A320 von Airbus
Der fliegende Goldesel

Milliardenbestellungen für Mittelstrecken-Jets füllen die Auftragsbücher der Flugzeugbauer. Nun kann Airbus den größten Auftrag der Unternehmensgeschichte einfahren. Der Kunde kommt aus Indonesien.
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Düsseldorf/ParisDerzeit gibt es für Frankreichs Präsident Hollande wenige wirtschaftliche Erfolgsmeldungen. Die Verkündung des größten Auftrags in der Geschichte von Airbus wollte Frankreichs Staatsoberhaupt darum persönlich übernehmen. Am frühen Montagvormittag verkündete das Präsidialamt die Bestellung von 234 Mittelstrecken-Jets vom Typ A320 durch die indonesische Fluggesellschaft Lion Air. Insgesamt umfasst der Deal ein Volumen von 18,4 Milliarden Euro. Die Indonesier setzten insbesondere auf die spritsparende Variante A320neo. Für Airbus ist die Bestellung gleich ein doppelter Gewinn: Lion Air galt bisher als treuer Boeing-Kunde. Im November 2011 hatte Lion Air bereits 230 Maschinen des Typs B737 bei Konkurrent Boeing bestellt.

Während die neu entwickelten Großflieger sowohl Boeing als auch Airbus Probleme bereiten, haben sich die überarbeiteten Mittelstreckenjets zu den Goldeseln der Flugzeugbauer entwickelt. Im vergangenen Jahr hatte Boeing mit 1.203 Bestellungen durch seine 737 noch die Nase vorn. Doch auch Airbus kommt auf einen Auftragsbestand von 833. Und täglich kommen neue Bestellungen hinzu. Am Freitag hatte die türkische Fluggesellschaft Turkish Airlines 82 neue A320 geordert und sich gleichzeitig die Option für 35 weitere gesichert. Die Lufthansa hatte Airbus mit einem Großauftrag über 102 Flugzeuge im Wert von 8,6 Milliarden Euro beglückt. Neben zwei A380 bestellt die Lufthansa rund 100 A320.

Alleine die hohe Nachfrage nach Mittelstreckenjets dürfte die Airbus-Produktion bis zum Ende des Jahrzehnts auslasten. Konzernchef Enders hatte darum angekündigt, die monatliche Produktionsrate auf 50 A320 pro Monat zu steigern. 2015 will der Konzern das erste US-Montagewerk in Mobile, Alabama, eröffnen. Im Heimatmarkt des Konkurrenten Boeing sollen künftig vier Flugzeuge pro Monat gebaut werden. Schon seit 2008 montiert der Konzern seine Flugzeuge auch im chinesischen Tianjin. Vorgefertigt werden die Bauteile weiterhin im Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder.

Die prall gefüllten Auftragsbücher dürften dem Flugzeugbauer daher auch im laufenden Jahr kräftige Gewinne bescheren. Konzernchef Enders peilt einen Konzernüberschuss von 3,5 Milliarden Euro an, nach 2,2 Milliarden im Jahr 2012. Die Rendite soll bis 2015 auf zehn Prozent steigen – fast doppelt soviel wie derzeit.

Damit Airbus sich die Krone der Flugzeugbauer zurückerobern kann, muss das Unternehmen aber auch bei den Langstrecken-Fliegern konkurrenzfähig bleiben. Die Nachfrage nach dem Riesenflieger A380 war zuletzt deutlich gesunken, 2012 wurden nur noch vier Modelle bestellt. Wegen Haarrissen in den Tragflächen mussten bestellte A380 zurückgerufen werden. Der Hoffnungsträger ist für Airbus längst zum Problemfall geworden.

Frischen Wind auf der Langstrecke soll daher ein neues Modell bringen: 12 Milliarden Euro hat Airbus in die Entwicklung des A350 gesteckt. Als erster Airbus-Jet soll der Rumpf wie bei Boeings Dreamliner aus Kohlefaser gefertigt werden. 2015 soll die Produktion des Dreamliner-Konkurrenten anlaufen, 120 Exemplare des Grundmodells A350-900 werden dann pro Jahr gefertigt. 2017 sollen die ersten Flugzeuge ausgeliefert werden. Zu den Kunden zählen die großen arabischen Airlines Emirates und Qatar.

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  • Ein Artikel voller Fehler. Der Auftragsbestand besteht nicht aus 833 Flugzeugen, das sind die in netto-Neubestellungen von 2012. Der A350 SOLL auch nicht größtenteils aus CFK hergestellt werden, er WIRD es. Erstflug der -900 ist für dieses Jahr geplant, die Auslieferung ab 2015 und nicht die Produktion. 120 Flugzeuge pro Jahr werden dann auch noch nicht gebaut, die Produktion soll stufenweise hochgefahren werden und später einmal wird die Rate 120 Maschinen pro Jahr erreichen. Ab 2017 soll dann die Version -800 ausgeliefert werden. Recherche ist alles.

  • Außerdem werden die Triebwerke normalerweise separat gekauft/geleast ...

  • diese erfolgsmeldung ist mit vorsicht zu genießen,handelt es sich doch bei indonesien um einen zweitweltstaat ,in dem instabile verhältnisse herrschen

    die bestelllung wird eher der in aussicht gestellten großzügigen finanzierung geschuldet sein und weniger der leistungsfähigkeit des produkts

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