Abbau von 15.000 Stellen
Arbeitnehmer „maßlos“ über Siemens-Sparkurs verärgert

Der neue Siemens-Chef Joe Kaeser verschärft den Sparkurs des Industriekonzerns. Insgesamt sollen 15.000 Stellen wegfallen, davon 5.000 in Deutschland. Die Arbeitnehmer wettern gegen ein „margengetriebenes Abbauprogramm“.
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MünchenKurz nach seinem Amtsantritt schafft Siemens-Chef Joe Kaeser Fakten: 15.000 Stellen fallen bei dem Technologiekonzern weg. Davon werden rund 5000 in Deutschland abgebaut, wie ein Konzernsprecher am Sonntag auf Anfrage sagte. Fast ein Jahr lang war die Belegschaft im Dunkeln über die letztendliche Zahl des aktuellen Stellenabbaus geblieben. Zuletzt war über etwa 10.000 Arbeitsplätze spekuliert worden.

Investoren und Analysten hatten bei Kaesers Inthronisierung schnell Klarheit über seine Ziele gefordert und beklagt, das noch von Kaesers Vorgänger Peter Löscher in Gang gesetzte, sechs Milliarden Euro schwere Sparprogramm laufe zu langsam. Kaeser müsse die Siemensianer überzeugen, dass der Konzern grundlegend umgebaut werden müsse, um mehr Gewinn einzufahren. Kaeser hatte versprochen, er wolle nach all den Querelen vor allem Ruhe in den Konzern bringen.

Für die Arbeitnehmerseite sprach am Sonntag Siemens-Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler. Er sagte: „Den Arbeitnehmervertretern wurde nie eine Gesamtzahl über den Abbau bekanntgegeben, daher sind wir überrascht und maßlos verärgert.“ Nach wie vor lehne der Gesamtbetriebsrat ein „rein margengetriebenes Personalabbauprogramm ab“. Siemens brauche vielmehr ein nachhaltiges und zukunftsorientiertes Programm, bei dem der Mensch, und nicht die Marge im Mittelpunkt steht. „Das werden wir auch weiterhin in den Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite einfordern. Die Auseinandersetzungen zu diesem Thema sind noch nicht beendet.“

Löscher hatte vom Aufsichtsrat Anfang August den Laufpass bekommen. Nach mehreren Gewinnwarnungen und einer Reihe von Misserfolgen wurde der Österreicher durch seinen Finanzvorstand ersetzt. Auch gegenüber den Arbeitnehmervertretern war Löscher abermals auf Konfrontationskurs gegangen, sie forderten eine neue Strategie und beklagten eine „kurzsichtige Portfolio-Politik“, bei der „allein die Marge im Mittelpunkt“ stehe. Bereits zu seinem Amtsantritt hatte Löscher vor sechs Jahren 17.000 Stellen seinen Renditevorstellungen geopfert.

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Interessenausgleich über die Hälfte der Stellen erzielt

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  • Endlich erwischt es auch mal die fett-gefressenen Stammbelegschaften der Dax Unternehmen.
    So So, empört sind wir also, ja?
    Nicht genug Prekaria von denn Schröderschen Sklaventreibern gemietet um die "fetten?" Löhne zu bezahlen?
    Erst die SPD wählen und sich nun umschauen!
    Sind bestimmt wieder die türkischen Leute Schuld.
    Pech gehabt, kein Zusammenhalt mehr in Schröder-Ausbau.
    So geht das : Gestern die Agenda und heute Ihr!
    Was habt Ihr gegen die Agenda getan? Nix, Ihr habt die Jungs vom Sklaventreiber noch extra geschunden und nu seit Ihr selber dran!
    Empört Euch mal munter weiter, Ihr wisst ja wie das mit der Solidarität so geht - gelle?

  • So geht die Deindustrialisierung Deutschlands (und Europas) weiter!
    Die Kaufleute übernehmen die Leitung und können nur kurzfristig denken, und wer kurzfristig denkt, versorgt sich zuerst selbst, weil er ja selbst bezweifelt, daß er lange an der Quelle sitzen könnte.
    Da sind dann Gewinnausschüttungen wichtiger als der Erhalt der Firma, irgendwann wird auch nichts mehr investiert. Außerdem ist der Laden zu groß, als daß ihn einer allein - oder auch ein Gremium - wirklich überschaubar leiten könnte. Man sollte ihn in die Sparten zerlegen und an die Spitzen der dann entstandenen Einzelfirmen eine Doppelspitze aus einem Techniker und einem Kaufmann setzen. Dann kann auch keine Sparte, die Mist baut, von den anderen durchgezogen werden; denn das sind ja dann eigenständige Werke!
    Eine Reform sollte immer oben anfangen und nicht, indem man die Putzfrauen entläßt und dafür noch einen Manager einstellt!
    Und die lieben Politiker und anderen Moralapostel sollten sich zurückhalten: Wenn es in einer Bananenrepublik üblich ist zu bestechen - sollen sie es doch tun! Da muß man sie nicht hier für an die Wand nageln! Andere Länder, andere Sitten!
    So wird es nur den - leider - üblichen Weg gehen: Die Produktion wird ins Billiglohnland verlagert, die Qualität geht - noch mehr - flöten und das Knowhow geht verloren. Der Laden wird zu gemacht und nach 3 Generationen ist Wissen, daß nicht mehr angewendet und damit gepflegt wird, weg, bzw. woanders.
    Siehe hochtechnisiertes Altertum und Folgezeit Frühmittelalter!

  • Joe macht aus Siemens eine Käserei: jeden Monat neuer Siemens-Käse. Die einzig erkennbare Strategie: das Know how pensionieren und nur noch Rendite mit Finanzanlagen. Was auch noch erkennbar ist: im Gegensatz zur Gründerfamilie, und auch noch bis zur Ära Karlheinz Kaske leistet Siemens einen wachsenden Beitrag zu Vernichtung des Industriestandortes Deutschland. Der wegen seines innovatorischen Charismas 1986 ermordete Forschungschef Karl Heinz Beckurts wird wohl in seinem Grabe rotieren.

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