ABB
Elektronikkonzern kauft Industrial Solutions

ABB kauft zu und übernimmt die Sparte für Elektrokomponenten vom US-Rivalen General Electric. Der Kaufpreis beläuft liegt über zweieinhalb Milliarden Dollar. Der Deal soll 2018 abgeschlossen werden.
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ZürichABB greift an: Der Schweizer Elektrotechnikkonzern übernimmt für 2,6 Milliarden US-Dollar die Elektrokomponenten-Sparte vom amerikanischen Rivalen General Electric. „Das ist eine einmalige Chance, unsere Position im amerikanischen Markt zu stärken“, sagte ABB-Chef Ulrich Spiesshofer am Montagmorgen. Nach Jahren, in denen der Konzern aus der Schweiz mit sich selbst beschäftigt war, schaltet er nun weiter auf Angriff – und will in den USA, dem Kernmarkt des Konkurrenten General Electric, seine Marktanteile ausbauen.

Die so genannte „Industrial Solutions“-Sparte von General-Electric stellt Elektrobauteile und Stromaggregate her. „Die echte Stärke sind die Lösungen für kommerzielle und industrielle Nutzer“, sagt Spiesshofer. Für die Amerikaner gehört die Sparte nicht mehr zum Kerngeschäft.

Doch das ficht Spiesshofer nicht an: „Wir wissen um die Herausforderungen für die Sparte und haben einen detaillierten Plan, um das Segment wieder an Stärke gewinnen zu lassen“. Man wolle den Verlust an Marktanteilen stoppen und das Geschäft wieder auf die Erfolgsspur bringen. Spiesshofers Versprechen: „Erst machen wir das Geschäft besser, dann machen wir es größer – und noch besser“.

Für ABB dürfte es dabei noch einiges zu tun geben: Im vergangenen Jahr machte die GE-Sparte rund 2,7 Milliarden US-Dollar Umsatz. Die operative Umsatzrendite lag aber nur bei rund acht Prozent. Durch den Deal dürfte die Rentabilität des Elektrifizierungsgeschäfts von ABB erst einmal schwächer ausfallen. Spätestens im Jahr 2020 soll sie aber wieder zwischen 15 und 19 Prozent liegen.

Die Transaktion soll im ersten Halbjahr 2018 über die Bühne gehen. Durch die Übernahme sollen ab dem fünften Jahr Kosteneinsparungen von rund 200 Millionen Dollar möglich sein.

ABB-Chef Spiesshofer zeigte sich überzeugt, dass er das Geschäft wieder auf Erfolgskurs bringen kann. Auf die Frage, warum die Sparte bei GE nicht floriere, antwortete er: „Ungeliebte Kinder bekommen manchmal nicht die Aufmerksamkeit ihrer Eltern, die sie brauchen”.

ABB hatte sich über mehrere Jahre auf Kosteneinsparungen konzentriert. Die Folge: Der Umsatz sank über viele Quartale kontinuierlich. Doch diese Phase beendete Spiesshofer im Frühjahr mit der Übernahme des österreichischen Automatisierungsspezialisten B&R.

Damals zahlte ABB geschätzt zwei Milliarden Dollar. Spiesshofer stellte klar, dass dies nicht der letzte Zukauf sein würde. „Bilanziell wäre eine Milliardenübernahme kein Problem“, sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Mit dem B&R-Kauf versuchte ABB, in der Industrieautomatisierung näher an den deutschen Konkurrenten Siemens heranzurücken.

ABB ist vor allem in der Prozessautomatisierung stark, während Siemens mit seiner Simatic-Technik die Industrieautomatisierung dominiert. Auch mit dem aktuellen Zukauf der GE-Sparte stärkt sich ABB im Wettbewerb mit Siemens, diesmal auf dem Feld der Elektrifizierung.

An der Börse schlug der Zukauf keine großen Wellen. Am Mittag lagen die ABB-Aktien minimal im Plus. Morgan-Stanley-Analysten Katie Self sagte, der Deal sei sinnvoll. „Doch das drängendere Thema ist der von ABB angekündigte Aktienrückkauf.“ Den wolle der Konzern nun verschieben – bei den Aktionären werde das nicht gut ankommen, erwartet die Analystin.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

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