A380-Rätsel
Startverbot für Superflieger

Aus Sicherheitsgründen lassen immer mehr Airlines ihre A380 am Boden, die Fehler an den Rolls-Royce-Triebwerken häufen sich. Auch Boeings Dreamliner musste einen Testflug abbrechen, weil es an Bord brannte. Was ist los mit der Flugzeugindustrie?
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Sie sollten die Zukunft der Luftfahrtindustrie sein: der neue Mega-Jet A380 von Airbus und der Dreamliner des Rivalen Boeing, zwei Langstreckenflugzeuge, die bis zu 800 beziehungsweise 330 Passagiere fassen. Doch statt um die Welt zu fliegen, stehen viele der Hoffnungsträger in den Hangars herum. Die Airline-Manager haben den Super-Vögeln Startverbot erteilt.

Singapore Airlines zog gestern drei seiner elf A380 aus dem Verkehr. In den von Rolls-Royce produzierten Triebwerken war Öl an Stellen aufgetreten, an denen es nicht hätte sein dürfen. Lufthansa tauschte gestern ebenfalls vorsorglich eine auffällige Turbine an einer ihrer drei A380 aus. Die gesamte A380-Flotte der australischen Airline Qantas steht schon seit Tagen am Boden. Laut der australischen Commonwealth Bank kostet Qantas der Ausfall der sechs Maschinen bis zu 15 Millionen Euro - pro Woche.

Jetzt werden die Triebwerke ausgetauscht. Die Lecks könnten die Ursache sein für den Beinahe-Absturz einer A380 am vergangenen Donnerstag mit 466 Menschen an Bord. Herumschleudernde Teile aus dem zerstörten und brennenden Triebwerk verfehlten den Tank nur knapp. Videos zeigen, dass die Bremsklappen an den Flügeln nicht vollständig ausgefahren werden konnten, die Maschine war nicht mehr voll steuerungsfähig.

In der Nacht zu Mittwoch erwischte es auch Boeing. Während eines Testflugs musste ein 787 Dreamliner in Texas notlanden. Im Gegensatz zur A380 ist die 787 noch nicht im Liniendienst. Elektrische Geräte hatten Feuer gefangen, die Besatzung konnte das Flugzeug per Hand und auf Sicht gerade noch landen. An Bord waren 42 Menschen.

Die Pannen sind harte Rückschläge für die beiden größten Flugzeughersteller - deren Prestigeprodukte ohnehin viel teurer sind als ursprünglich geplant. Vor allem Triebwerkslieferant Rolls-Royce gerät immer stärker unter Beschuss. Er hat nicht nur die Turbinen der lahmgelegten A380 geliefert. Auch der Dreamliner fliegt mit Antrieben der Briten.

Der Industrie-Ikone aus Derby in Mittelengland droht ein finanzielles Desaster. Ein neues Triebwerk samt Austausch des alten kostet nach Angaben von Jason Adams, Analyst bei Nomura, gut 17 Millionen Euro. Hinzu kommen die Verluste, die den Fluggesellschaften entstehen - und für die ebenfalls Rolls-Royce gerade-stehen muss. Mit unabsehbaren Folgen: Weltweit sind bereits 80 der störanfälligen Motoren im Einsatz, mindestens 280 weitere sind bestellt.

Möglicher Grund für die Probleme: Die harten Kostenvorgaben aus dem Vertrieb bekommen beim Bau von Motoren, aber auch ganzen Flugzeugen immer mehr Gewicht, sagen Experten.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

Kommentare zu " A380-Rätsel: Startverbot für Superflieger"

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  • Die Triebwerke werden ja nicht runtergebaut und weggeschmissen. Die werden eben durch einen Ersatztriebwerk (der gleiche Typ) ersetzt und dann repariert. Wenn das Ding dann wieder in Ordung ist kommt es dann an einer andern Maschine zum Einsatz. So ein Triebwerk kostet viel zu viel um es zu entsorgen.

  • Super! Wann werden wir endlich schlau? Da werden wahrscheinlich pro Triebwerk bei der Produktion 10.000 EUR eingespart, weil man billigeres Material verwendet. Und dann werden serienweise fertige Triebwerke zum Stückpreis von 17 Mill. EUR ausgetauscht, zzgl. der Verluste, die die Airline hat. Mal wieder ein typischer Fall, wie Ökonomen es mal wieder geschafft haben, mit dem Schinken nach der Wurst zu werfen. Gott sei Dank ist bisher noch kein Menschenleben zu beklagen. Schickt doch die Ökonomen zum Teufel, das bischen rechnen kein ein ingenieur sowieso besser.

  • Also der begriff beinaheabsturz ist total daneben gegriffen. ich glaube der ZDF-Experte hat das treffender beschrieben: Ohne Drama und Spektakel: Es war ein ernstzunehmender Zwischenfall was das Triebwerk betrifft. Die Passagiere waren aber zu keiner Zeit in Lebensgefahr.

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