Abbau der Medikamente im Körper verzögern
Wirksamkeit von Tamiflu erhöht

Das Grippemittel Tamiflu ist stark gefragt. Weltweit legen Staaten Tamiflu-Vorräte an, mit denen das Grippevirus an der Vermehrung gehindert werden kann.

HB FRANKFURT. Doch die Mengen reichen lange nicht für alle Menschen. Denn obwohl der Hersteller Roche seine Produktionskapazitäten vervierfacht hat und nun auch Lizenzen vergeben will, kann nur ein Bruchteil der Menschen weltweit während eines akuten Grippeausbruchs versorgt werden – viel zu wenige, um eine Epidemie einzudämmen.

Ein Trick könnte hier weiterhelfen. Die Produzenten könnten das Medikament strecken, sodass sich die verfügbare Menge Tamiflu verdoppeln ließe, empfiehlt Joe Howton vom Adventist Medical Center in Portland in dem Wissenschaftsmagazin Nature. Die vorgeschlagene Methode ist allerdings nicht neu. Sie wurde bereits mit Erfolg im Zweiten Weltkrieg angewendet. Damals war Penicillin Mangelware, Wundentzündungen verliefen oft tödlich. Um das Antibiotikum für mehr Verletzte verfügbar zu machen, kombinierten die Ärzte den Bakterienkiller mit Probenecid. Die Verbindung aus Schwefel, Stickstoff und Kohlenwasserstoff blockiert in den Nieren das Herausfiltern von Arzneien aus dem Blut. Auf diese Weise verzögert sich der Abbau der Medikamente im Körper. Sie wirken eine längere Zeit in höherer Dosis.

Das könnte nach Ansicht von Joe Howton auch bei dem Grippemittel Tamiflu funktionieren, das ebenfalls über die Nieren ausgeschieden wird. Durch Probenecid würde sich die Verweildauer und Konzentration des Virenhemmers im Blut der Patienten verdoppeln.

Natürlich reicht auch das nicht aus, um die etwa 20 Prozent der Bevölkerung behandeln zu können, die während einer Grippewelle erkranken. Daher müssten zusätzliche neue Grippemittel entwickelt werden, sagt der Direktor des US-Zentrums für Infektionskrankheiten, Michael Osterholm.

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