83. Autosalon Genf
Wortloser Auftakt der großen Vorsitzenden

Dieter Zetsche und Martin Winterkorn halten sich beim Schaulaufen ihrer Marken zurück. Die Chefs von Daimler und VW sind mit den Gedanken woanders. Die Vertrags- und Gehaltsdiskussionen haben ihnen zugesetzt.
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GenfEigentlich hätte auf dem VW-Markenabend in Genf die Champagnerlaune regieren können können. Vier Stunden vor Beginn der Veranstaltung war der Golf mit dem begehrten Autopreis „Auto des Jahres“ ausgezeichnet worden. Mit einem kürzlich vorgelegten Rekordgewinn von 11,5 Milliarden Euro und einem Rekordabsatz von 9,3 Millionen verkauften Fahrzeugen im Rücken, hätte VW-Chef Martin Winterkorn allen Grund für einen großen Auftritt gehabt.

Doch als die große Show kurz vor der offiziellen Eröffnung des 83. Genfer Autosalons vorbei war und alle Marken ihren Auftritt hingelegt hatten, als er seine Rede von Rekordgewinnen und Werthaltigkeit beendet hatte, wollte Winterkorn nicht mehr reden. Keine Interviews. „Nix heute“, gab der Vorstandsvorsitzende den verwunderten Journalisten zu verstehen. 

Der VW-Chef war mit den Gedanken offenbar nicht bei Modellen, Rekordgewinn und dem Rekordabsatz. Die Diskussion um sein Gehalt hat Winterkorn zugesetzt. Nachdem die Höhe seiner Bezüge wochenlang in der Öffentlichkeit breitgetreten wurden, beschloss der Aufsichtsrat vor knapp zwei Wochen schließlich eine Begrenzung der VW-Managementgehälter. Winterkorn erhält für das abgelaufene Jahr 14,5 Millionen Euro. Ursprünglich hätten ihm 5,5 Millionen Euro mehr zugestanden.

Die Deckelung von Managementgehältern war auch das einzige Thema, zu dem sich Winterkorn in Genf weiter äußerte. „Die Schweiz ist die Schweiz, und Deutschland ist Deutschland“, sagte der VW-Chef zur Volksabstimmung in der Alpenrepublik. Die Menschen in der Schweiz hätten sicher ihre Gründe für die Entscheidung gehabt. „Ich glaube nicht, dass es in Deutschland dafür Gründe gibt.“

Doch vielmehr gab es nicht zu hören von Winterkorn. „Nix da“: Es hätte auch die Überschrift des Markenabends sein können. Die Wolfsburger boten viel Pathos, eindrucksvolle Präsentationen, große Versprechen, aber leider wenig Neues.

Normalerweise gilt der Markenabend der Wolfsburger am Vortag der Messe als ein Ort der Weltpremieren und Überraschungen. Bei der großen Präsentation der VW-Konzernmarken in der „Halle Espace Sécheron“ war dieses Jahr allerdings viel erwartbar, statt der Revolution herrschte die Evolution. Die großen Premieren spart sich der Autokonzern offenbar für die zweite Jahreshälfte auf. Immerhin findet im Herbst ja noch die IAA in Frankfurt statt.

Zwischen den wummernden Bässen schwang viel Zukunftsmusik mit. Eröffnet wurde der Markenabend mit der Präsentation des 1-Liter-Autos von Volkswagen, dem neuen XL1. Einer Vision von Ferdinand Piëch, die nach fünf Jahren Entwicklung endlich serienreif ist, allerdings nur für die Kleinserie. Nach Ankündigung von Winterkorn sollen vorerst nur 250 Exemplare gebaut werden.

Kommentare zu " 83. Autosalon Genf: Wortloser Auftakt der großen Vorsitzenden"

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  • @ san-michel
    Ich bin zwar kein SOZI ( ich hätte sämtliche Nomenklatura abgewählt ) aber schauen Sie sich mal den Artikel an...passt zum Thema !

    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/plaene-fuer-rot-gruene-bundesratsinitiative-laender-machen-gegen-abzocker-in-chefetagen-mobil/7881632.html

  • @ @ san-michel

    Aus allen Herrenländern möchten Menschen hier gerne leben, weil man frei entscheiden und sein Leben mir eigener Leistung verwirklichen kann.

