ABB baut Solarbereich aus: Wo Deutsche abbauen, preschen Schweizer vor

ABB baut Solarbereich aus
Wo Deutsche abbauen, preschen Schweizer vor

Deutsche Konzerne stampfen im großen Stil ihr Solargeschäft ein. Die harte Konkurrenz belastet die Branche. Ganz anders sieht das ABB: Der Schweizer Elektrokonzern kauft für eine Milliarde Dollar eine US-Solarfirma.
  • 6

ZürichDer Elektrokonzern ABB kauft für gut eine Milliarde Dollar die US-Firma Power-One und steigen damit groß in das Geschäft mit Wechselrichtern für Solaranlagen ein. Power-One ist Experten zufolge die Nummer zwei in dem Geschäft hinter dem Marktführer SMA Solar aus Hessen. ABB will mit der Übernahme zu einem global führenden Anbieter von Solarwechselrichtern werden, die den von Solarzellen erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom umwandeln, wie der Konzern am Montag in Zürich mitteilte.

Die Verwaltungsräte beider Unternehmen hätten dem Deal bereits zugestimmt. Die profitable Power-One produziere mit 3300 Beschäftigten eine breite Palette von Solarwechselrichtern, deren Anwendungsbereich von Einfamilienhäusern bis zur Versorgungswirtschaft reicht, und habe 2012 rund eine Milliarde Dollar Umsatz gemacht, erklärte ABB. Der überraschende Kauf der Schweizer beflügelt auch den Kurs der SMA-Aktie in Frankfurt. Die Titel legten vorbörslich um gut acht Prozent zu.

Der Markt mit Wechselrichtern für Photovoltaikanlagen gilt als schwierig. Die einst knappen Geräte gerieten mit der Krise der Solar-Industrie unter Preisdruck. Wechselrichter für Solaranlagen sind notwendig, da die Solarpaneele ausschließlich Gleichstrom liefern. Um die Energie ins Netz einspeisen zu können, muss sie in Wechselstrom umgewandelt werden.

Die Milliardenübernahme fällt in eine schwierige Zeit für die Solarbranche. Die Hiobsbotschaften reißen nicht ab: Erst vergangene Woche meldetet das Vorzeige-Solarunternehmen Solarworld einen Verlust von bis zu 550 Millionen Euro für 2012, der chinesische Solarriese Suntech ging insolvent, Konkurrent LDK Solar ist auf dem Weg dahin.

Der Industriekonzern Bosch hatte Ende März nach Milliardenverlusten den Ausstieg aus dem Solargeschäft beschlossen. In seinem vierjährigen Solar-Engagement hatte der Konzern mit der Sparte knapp zweieinhalb Milliarden Euro verloren. Von der Schließung betroffen sind etwa 3000 der knapp 120.000 Arbeitsplätze von Bosch in Deutschland.

Auch Siemens hatte Ende letzten Jahres angekündigt, das Solarthermie- und Photovoltaikgeschäft zu verkaufen. Von den Plänen sind weltweit 680 Mitarbeiter betroffen. Der Konzern hatte vor allem auf Anlagen zur Stromerzeugung aus Sonnenhitze gesetzt und dafür eigens die israelische Solel für 418 Millionen Dollar gekauft. Die Strategie zahlte sich jedoch nicht aus. Solel machte mehr Verlust als Umsatz.

Die Preisstürze in der Solarbranche waren in den vergangenen Jahren dramatisch, zeitweise brachen sie um bis zu 50 Prozent innerhalb eines Jahres ein. Das machte vielen Anbietern zu schaffen. Zudem hatten sich in der schnell wachsenden Branchen Überkapazitäten gebildet, die nun abgebaut werden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " ABB baut Solarbereich aus: Wo Deutsche abbauen, preschen Schweizer vor"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der Superkonzern Bosch hat vor Jahren seine Wechselrichteraktivitäten verkauft und sich stattdessen dann später auf Module konzentriert - Made in Germany versteht sich.

    Wer so superschlau und weitblickend unterwegs ist, hat sich den Milliardenverlust redlich verdient - Euro für Euro.

    Die Unternehmensführung in Stuttgart ist kläglichst gescheitert.

  • Man kann eine Garantieverlängerung kaufen.
    Anhand des dafür geforderten Preises kann
    man die Ausfall Warscheinlichkeit sehen.
    An der Wartung verdient der Instalateur am meisten.
    Bei den Wechselrichtern muss man an das Zukunftsgeschäft ausserhalb des Daches denken.

    Autos, Batterie Gleichstrom , Motor Wechselstrom.

    Dezentrale Lokale Speicher.
    Sowie die Batterie Technik in ein paar Jahren soweit ist, können Verteilte Speicher die Netze
    entlasten und die Kraftwerke gleichmässig auslasten.

    Parkplätze bei denen an der Parkuhr sein E-Auto
    aufladen kann.
    Da wird in den nächsten 10 Jahren einiges
    neuem Geschäft auftauchen.

  • Keine Sorge, Techfreak, es ist NICHT IHR Geld. Und falls Sie es ABB neiden, kaufen Sie gut deutsch bei SMA. Und nicht beim Billigsten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%