ABB-Gewinn geschrumpft: „Lieber abschreiben, als Menschenleben riskieren“

ABB-Gewinn geschrumpft
„Lieber abschreiben, als Menschenleben riskieren“

Der Sturm „Xaver“ hat ABB mehrfach dazu gezwungen, Umspannplattformen zu evakuieren. Dadurch hat sich der Bau deutlich verzögert und der Gewinn geschmälert. Unternehmenschef Spiesshofer nimmt das in Kauf.
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MünchenDer Nordseesturm „Xaver“ hat dem neuen ABB-Chef Ulrich Spiesshofer gehörig den Einstand verdorben. Die Schweizer mussten wegen Verzögerungen beim Anschluss von Windparks auf See im Schlussquartal 2013 Sonderkosten von 260 Millionen Dollar hinnehmen, wie das Unternehmen am Mittwoch überraschend mitteilte. Hinzu kommen Altlasten aus Spartenverkäufen sowie Kosten für den Umbau des zunehmend gebeutelten Energietechniksegments von 50 Millionen Dollar. Insgesamt sei so der Quartalsgewinn auf 525 Millionen Dollar zusammengeschrumpft. Im Vorjahresquartal waren es noch 604 Millionen Dollar. Anleger reagierten enttäuscht auf die Zahlen, vorbörslich wurden die Anteilsscheine von ABB mit einem Abschlag von fünf Prozent gehandelt.

Die Stürme auf der Nordsee hätten ABB mehrfach dazu gezwungen, die Umspannplattformen im Bau zu evakuieren. Sie seien allerdings nicht beschädigt worden. „Lieber nehme ich Abschreibungen in Kauf, als dass ich Menschenleben riskiere“, sagte Spiesshofer. Sonderkosten in dieser Größenordnung würden sich nicht wiederholen, ABB habe dazu gelernt.

In der lange erfolgsverwöhnten Energietechniksparte läuft es zunehmend nicht mehr rund, wie der Deutsche an der Spitze des Züricher Konzerns einräumte. Der Auftragseingang sei zuletzt schwach gewesen, die Nachfrage aus dem Markt mau. ABB werde seine Angebotspalette weiter verkleinern und wählerischer bei den Aufträgen sein, um seine Wunschrenditen wieder zu erreichen. Zur Disposition stehe das Geschäftsfeld nicht, machte der seit September amtierende Vorstandschef klar. „Wir mögen das Geschäft und es hat großes Potenzial angesichts des Energiebedarfs der Zukunft“, sagte er. Bereits sein Vorgänger Joe Hogan hatte eine Sanierung mit einhergehendem Stellenabbau in dem Sektor eingeleitet.

Die Ziele aller ABB-Sparten, die sich ansonsten erwartungsgemäß im Schlussquartal entwickelten hätten, würden Mitte Februar aktualisiert. Hogan hatte Ende 2011 versprochen, dass der Elektrokonzern seinen Umsatz bis 2015 jährlich um sieben bis zehn Prozent steigern werde. Die operative Marge (Ebitda) soll demnach zwischen 13 und 19 Prozent erreichen, der Gewinn um bis zu 15 Prozent wachsen.

Vor ABB hatte bereits Siemens viel Lehrgeld in der Nordsee bezahlt. Der deutsche Rivale musste für mehrere verpatzte Anschlüsse von Windparks Hunderte Millionen Euro zahlen. Vorstandschef Peter Löscher stürzte unter anderem über diese Schnitzer.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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