ABB verkauft Kabelgeschäft: Synergieverluste drohen bei einer Abspaltung

ABB verkauft Kabelgeschäft
Investoren treiben Siemens-Rivalen vor sich her

Synergieverluste drohen bei einer Abspaltung

Doch der Konzern spürt den Druck der gesamtwirtschaftlichen Situation. Dazu zählt der niedrige Ölpreis, der Käufer von ABB-Produkten vor allzu großen Investitionen in Stromnetze oder Automatisierungsgeräte abschreckte. Schließlich ist der starke Schweizer Franken Gift für ein exportorientiertes Unternehmen wie ABB: Je stärker die Heimatwährung, desto weniger verdient ein Konzern im Ausland.

Vorstandschef Ulrich Spiesshofer habe sich in Gesprächen offen für verschiedene Optionen gezeigt, behauptete Artisan-Manager Samra jüngst. Demnach sei jedoch der in der Schweiz mächtige Verwaltungsrat des Unternehmens weniger entgegenkommend gewesen.

Analysten sind weniger euphorisch. Die Experten der US-Investmentbank Goldman Sachs sehen bei einer Veräußerung nur bescheidenes Wertsteigerungspotenzial. Goldman erwartet, dass das Management auf dem Treffen Anfang Oktober die Synergien zwischen der Netzwerktechnik und anderen Bereichen des Unternehmens betonen dürfte.

Das sehen auch andere Experten so. Sie befürchten Synergieverluste im Falle einer Abspaltung. Die stattfindende Transformation in der Wertschöpfungskette des Elektrik-Geschäfts spiele ABB doch in die Hände, meint zum Beispiel ein Analyst von Barclays. „Wir sind keine Verfechter einer Aufspaltung des Unternehmens, aber wir hätten gerne mehr Details darüber, welche Bereiche bei Netzwerken profitables Wachstum bieten und welche Bereiche strukturell gefordert sind“, ergänzte er.

Viele rechnen daher damit, dass ABB zumindest den Kern der Sparte behält. „Wir erwarten, dass das Management auf seinem Kapitalmarkttag die positiven Aussichten für die Netzsparte herausstellt und einen Verkauf der Division ausschließt“, erklärte etwa Jonathan Mounsey von Exane BNP Paribas, laut Reuters. Gael de Bray von der Deutschen Bank warnt demnach vor den Folgen einer Trennung. „Wir glauben, dass eine Aufteilung des Konzerns zu steigenden Kosten, insbesondere im Einkauf, der Entwicklung der Produktionsorganisation führen würde. Die Abspaltungskosten wären angesichts der hohen Integration der ABB-Divisionen erheblich.“

Am 4. Oktober findet bei ABB der „Capital Markets Day“ statt. Dort will die Konzernleitung über den Fortschritt ihrer „Next-Level“-Strategie berichten und dabei auch auf die strategische Überprüfung der Division Stromnetze eingehen. Beobachter deuten die Signale aus der Zentrale in Zürich so, dass die Sparte tatsächlich nicht abgespalten werde. Dann dürfte sich zeigen, ob die aktivistischen Investoren es ernst meinen – und anschließend den offenen Konflikt mit dem Management suchen werden.

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