81. Autosalon: Vorhang auf für Genf – und VWs Mega-Show

81. Autosalon
Vorhang auf für Genf – und VWs Mega-Show

Ford gegen VW, neue gegen alte Welt. Das Comeback-Kid der US-Autoindustrie fordert den deutschen Branchenriesen auf dem heute startenden Genfer Autosalon heraus - und tritt gegen einen Showstar an.
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GenfEs ist nicht nur einfach voll, es ist eigentlich schon zu voll. Booked out. Menschentrauben stehen sich am Eingang die Beine in den Bauch - nicht selten erfolglos. Wer hier keine Einladung hat, kommt nicht rein und kann um die Ecke in einem Zelt unterm Heizpilz Platz nehmen. Nein, das ist nicht der Einlass einer angesagten Disco am Wochenende, das ist das Volkswagen-Event am Montagabend vor dem ersten Pressetag des Genfer Automobilsalons. Das große Auftakt-Rock-Konzert der Automobilbranche.

Hier und jetzt schlägt das Herz der europäischen Autoindustrie lauter als irgendwo sonst. Und zwar so laut, dass selbst ein Auto-Grandseigneur wie Wolfgang Porsche in seinem beigen Wollmantel nahezu unbehelligt in den Saal schlüpfen kann. Bussi, ciao, schön, dass man sich sieht: Die VW-Welt feiert sich selbst - und alle wollen sie dabei sein. Grund dazu gibt es allemal. "2010 war das beste Jahr in der Volkswagen-Geschichte", wird Konzernchef Martin Winterkorn sagen, und ja, er wird dann sehr zufrieden in seinem dunklen Zweireiher aussehen.

Im abgelaufenen Jahr schraubte Europas größter Autokonzern den Jahresüberschuss dank kräftig gestiegener Verkaufszahlen auf 7,2 Milliarden Euro hoch. Weltweit lieferte Volkswagen im vergangenen Jahr 7,2 Millionen Fahrzeuge aus - ein Plus von 13,7 Prozent. "Wir sind stärker gewachsen als der Weltmarkt", brüstet sich Winterkorn und jeder im Saal ahnt, dass Konzern-Patriarch Ferdinand Piech in diesem Moment ein leises Lächeln auf den Lippen hat. Das wird wohl auch der Fall gewesen sein, als Winterkorn die Beteiligung von VW an dem Karbonspezialisten SGL Carbon bekannt gab.

Genf ist VW-Land. Und Genf ist nicht Detroit. Das wird schon beim ersten Schritt ins mondäne Hotel klar, das sich einer der großen Herausforderer der Wolfsburger für seine Messe-Preview ausgesucht hat: Ford. Standesgemäß für einen großen Autohersteller ist das Hotel direkt am Genfer See zweifellos. Noblesse oblige, die Zeiten klammer Geldbeutel sind bei Ford vorbei. Die Amerikaner sind zurück, haben Drive - und wie! Da brauchen sich die Car Guys und Ladies aus Dearborn nicht hinter ihren Konkurrenten aus Wolfsburg zu verstecken.

Seit mehr als zehn Jahren stand Ford nicht mehr so gut da: Der US-Autobauer konnte 2010 seinen Gewinn auf 6,6 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln. Ford setzte insgesamt gut 5,3 Millionen Autos ab - nach 4,9 Millionen im Krisenjahr 2009. Das ist der Höhepunkt eines glanzvollen Comebacks - und Ford rechnet im laufenden Jahr noch mit "mit weiteren Verbesserungen", wie Konzernchef Alan Mulally jüngst sagte. Ergo: "Ford rockt."

Mag sein, aber hier und jetzt, wenige Stunden von VWs Show mit dem fast schon lyrischen Titel "L'esprit des Marques" rocken zwar die Boxen und die Musik der DJs, aber Platzprobleme gibt es keine. Alles ist blau, schick, aber eher sachlich. No show, no Rock. Wenn VWs großes Vorabend-Happening ein Rockkonzert der Rolling Stones ist, dann steigt bei Ford gleich Phil Collins aufs Podest. Rund um die von einem halbtransparenten, blau beleuchteten Baldachin abgeschirmte Weltpremiere haben sich zwar einige Schaulustige eingefunden, aber keine Massen wie bei VW.

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Kommentare zu " 81. Autosalon: Vorhang auf für Genf – und VWs Mega-Show"

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  • Warten wir mal ab, wie lange sich Ford mit ihren immer
    noch spritfressenden Modellen am Weltmarkt halten kann.
    Am Ende sieht dann die "Neue Welt" ganz alt aus.

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