A-Tec in Bedrängnis
Der schillernde Mirko Kovats hat Geldsorgen

Schwere Verluste mit Kraftwerksprojekten in Australien zwingen den österreichischen Mischkonzern A-Tec Industries in die Knie. Konzernchef und Hauptaktionär Mirko Kovats hat ein Sanierungsverfahren in Eigenverantwortung beantragt.
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HB WIEN. Mit dem Sanierungsverfahren will Kovats einen Großteil der Anleiheschulden los werden und seinen Industriekonzern retten. Die Probleme hatten sich in den vergangenen Wochen abgezeichnet. A-Tec konnte eine Anleihe zur Refinanzierung eines am 2. November auslaufenden Bonds nicht platzieren. Zudem zierten sich die Banken, die Kreditlinie von knapp 800 Mio. Euro zu verlängern. Hintergrund dafür sind zwei Kraftwerke, die die A-Tec-Tochter Austrian Energy in Australien baut. Rund 120 Mio. Euro Verluste fielen dabei an, sagte Kovats am Mittwoch vor Journalisten. "Diese Probleme in Australien waren nicht absehbar."

Erst vor wenigen Tagen hatte A-Tec deshalb seine Ergebnisprognose gesenkt. "Austrian Energy ist eine echte Baustelle", räumte Kovats ein. Er sieht daher in erster Linie in dieser Division Handlungsbedarf. Schlanker und effizienter müsse die Austrian Energy werden. Näheres sagte der Industrielle aber dazu nicht. Kovats zufolgen haben deren Probleme aber dazu geführt, dass die Anleihe nicht zu platzieren war und auch die Kreditlinien zurückgezogen wurden. Die übrigen Bereiche Maschinenbau, Motorenbau und Kupfer liefen gut und seien nicht betroffen, merkte er an.

Der Sanierungsplan betrifft laut Kovats nur die A-Tec Industries AG, die Holdinggesellschaft des Konzernes. Sie hat Anleihen im Ausmaß von insgesamt rund 350 Mio. Euro vorwiegend an institutionelle Investoren verkauft. Hinzu kommen noch Garantien von bis zu 400 Mio. Euro. In welchem Ausmaß diese Garantien schlagend werden, ist offen, sagte Kovats. Den Anleihegläubigern wird vorerst eine Quote von 30 Prozent angeboten. Sie müssten somit 70 Prozent ihres Investments abschreiben.

Kovats hat nun 90 Tage Zeit, die Gläubiger von seinem Sanierungsplan zu überzeugen. Ob A-Tec möglicherweise eine höhere Quote zahlt, ist offen. Kovats sagte, man werde mit allen Beteiligten verhandeln, mit dem Ziel, die A-Tec als Gruppe zu erhalten. Auch die Kredit gebenden Banken müssten womöglich auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.

Das Sanierungsverfahren ist seit Juli neu in Österreich und ersetzt das bisher übliche Ausgleichsverfahren. Damit sollen Unternehmen geschützt werden. Sie sollen größere Chancen haben, einer Pleite zu entgehen.

A-Tec beschäftigt weltweit 12 000 Menschen, davon etwa 2000 in Österreich und rund 3500 in Deutschland. Kovats hält 67 Prozent der Gruppe. Die Aktie der A-Tec ist vom Handel ausgesetzt. Zuletzt notierte sie mit 5,75 Euro. Mit einem Kursverlust von einem Drittel seit Jahresbeginn ist das Papier einer der großen Verlierer in Wien.

Der Marktwert von A-Tec ist zum Handelsauftakt um rund zwei Drittel gesunken: Die Aktie lag zwischenzeitlich 67 Prozent im Minus.

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