A350
Airbus plant ins Blaue hinein

Dass Airbus das Langstrecken-Flugzeug A350 baut, steht nach monatenlangem Hickhack fest. Wie die Entwicklung der Maschine bezahlt werden soll, ist indes noch offen. Die Beschaffung der nötigen Milliarden entpuppt sich als Minenfeld. Airbus rechnet deshalb mit Geld, das das Unternehmen noch gar nicht hat.

HB/ali MÜNCHEN/PARIS. Die Entwicklung des Airbus A350 in der komplett neu konstruierten Version XWB kostet den europäischen Flugzeug-Hersteller 10 Mrd. Euro. Das sagte Airbus-Chef Louis Gallois am Montag in Paris und bestätigte damit Schätzungen von Experten. Ursprünglich waren lediglich 4 Mrd. Euro veranschlagt worden. Damals wollte Airbus aber auch den existierenden A330 lediglich modernisieren. Die Kunden rebellierten jedoch gegen den Plan, so dass der Konzern am Freitag schließlich die völlige Neukonstruktion bekanntgegeben hat.

Bei dem Beschluss zum Bau des neuen Langstreckenflugzeugs hat das Board des Mutterkonzerns EADS wichtige Finanzierungsfragen lediglich vertagt, aber nicht geklärt. „Die Finanzierung der A 350 ist eine Gleichung mit vielen Unbekannten“, hieß es aus dem Umfeld von EADS-Großaktionär Arnaud Lagardère.

Finanziert werden solle der Langstrecken-Flieger vor allem aus Barmitteln von EADS, sagte Gallois, der zugleich Co-Chef der Mutter EADS ist. Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern verfüge über genügend Gelder, die investiert werden könnten. Über staatliche Darlehen sei noch nicht entschieden. Alle Optionen würden geprüft. Zur Finanzierung des A350 schloss der Airbus-Chef auch eine Kapitalerhöhung nicht aus. „Das ist nur eine Möglichkeit. Wir müssen prüfen, ob das nötig ist.“

Mit dem A350 XWB soll dem Boeing-Typ 787 „Dreamliner“ Paroli geboten werden, für den der US-Rivale bislang vier Mal so viele Aufträge hat. Auch wenn der neue Airbus erst 2013 und damit fünf Jahre später als die Boeing 787 ausgeliefert werden soll, sieht Gallois sich einen Schritt vor der Konkurrenz. Der A350 sei leichter, leiser, umweltfreundlicher und biete größere Sitze. Wegen der um drei Jahre verschobenen Auslieferung dürfte laut Airbus-Verkaufschef John Leahy aber einige Stornierungen der 102 schon vorliegenden Bestellungen geben.

Prinzip Hoffnung

Das EADS-Board setzt bei der Finanzierung offenbar auf das Prinzip Hoffnung: „Künftig notwendige Finanzierungen werden unter dem Gesichtspunkt gehandhabt, eine starke Bilanz fortzuschreiben“, heißt es lediglich in der Pressemitteilung zu der Frage, woher das Geld kommen sollen, wenn der eigene Cash Flow, das Sparprogramm „Power8“ und Kostenbeiträge von Industriepartnern nicht ausreichen sollten.

Risiko-Faktor Cash Flow: Nach der erneuten Verspätung für den Großraumflieger A380 weigert sich EADS, eine konkrete Prognose für den Cash-Flow zu machen. Die jüngst angekündigte Erhöhung der Produktion für die Mittelstreckenflugzeuge A320 dürfte gewiss positiv auf die Kassenlage wirken. Doch nach wie vor drohen Abbestellungen für den A380 und vor allem der fallende Dollar neue Löcher zu reißen.

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