A 380
Testflug in Pastell

Die A380 hat Airbus in eine tiefe Krise gestürzt. Nun sind die Probleme behoben, und die Serienproduktion des Riesenjets läuft – eine Platzrunde über dem Atlantik.

TOULOUSE. Wer am Flügel sitzt, hat Pech gehabt. Zumindest wenn er auf einen Fensterplatz gesetzt hat, der gewöhnlich den Blick auf Berge, Flüsse, Städte gestattet. Mächtig erstrecken sich die riesigen Schwingen unterhalb der Sitzreihen 64 bis 74, doch die Welt darunter geben sie nicht frei. Die Schwingen sind einfach zu groß.

360 Tonnen Startgewicht brauchen eben viel Auftrieb. Mag man bei anderen Flugzeugen noch links und rechts an den Tragflächen vorbeilugen – in Reihe 70/Unterdeck geht das nicht mehr. Eine Kamera an der Heckflosse überträgt den Start in die Kabine. Der Passagier guckt auf einen Monitor, statt verträumt die schrumpfenden Häuschen und Straßen draußen zu bestaunen – willkommen an Bord der A380, des größten Passagierflugzeugs der Welt.

Kaum haben die vier Triebwerke den Riesenairbus in die Luft gewuchtet, knallen an Bord die Champagnerkorken an der pastellfarbenen Rundbar im Unterdeck. „Wir sind zertifiziert, wir sind flugbereit, wir sind leider nur nicht rechtzeitig fertig geworden“, sagt John Leahy, oberster Verkaufsmanager bei Airbus. Er musste seinen 15 Kunden erklären, warum sie auf ihre Bestellungen bis zu zwei Jahre länger warten müssen. Denn der A380 hat Europas Flugzeugbauer Airbus in eine tiefe Krise gerissen.

Heute jedoch ist John Leahy einfach nur ein glücklicher Verkäufer, der endlich einen fliegenden Showroom hat. Dies ist sein Tag: Die A380, Seriennummer MSN 007, die erste mit kompletter Kabineneinrichtung, geht mit 215 Journalisten und zwei Dutzend Kamerateams in die Luft. Eine Platzrunde über der Provence – voilà, der Vogel fliegt.

Eine Schlechtwetterfront kommt vom Atlantik: Der Seitenwind zerrt an dem Riesen. Mögen kleinere Flugzeuge nun zittern und wackeln – der träge Riesenairbus liegt wie ein Brett in der Luft. Co-Pilot Wolfgang Absmeier lädt zum Cockpitbesuch. „Die Maschine fliegt sich leichter als andere“, sagt der Airbus-Testpilot. Bei den ersten Testflügen hatte er noch einen Fallschirm auf dem Rücken – notfalls wäre er über eine Bodenluke im Cockpit abgesprungen. Musste er aber nie.

Absmeier und seine Kollegen haben das Flugzeug schon über den Nordpol gejagt, in der Hitze der Sahara getestet, Sturzflüge und Triebwerksausfälle simuliert. Extrem gutmütig habe die A380 die Torturen überstanden, preist der gebürtige Bayer sein Arbeitsgerät. Sie habe die Proportionen der A318, des kleinsten Airbus, erklärt der Ex-Luftwaffenpilot. „Aber die pure Masse macht sie souveräner“ – spricht’s und legt den Super-Jet in eine sanfte Rechtskurve. 1,5 Tonnen Luft pro Sekunde saugt nun jede der vier Turbinen in die Schaufelwerke unter den Flügeln.

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