54 Tage Streik kosteten den Konzern zwei Milliarden
Flint symbolisiert den Widerstand gegen GM

General Motors (GM) erlebt in Bochum nicht die erste Auseinandersetzung mit der aufgebrachten Belegschaft eines einzelnen Werkes. Vor sechs Jahren stritt sich der US-Konzern mit den Beschäftigten seiner Fabrik in Flint im Bundesstaat Michigan, 100 Kilometer nördlich von Detroit. Der Belegschaft gelang es, die Fabrik für 54 Tage zuzumachen. Flint hatte wie Bochum in Europa strategische Bedeutung für den gesamten GM- Werkeverbund in den USA. Weil in Flint nicht mehr gearbeitet wurde, ruhte die Produktion in anderen Fabriken – am Ende der Auseinandersetzung stand bei GM ein Verlust von 2 Mrd. Dollar in den Büchern.

je PORTLAND. Der Streik zwang GM, fast alle Bänder in Nordamerika abzuschalten und mehr als 190 000 Werker nach Hause zu schicken. Die Auseinandersetzung hatte am Ende nur Verlierer: Die Anpassung des GM-Konzerns an den globalen Wettbewerb verlangsamte sich und der weitere Verlust von Arbeitsplätzen wurde ebenso wenig gestoppt wie die damals von der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) abgelehnte Verselbständigung der Zuliefertochter Delphi.

In Flint haben sowohl General Motors als auch die Gewerkschaft UAW ihre Wurzeln. Nach harten Anfängen in den 30er-Jahren, in denen GM wie andere US-Konzerne versuchte, die gewerkschaftliche Organisation der Belegschaft mit allen Mitteln zu verhindern, blieb das Verhältnis zwischen Management und UAW über weite Strecken extrem feindselig.

Im Sommer 1998 war die Zeit reif für eine Kraftprobe. Nach hohen Verlusten Anfang der 90er-Jahre schrieb GM in Nordamerika von GM im ersten Quartal 1998 wegen des Booms bei leichten Nutzfahrzeugen Rekordgewinne. Gleichzeitig hatte GM allerdings gegen die japanische Konkurrenz stetig Marktanteile verloren, und Ford machte noch höhere Gewinne. Laut Untersuchungen der Unternehmensberater von Harbour Associates hatte GM die höchsten Produktionskosten. Die Wall Street drängte den damaligen Konzernchef Jack Smith zur Rationalisierung, die Zehntausende von Arbeitsplätzen kosten sollte.

Zwei Zulieferwerke in Flint mit knapp 10 000 Beschäftigten hatten ihre eigenen Probleme. Die Anlagen waren veraltet, die Produktivität niedrig, die Kosten lagen weit höher als bei Zulieferern. Die UAW fühlte sich sicher, weil die beiden Werke, die unter anderem Motorhauben und Stoßstangen fertigten, einen Großteil der anderen GM-Fabriken in den USA mit Teilen versorgten.

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