75. Geburtstag
Wolfsburgs neues Gesicht

Wo die Nazis einst die „Stadt des KdF-Wagens“ gründeten, schlägt heute das Herz des Weltkonzerns Volkswagen. Warum die Stadt Wolfsburg an ihrem 75. Geburtstag erfolgreicher denn je ist.

DüsseldorfAdolf Hitler kam persönlich, um im Mai 1938 den Grundstein zu legen. Mitten auf der grünen Wiese in Niedersachsen wollten die Nazis eine Idee in die Tat umsetzen, die sie 1937 auf dem Reißbrett entworfen hatten. Jeder Deutsche sollte sich ein eigenes Auto leisten können. Der führende Autobauer Ferdinand Porsche wurde mit der Konstruktion des „Kraft-durch-Freude-Wagens“ beauftragt. Es sollte auch für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich sein. Dort, wo heute Wolfsburg steht, wurde dafür die „Stadt des Kraft-durch-Freude-Wagens bei Fallersleben“ gegründet.

Die Idee der Nazis entpuppte sich allerdings schon vor Kriegsende als größenwahnsinniger Wunschtraum. Obwohl der Preis mit 990 Reichsmark (auf die heutige Kaufkraft umgerechnet etwa 3500 bis 4500 Euro) sehr niedrig ausfiel, bekamen nur die wenigsten Deutschen tatsächlich ein Auto. Bis Kriegsende wurden nur wenige hundert Wagen gebaut. Stattdessen produzierte das Werk hauptsächlich für die Wehrmacht. Den Preis dafür zahlten die Zwangsarbeiter, die in den Werkshallen zwei Drittel der Belegschaft ausmachten.

Als das Werk 1945 von den Briten befreit wurde, konnte die Produktion rasch wieder aufgenommen werden. Der KdF-Wagen wurde in Volkswagen umbenannt. Und auch die KdF-Stadt bekam einen neuen Namen: Wolfsburg, benannt nach einem alten Schloss am Fluss Aller.

Wer heute einen Blick über das Werkgelände wirft, dem fällt es schwer, sich an die dunkle Vergangenheit zu erinnern. Auf einer Fläche so groß wie Gibraltar schlägt heute das Herz eines Weltkonzerns. 46.000 Mitarbeiter bauen heute in Wolfsburg Erfolgsmodelle wie den Golf, den Tiguan und den Touran. Statt nationalsozialistischer Propaganda regiert in Wolfsburg der offene Geist eines Weltkonzerns. Im vergangenen Jahr legte Volkswagen einen Rekordgewinn von 21,8 Milliarden Euro vor, bei einem Umsatz von 192,7 Milliarden Euro. Bereits vor 2018 will Konzernchef Martin Winterkorn weltweit mehr als zehn Millionen Autos verkaufen.

Ihren anfänglichen Erfolg hat die Marke vor allem den Massenmodellen zu verdanken. Nach dem VW Käfer, der erstmals im Jahr 1946 ausgeliefert wurde, brachte Volkswagen 1950 auch den VW Bus T1 auf den Markt. Beide Modelle wurden zu Autolegenden. Heute ist die Produktpalette längst nicht mehr allein auf den Massenmarkt ausgerichtet. Neben dem Volkswagen gehören mittlerweile elf weitere Marken zum Konzern – von den Edelschmieden Bugatti, Lamborghini und Bentley über Premiumhersteller wie Porsche und Audi bis zu Massenmarken wie Skoda und Seat. Über den Plan, ein Auto für jeden Deutschen zu bauen, ist der Konzern damit längst hinausgewachsen.

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