    - Das glauben aber nur Sie.

    Durch Ihr Eingreifen in die frei Vertragsfreiheit wäre wie nie so weit gekommen, schreiben Sie sich das mal hinter die Ohren.

    - Die Auszahlung von ungerechten horrenden Provisionen und Bonis ist ein Eingriff in die Vertragsfreiheit.


    Gerecht ist nicht immer was Sie für gerecht empfinden.

    - Habe ich nie behauptet.

    Es ist auch nicht gerecht das andere Menschen mit Ihrer Arbeit nicht leben können, da es zu wenig ist und sie ihr Gehalt deshalb aufstocken müssen. Das ist aber ein Problem, das anders gelöst werden muss, und nichts mit dem Gehalt des Herrn Winterkorn zu tun hat.

    - Das hat wohl mit Winterkorns zu tun. Rechte Tasche, linke Tasche. Was Winterkorns zu viel bekommen, bekommen andere zu wenig ! So einfach ist das.


    Wenn der Aktionär/Anteilsinhaber/Firmenbesitzer sagt, mein Angestellter ist mir das wert und ich möchte ihm das bezahlen, dann hat er das zu können, da es sein Geld ist, und nicht Ihr Geld.

    - Hier liegt Ihr Denkfehler : Sie vermischen Birnen mit Äpfeln !


    Wir haben hier eine Demokratie, da gibt es Meinungs- und Entscheidungsfreiheit, und die wollen Sie als "Gutmensch" nicht akzeptieren?

    - Das ist eine simple Unterstellung....bzw. Pöbelei !


  • @ san-michel

    Was ist denn für Sie Gerechtigkeit?

    Wenn jemand nicht mehr Geld verdient als Andere?

    - Nein. Wenn wir ein System haben, in dem nicht 8 Mio. Menschen sich ausziehen müßen, täglich mit Existenzangst zu kämpfen haben und von wildgewordenen Beamtenschmarotzern noch schikaniert werden !


    Es wird sehr gerne mit dem Wort Gerechtigkeit gearbeitet, da jeder doch im Grunde Gerechtigkeit will. Ich bin auch für Gerechtigkeit ... aber wenn Firmenbesitzer bereit sind, jemandem 14 Mio zu zahlen, dann können Sie das machen.

    - Einverstanden. Bei Firmenbesitzern, die ihr eigenes Geld dafür einsetzen.
    Nicht aber bei Angestellten von Großkonzernen, die teils mit Steuergeldern über Wasser gehalten werden ( Abwrack-Aktionen ) und ihre Arbeit mit Zuhilfenahme der Leihfirmen für Hungerlöhne entrichten lassen bzw. Menschen AUSBEUTEN.


    Wenn ich einem Kellner, einem Handwerker oder vielleicht auch meinem Angestellten ein Trinkgeld/Bonus zahle, muss ich mich dann auch noch bei Ihnen rechtfertigen, warum ich Ihm einen Aufschlag auf die Rechnung von 10 oder 20 % gegeben habe, der Koch oder die Servicekraft hat diese Zahlung von mir nicht bekommen. Ist das dann auch wieder nicht gerecht.

    - Dieser Vergleich hinkt !


    Also was ist für Sie Gerechtigkeit? Wenn jemand für mich gut arbeitet, und ich bereit bin Ihm einen Bonus zu zahlen, dann darf ich diesen Bonus nicht selber festlegen, sondern muss mir erst von anderen die Erlaubnis über die Höhe einholen, obwohl es mein Geld ist, da ich Aktionär bin.

    - Ich bin auch Aktionär bei VW. Und ich bin der Meinung, dass 300.000 € für Winterkorn genug sind !
    Winterkorn ist nicht Inhaber von VW. Er ist ein Angestellter.



    Sie führen diese Diskussion auf einem Niveau, dass uns nie zu diesem Land gemacht hätte, welches wir jetzt sind.
    - Einverstanden. Hätten wir die heutigen Verhältnisse vor Jahrzehnten bekommen, wären wir heute nicht da, wo wir sind.

    Aus allen Herrenländern möchten Menschen hier gerne leben, weil man frei entscheiden

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