A380-Krise
Airbus: Hamburg ja, aber ...

Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS hat sich zum Standort Hamburg bekannt. Doch es ist nicht ganz klar, welche Flugzeuge demnächst dort produziert werden. Das Management der Tochter Airbus erwägt, in Deutschland nur noch die älteren Typen zu bauen, während die Neuentwicklungen in Frankreich produziert werden sollen.

HB BERLIN. „Ganz klares Bekenntnis zu Hamburg, ganz klares Bekenntnis zur Balance in Europa“, sagte EADS-Co-Chef Thomas Enders am Donnerstag nach einem Krisengespräch mit Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und Hamburgs Erstem Bürgermeister Ole von Beust in Berlin. Enders machte aber zugleich deutlich, dass Stellen in Verwaltung und Management nach den Verzögerungen beim A380 abgebaut würden: „Es geht nicht darum, die Arbeiter, die heute an den Airbussen arbeiten, zu reduzieren.“ Es gehe hier im wesentlichen um die Unterstützungsfunktionen. „Dort werden wir einschneiden müssen.“ Zahlen wollte er aber nicht nennen. In alle Entscheidungen werde die Politik mit eingebunden, versicherte er.

Die Hansestadt sei nach Toulouse der zweitwichtigste Airbus-Standort.

EADS will als Reaktion auf die teuren Lieferverzögerungen bei Airbus 2 Mrd. Euro einsparen und die Fertigungsstruktur komplett durchleuchten. EADS ist ein deutsch-französisches Gemeinschaftsunternehmen, an dem beide Seiten gleich stark vertreten sind. Daher steht auch bei der Verteilung von Produktionsstätten und Arbeitsplätzen eine deutsch-französische Balance im Mittelpunkt.

Es gibt Spekulationen, Airbus könne die A380-Fertigung von Hamburg nach Toulouse verlegen und im Gegenzug die kleine A320-Familie komplett in Hamburg fertigen. Entsprechendes deutete auch Airbus-Chef Christian Streiff in einem Interview mit der französischen Zeitung „Le Monde“ (Donnerstagsausgabe) an. Die Fertigung des geplanten Langstreckenflugzeugs A350 könne ebenfalls hauptsächlich in Toulouse erfolgen, sagte er dem Blatt. Dafür könnte die Produktion der mittelgroßen A330 und A340 nach Hamburg wandern. Im Moment produziert Airbus die einzelnen Baureihen an verschiedenen Standorten, was aber teure Transporte von Teilen quer durch Europa nötig macht.

Teure Lieferverzögerung

Die Produktion des A380 war im wesentlichen auf die Standorte Hamburg und Toulouse verteilt worden. Allein in Hamburg arbeiten rund 12 000 Menschen für den Konzern. Für den A380 wurde das Werksgelände in Hamburg gegen massive Bürgerproteste und mit staatlichen Beihilfen erweitert.

EADS hatte am Dienstag eine weitere Lieferverzögerung beim A380 um durchschnittlich ein Jahr angekündigt, wodurch der Gewinn bis zum Jahr 2010 um 4,8 Mrd. Euro belastet wird. Das Unternehmen kämpft vor allem mit der komplexen Verkabelung des Riesenfliegers. Enders räumte ein, dass der Krise bei Airbus „hausgemachte“ Fehler des früheren Managements zugrunde lägen. Diese könnten nicht in den nächsten 14 Tagen gelöst werde. Man werde die Fehler nur über einen längeren Zeitraum wieder in den Griff bekommen, sagten Enders und Glos übereinstimmend. Deshalb solle nichts überstürzt werden.

Das Problem koste EADS eine Menge Geld, sagte Enders. Daher werde auch in diesem Licht in den nächsten Wochen über das Projekt des Langstreckenflugzeugs A350 gesprochen. Er glaube aber, dass es nicht in Frage stehe.

Nach den Worten des Hamburger Bürgermeisters von Beust handelte es sich um ein gutes und wichtiges Gespräch für den Standort Hamburg und die dortigen Arbeitsplätze. Er habe keinen Zweifel, dass die bisherige gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem neuen Airbus-Management auf der Basis der bisherigen Verträge fortgesetzt werden könne. Auch die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Hamburg und Toulouse werde fortgesetzt.

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