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A.T. Kearney-Studie: Erhebliches Potenzial für Fracking in Europa gesehen

exklusivDie Fördermethode „Fracking“ zur Gewinnung unkonventionellen Erdgases ist umstritten. Doch eine Unternehmensberatung sieht erhebliches Potenzial für Europa. Gasverbraucher könnten die Gewinner sein.

Aus Sorge vor Umweltschäden gibt es Protestbewegungen gegen Fracking-Projekte. Quelle: dpa
Aus Sorge vor Umweltschäden gibt es Protestbewegungen gegen Fracking-Projekte. Quelle: dpa

DüsseldorfDie Förderung von Erdgas mittels der umstrittenen Fracking-Technologie könnte Europas Abhängigkeit von Brennstoffimporten reduzieren und zugleich zu einem Jobmotor werden. Voraussetzung für diese Entwicklung ist allerdings ein verlässlicher, europaweit vereinheitlichter Regulierungsrahmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney zu den Potenzialen nicht konventioneller Gasvorkommen in Europa, die dem Handelsblatt (Montagausgabe) vorliegt.

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Den Berechnungen von A.T. Kearney zufolge könnte nicht konventionelles Gas bis zum Jahr 2035 — ohne das klassische Produzentenland Norwegen — einen Anteil von rund 45 Prozent an der europäischen Gasförderung ausmachen und zehn Prozent des europäischen Gesamtbedarfs decken. Sieben Prozent der weltweit erschließbaren Vorkommen befinden sich der Studie zufolge in Europa. A.T. Kearney erwartet, dass sich Fracking in den meisten Ländern Europas nach 2018 wirtschaftlich betreiben lässt, weil sich bis dahin die Bohrtechniken weiter verbessert hätten.

Strenge Auflagen für Schiefergas-Bohrungen

  • In den USA bereits voll im Einsatz

    In Ländern wie den USA boomt die Ausbeutung schwer zugänglicher Gas- und Ölvorkommen bereits seit längerem - in Deutschland will die Bundesregierung bis zum Sommer Rahmenbedingungen festlegen. Mithilfe der heftig umstrittenen „Fracking“-Technologie können fossile Energieträger aus Gesteinsschichten wie etwa Schiefer herausgelöst werden. Der Begriff steht kurz für „hydraulic fracturing“ - zu deutsch so viel wie hydraulisches Aufbrechen von Gestein.

  • Fracking-Technologie

    Kern der Technik ist es, Wasser, Sand und Chemikalien in Gestein zu pressen und dadurch Druck zu erzeugen. Dadurch sollen Gas oder Öl freigesetzt werden. Von großer Bedeutung sind heute horizontale Bohrungen, mithilfe derer seitwärts innerhalb einzelner Gesteinsschichten gebohrt werden kann. Dadurch können dieses in der Breite erschlossen und schwer erreichbare Rohstoffvorkommen zugänglich gemacht werden.

  • Kritik

    Kritiker bemängeln beim Fracking unter anderem den Einsatz von Chemikalien. Die Substanzen könnten durch undichte Stellen ins Erdreich eindringen. Daneben stellen Bohranlagen für Kritiker einen Eingriff in die Natur dar.

  • Fracking in Deutschland

    Fracking zur Erschließung von schwer zugänglichen Gas- oder Ölvorkommen in Deutschland gibt es nach Angaben des Bundesumweltministeriums bislang nicht. Im Kohlebergbau wird die Technologie jedoch eingesetzt und teils auch bei Erdwärmebohrungen. Regeln für das Fracking gibt es laut Ministerium bislang nicht, nun sollen diese geschaffen werden. Bislang ließen Bundesländer Fracking schon eingeschränkt zu.

  • Pläne der Bundesregierung

    Die Bundesregierung fängt die Kritik in der geplanten Verordnung auf, indem sie Fracking in Trinkwasserschutzgebieten verbietet und Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) für Bohrvorhaben für verbindlich erklärt. Die UVP ist Teil des erforderlichen Planfeststellungsverfahrens für Bohrvorhaben, womit auch die Öffentlichkeit eingebunden wird. Beim Einsatz des Fracking im Bergbau werden Umweltverträglichkeitsprüfungen damit nicht verpflichtend.

