisen für rund 2,2 Mrd. Euro Umsatz. Das entsprach damals knapp einem Drittel der Gesamtausgaben der gesetzlichen Kassen für Generika. Zu Herstellerabgabepreisen gerechnet, beläuft sich das Volumen laut Brancheninformationen auf rund 900 Mio. Euro. Treffen die AOK-Schätzungen zu, geht davon mehr als die Hälfte für die Generikaindustrie verloren. Und sollten sich entsprechende Rabatte im gesamten GKV-Markt durchsetzen, sind theoretisch weitere Generika-Umsätze von mehr als einer Mrd. Euro bedroht.

Bei den Generikaherstellern wächst die Sorge, dass das AOK-Modell Schule machen könnte. „Wenn die Politik erst einmal erkennt, welche Einsparungen damit zu erreichen sind, werden auch die anderen Krankenkassen solche Rabattverträge machen müssen“, schätzt Betapharm-Chef Michael Ewers. Analysten der WestLB gehen davon aus, dass die Margen der Generikahersteller damit massiv unter Druck geraten.

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