550 Arbeitsplätze sind gefährdet
Aluhütte steht wegen hoher Strompreise vor dem Aus

Der Energiekonzern Vattenfall Europa AG will zur Rettung der von der Schließung bedrohten Hamburger Aluminium-Werke (HAW) auf eine Strompreiserhöhung vorerst verzichten. Gewerkschaften und Industrieverbände machten die Energiepolitik in Deutschland für die Werksschließungen verantwortlich.

HB HAMBURG. Der noch bis zum Jahresende geltende Stromvertrag solle zu gleichen Konditionen um sechs Monate verlängert werden, um HAW Zeit zur Sanierung zu geben, sagte ein Sprecher der Vattenfall-Tochter Hamburgische Electricitäts-Werke (HEW) am Donnerstag. Voraussetzung sei, dass die Gesellschafter den Bestand der HAW für mindestens zwei Jahre verbindlich zusicherten. Die HAW sind größter Stromkunde der HEW gefolgt von dem Kupferhersteller Norddeutsche Affinerie und den Hamburger Stahlwerken.

„Um Zeit für den Abschluss eines längerfristigen Vertrages zu gewinnen, sind wir zu dieser befristeten Sonderlösung für die HAW für den Zeitraum von sechs Monaten bereit“, sagte HEW-Chef Hans-Jürgen Cramer. Dies bedeute für die HEW eine Belastung in zweistelliger Millionenhöhe.

Am Montag wollen die drei Eigner der HAW - der US-Konzern Alcoa, der norwegische Energieversorger Norsk Hydro und die Austria Metall AG (Amag) - über die Zukunft des Werkes entscheiden. Es wurde erwartet, dass wegen hoher Stromkosten die Schließung beschlossen wird. „Die Signale verdichten sich, dass am 20. Juni bei der Gesellschafterversammlung ein Beschluss zur Schließung verkündet wird“, sagte der HEW-Sprecher. Von einer Schließung wären 550 Beschäftigte betroffen.

Die Aluminium-Schmelze verbraucht extrem viel Strom. Fast 40 Prozent der Produktionskosten entfallen auf Strom. Derzeit zahlen die Aluminiumwerke etwa 70 Millionen Euro jährlich für Strom, während Vattenfall zuletzt eine Erhöhung auf rund 100 Millionen forderte. Über einen neuen Vertrag wird seit Jahren verhandelt. Norsk Hydro hatte bereits vor Monaten angekündigt, seine deutschen Standorte auf den Prüfstand zu stellen, wenn sie wegen der hohen Energiekosten nicht mehr konkurrenzfähig produzieren könnten.

Gewerkschaften und Industrieverbände machten die Energiepolitik in Deutschland und den unzureichenden Wettbewerb auf dem deutschen Strommarkt für die Werksschließungen verantwortlich. „Es ist unerlässlich, dass der Wettbewerb zwischen den großen Stromerzeugern nachhaltig intensiviert wird“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Metalle (WVM), Martin Kneer, in Berlin. „Die Stromkonzerne vertreiben Aluminiumhütten aus Deutschland.“ Jan Eulen von der Gewerkschaft BCE erklärte, er fürchte um die Zukunft aller energieintensiven Betriebe in Deutschland. Für das Hamburger Werk forderte er neue Verhandlungen zwischen HAW und HEW, für Stade mehr Zeit.

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