A380
Harte Landung für Airbus

Mit dem A380 wollte sich Airbus einen alten Traum erfüllen: Die Monopolstellung des Erzrivalen Boeing mit seinem Jumbo-Jet 747 zu brechen. Der Traum schien mit dem Abheben des A380-Prototyps vor mehr als einem Jahr in Erfüllung gegangen zu sein. Doch langsam wird aus der Geschichte ein Albtraum. Die Probleme häufen sich, nicht nur bei dem Riesenflieger.

MÜNCHEN. Es knirschte lange, bis es richtig krachte. Monatelang wiederholten die Airbus-Manager ihr ewiges Mantra: Keine Probleme bei der A380, alles läuft nach Plan. Doch je näher die Auslieferung des Flugzeugs rückte, desto konkreter wurden die Gerüchte: Der Innenausbau zieht sich, die Produktion stockt, die Kunden werden nervös. Nun wurde das Desaster öffentlich: Mindestens sechs Monate sei Airbus mit seinem Flaggschiff hinter dem Zeitplan, teilte der Mutterkonzern EADS am Dienstagabend mit. Innerhalb weniger Stunden brach der Aktienkurs am Mittwoch um über 26 Prozent ein, gestern erholte er sich nur wenig – Bruchlandung auf dem Parkett.

Das Flaggschiff der Airbus-Familie soll einen alten Traum des Airbus-Managements erfüllen: Jahrelang klagten die Europäer über die Monopolgewinne des Erzkonkurrenten Boeing. Die Amerikaner boten mit der nunmehr über dreißig Jahre alten Boeing 747 das einzige Flugzeug an, das über lange Strecken fast 500 Passagiere befördern kann. Und sosehr die Europäer in den unteren Segmenten des Flugzeugbaus punkteten, die Königsklasse der Superjumbos blieb ihnen verwehrt. So entstand Ende der 90er-Jahre der Plan für die A380, die die Mutter EADS auf Augenhöhe mit Boeing bringen sollte.

Doch die Amerikaner konterten – eine Klasse tiefer: Die Boeing 787, ein Flugzeug vornehmlich aus Verbundwerkstoffen, gewinnt derzeit einen Auftrag nach dem anderen und ist mittlerweile über 400-mal verkauft worden, obwohl sie erst in zwei Jahren fliegen soll. Aber auch Boeing kämpft derzeit mit den Tücken der neuen Technik: Bei Rumpftests habe es Schwierigkeiten gegeben, meldete jüngst das Magazin „BusinessWeek“.

Den Erfolg des Erzrivalen kann Airbus – das für fast zwei Drittel der Umsätze des deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS steht und dessen Wachstumstreiber ist – noch gelassen sehen. Denn dank der seit Jahren heiß laufenden Flugzeugkonjunktur stehen derzeit über 2 100 Maschinen in den Büchern, deutlich mehr als bei Boeing. „Das ist ein Rekordauftragsbestand. Das müssen wir jetzt zu profitablem Wachstum machen“, sagte Konzernchef Tom Enders noch vor der Luftfahrtshow ILA Mitte Mai in Berlin. Doch zu diesem Zeitpunkt ist Airbus schon längst Opfer des eigenen Erfolges geworden.

Beispiel Kapazitäten: „Wir suchen händeringend Ingenieure“, sagt Airbus-Chef Gustav Humbert. Alleine in Deutschland fehlten 1 250 Entwickler, klagte jüngst Gerhard Puttfarcken, der deutsche Statthalter des Flugzeugbauers. Längst werden im großen Stil Entwicklungsaufträge an Fremdfirmen vergeben. Doch selbst um die Aufträge zu koordinieren, fehlen mittlerweile die Fachleute, heißt es bei Airbus hinter vorgehaltener Hand.

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