  • Schiefergasvorkommen in Deutschland

    Laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) lagern unter der Oberfläche der Bundesrepublik bis zu 2,3 Billionen Kubikmeter Erdgas aus Schiefergestein. Damit könnte Deutschland theoretisch über ein Jahrzehnt ohne Gaslieferungen aus dem Ausland auskommen. Durch das Verbot von Fracking in Wasserschutzgebieten dürfte sich das Potenzial deutlich verringern.

  • Wirtschaftlichkeit

    Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim kam kürzlich in einer Studie zu dem Schluss, dass sich Fracking in Deutschland und der EU bei den aktuellen Gaspreisen bislang "überhaupt nicht lohnen" würde. Das ZEW befragte Energiemarktexperten, auf welches Niveau der Preis je Megawattstunde Gas dafür steigen müsste. Derzeit kostet Erdgas an Großhandelsbörsen laut ZEW rund 27 Euro. 30 Prozent der Experten halten einen Preis von 40 bis 50 Euro nötig, 34 Prozent der Gaspreise von 50 bis 60 Euro oder darüber mehr.

  • Fracking in anderen Ländern

    Die USA decken einen erheblichen Teil des heimischen Bedarfs mit Schiefergas und Schieferöl. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) könnten die Vereinigten Staaten 2030 vollkommen unabhängig von Energieträgern aus dem Ausland sein. Schon 2017 könnten die USA demnach Saudi-Arabien und Russland als weltgrößte Ölproduzenten ablösen. Nach Einschätzung des Ölkonzerns Shell haben die USA durch Fracking einen Erdgasvorrat von 100 Jahren - die Staaten der Welt insgesamt für 250 Jahre. In Europa treibt unter anderem Polen die Schiefergas-Förderung voran.

Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass Europa jährlich Energieimporte im Umfang von 19,5 Milliarden Euro einsparen könnte, wenn nicht konventionelles Gas konsequent gefördert würde. Bis 2035 könnten dadurch 255 000 neue Arbeitsplätze entstehen und die Gashandelspreise um bis zu sechs Prozent sinken.

  • 12.05.2013, 15:23 UhrKeine_Moral_und_kein_Gewissen

    Nur wieder den Profit und dessen Maximierung im Sinn. Wenn wir das Geld in energieeffizientere Produkte und Lösungen stecken würden, dann wäre der Menschheit, dem Planeten und unserer Nachfolgegeneration ein größerer Dienst erwiesen.

    Stoppt diesen Eingriff in die Natur.

  • 12.05.2013, 15:23 UhrRalphFischer

    Die Kosten für Gas könnten um 6% sinken - und die Kosten für Trinkwasser um 200% steigen...

    Das letzte was ich möchte ist ein EUROPAWEIT einheitliches Verfahren auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner... Das ist noch nie gut gegangen...

  • 12.05.2013, 15:40 Uhrpool

    Komisch, dass das Handelsblatt immer die letzte Scheisse kolportiert?

    Wer noch ein bisschen Erinnerungsvermögen hat, der merkt in den Städten sofort, wie abgewirtschaftet die Bevölkerung ist. Sollte es hier noch ein Fünkchen Intelligenz geben, muss der Widerstand radikaler werden. Problematisch an den Deutschen, wenn man sie mit ihren Lebenslügen konfrontiert, fallen sie zusammen wie Mimosen. Und dann machen sie sich schwer wie Mehlsäcke, als könnte sie nicht bis 3 zählen!

    Entweder, man will Brüssel und seine korporative Schweinepolitik zum Teufel jagen, dann muss man die Sache ernster nehmen und vior allem mal über seinen Schatten springen!

    Mit der AfD könnte das gelingen, aber im Bewusstein der Bürger muss sich grundlegend etwas verändern! Weg mit dem Selbstbetrug! Der hat hier lange genug gedauert und ist gänzlöich fehl am Platze! Die Kohle muss man schon selber mit aus dem Feuer holen und man wird von der Geschichte überrollt wie von einer Dampfwalze!

    Der Alptraum dauert jetzt 23 Jahre und mit jedem Tag errodiert die Gesellschaft mehr. Will man das stoppen, dann hoch vom Sofa mit dem fetten Arsch!

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