A380-Triebwerke
Rollys-Royce und Flugsicherheit kannten offenbar Mängel

Medienberichten zufolge hat die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) bereits vor dem Qantas-Zwischenfall Triebwerkhersteller Rolls-Royce mehrfach aufgefordert, Schwachstellen an den Turbinen zu beseitigen. Das Unternehmen reagierte, doch gleichzeitig lockerte die Flugsicherung ihre Direktiven – mit dem Unglück vom 4. November als Resultat.
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HB MINNEAPOLIS. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hat Rolls-Royce wiederholt zur Sicherheitsüberprüfung der Triebwerke vom Typ Trent 900 aufgefordert. Der Konzern nahm laut Medienberichten schon vor dem Ausfall eines A380-Triebwerks vergangene Woche Veränderungen an dieser Baureihe vor. Trotz der eigens ausgegebenen Warnungen lockerte die EASA gleichzeitig ihre Lufttüchtigkeitsdirektive.

In den vergangenen zwei Jahren gab es vier Defekte bei Trent-900-Triebwerken, drei davon wurden rund um die Turbinen und das Treibstoffsystem festgestellt. Daraufhin gab es unter anderem zwei Warnungen der Luftsicherheitsbehörde. Im Januar forderte die Luftsicherheitsbehörde Fluggesellschaften auf, Rolls-Royce-Triebwerke auf Abnutzungserscheinungen im Inneren der Turbine zu überprüfen. Je mehr Abnutzungserscheinungen gefunden wurden, desto eher wurden künftige Sicherheitsüberprüfungen angeordnet. Nachdem Rolls-Royce einige Triebwerke überprüft hatte, gab es im August eine erneute Warnung, zugleich lockerte die Behörde aber die Vorschriften.

Mussten die Fluggesellschaften zuvor auf Grundlage der am meisten abgenutzten Triebwerkskomponente die Abnutzungserscheinungen berechnen und dabei von der ungünstigsten Entwicklung ausgehen, wurde nun nur noch verlangt, die durchschnittliche Abnutzungserscheinung des gesamten Triebwerks zu bemessen. Die geänderte Bemessungsgrundlage bedeutete weniger Sicherheitsüberprüfungen, deren Häufigkeit laut neuer Direktive aber ausreichend sei, um „inakzeptable Abnutzungserscheinungen zu vermeiden“.

In den europäischen Direktiven wurde vor der Möglichkeit eines Ausfalls während des Fluges, eines Ölaustritts oder - brands gewarnt. Die amerikanische Luftaufsichtsbehörde ging im September in Anlehnung an die europäische Direktive sogar noch einen Schritt weiter und warnte vor einem unkontrollierbaren Triebwerksausfall und Beschädigung des Flugzeuges. Dabei könnten sich Triebwerksteile lösen und wie Granatsplitter andere Flugzeugteile beschädigen - ein extrem seltenes, aber auch überaus gefährliches Szenario.

Eben das geschah am 4. November auf dem Qantas-Flug von Singapur nach Sydney. Experten zufolge wurden bei dem Triebwerksausfall für die Flugsicherheit wichtige Teile des Flugzeugs beschädigt.

Triebwerkshersteller Rolls-Royce erklärte am Freitag nach Tagen des Schweigens, die Ursache für den Ölbrand in dem Triebwerk des zur Notlandung gezwungenen australischen Airbus A380 betreffe nur die Triebwerksbaureihe Trent 900 und beschränke sich auf eine bestimmte Komponente der Turbine. Durch den Defekt sei der Ölbrand entfacht worden, der wiederum zum Bruch der Turbinenscheibe geführt habe.

Nach Angaben von Airbus-Manager John Leahy identifizierte Rolls-Royce ein fehlerhaftes Lagergehäuse als Ursache des Öllecks, das dann den Turbinenbrand ausgelöst hatte. In neueren Versionen des Trent-900-Triebwerks sei dieses Problem bereits behoben worden, sagte Leahy laut einem Bericht der australischen Zeitung „The Herald Sun“ in Sydney. Nun müsse dies auch bei den älteren Versionen nachgeholt werden. Demnach stattet Rolls-Royce die Trent-900-Triebwerke mit einer speziellen Software aus, die bei Ölaustritt das Triebwerk ausschaltet.

Dem Bericht zufolge soll Rolls-Royce laut Leahy die Änderungen an einigen Versionen bereits vor dem 4. November durchgeführt haben, was Airbus-Sprecher Justin Dubon aber dementierte. Leahy habe in keinster Weise nahelegen wollen, dass Rolls-Royce bereits vor dem Qantas-Zwischenfall bestens über das Problem informiert gewesen sei, die Änderungen, auf die sich Leahy bezogen habe, seien angesichts des Zwischenfalls vollzogen worden.

Ein Mechaniker, der für eine Fluggesellschaft arbeitet, die Trent-900-Triebwerke nutzt, sagte der Nachrichtenagentur AP jedoch, dass Rolls-Royce bereits in der zweiten Hälfte 2009 das Triebwerk-Schmiersystem dieser Serie umgebaut habe.

Die Triebwerke vom Typ Trent 900 werden in insgesamt 20 Flugzeugen der Lufthansa, der australischen Qantas und der Singapore Airlines eingesetzt. Qantas kündigte am Donnerstag an, die A380 vorerst am Boden zu lassen. Die Sicherheit der Flotte müsse zunächst vollständig gewährleistet sein. Die Ausfälle würden durch andere Maschinen kompensiert. Die Lufthansa wollte die A380 dagegen weiterhin starten lassen.

Zuletzt war auch eine Boeing 767 der australischen Fluggesellschaft auf einem Inlandsflug wegen Triebwerksproblemen umgekehrt. Keiner der 234 Menschen an Bord kam nach Angaben der Fluglinie zu Schaden. Der Pilot hatte unnormale Vibrationen in einem der Triebwerke festgestellt.

Ein Qantas-Sprecher sagte, es gebe keinen Zusammenhang mit dem Triebwerk-Problem des in der vergangene Woche zur Notlandung gezwungenen Airbus A380. Die Boeing 767 sei mit zwei Triebwerken des US-Herstellers General Electric ausgerüstet.

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  • Die behörde lockerte die Vorschriften?

    irgendwann wird man müde zu schreiben, euer Leben ist scheißegal. Hauptsache alle sitzen hochbezahlt auf ihren Pöstchen und fahren ihren Gewinn ein.

    Die Leute die dies wissen, fliegen eben nicht.

    Gleichzeitig wurde bereits vor Jahren hier an dieser Stelle bemängelt dass Führungskräfte von Siemens gleichfalls nicht ihren eigenen Zug benutzen.

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