A400-Mehrkosten
EADS bittet Abnehmerstaaten zur Kasse

Am Freitag soll der Militärtransporters Airbus A400M erstmals abheben – mit rund 20 Monaten Verspätung. Die Kosten wurden ursprünglich auf 20 Mrd. Euro angesetzt, es werden einige Mrd. mehr werden. Einen Teil will der Hersteller EADS an die Abnehmerstaaten weitergeben.
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HB FRANKFURT. Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS will einen Teil der Mehrkosten des Militärtransporters Airbus A400M an die Abnehmerstaaten weitergeben. „Wir wünschen uns, dass die Kunden die gestiegenen Produktionskosten ausgleichen“, sagte der Chef der Rüstungssparte Domingo Ureña-Raso der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Wir würden unsererseits das Entwicklungsrisiko übernehmen. Das wäre ein fairer Beitrag.“

Am Freitag soll der A400M erstmals abheben – mit rund 20 Monaten Verspätung. Die Kosten wurden ursprünglich auf 20 Mrd. Euro angesetzt. EADS hat bereits 2,4 Mrd. Euro für Mehrkosten zurückgestellt. Wirtschaftsprüfer erwarten, dass das Projekt sich um weitere fünf Mrd. Euro verteuert. Ein Großteil der Probleme rührt von der Triebwerks-Steuerung und den vielfältigen und auf die Kunden zugeschnittenen Anforderungen her.

Der seit Jahresbeginn amtierende Ureña-Raso sieht die Schuld für die Kostenexplosion nicht alleine bei EADS: „Ich erinnere daran, dass das Flugzeug in Europa gebaut wird - so, wie es die Regierungen wollten.“ Deshalb habe EADS nicht auf eventuell günstigere Zulieferer aus dem Ausland zurückgreifen können. Die Triebwerke etwa kommen von der deutschen MTU Aero Engines. „Wir sind alle schuldig, doch wir müssen jetzt die Lasten gemeinsam schultern“, appellierte er an die europäischen Regierungen. „Eine Möglichkeit wäre, dass die Kunden einen höheren Preis akzeptieren oder dass wir die Flugzeuge später ausliefern.“

Die Maschinen sollen bei den beiden größten Kunden, der Bundeswehr und dem französischen Heer, die alternden Transall ersetzen. Airbus will die erste A400M in drei Jahren ausliefern. Die Bundesregierung verlangt angesichts der Probleme aber ein finanzielles Entgegenkommen von EADS. Bis zum Jahresende soll eine Entscheidung fallen.

Zu den Erstkunden gehören auch Spanien, Großbritannien, Belgien, Luxemburg und die Türkei. „Die Prozesse mit der notwendigen Zustimmung des Parlaments sind in Deutschland aber am schwierigsten und dauern wahrscheinlich am längsten“, sagte der EADS-Manager. Zudem sei die von Deutschland verlangte Tiefflug-Hilfe TMLLF das einzige System, das dem Unternehmen derzeit noch fundamentale Probleme bereite.

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