Abbau von 8500 Stellen gefährdet
Mercedes will Mitarbeiter zu Airbus abschieben

Mercedes will bis Anfang nächsten Jahres 8500 Stellen streichen. Doch da kaum einer der Mitarbeiter sich bislang von einer Abfindung hat ködern lassen, überlegt sich der Autobauer nun andere Möglichkeiten, seine Beschäftigten loszuwerden.

HB FRANKFURT. „Wir sind in Gesprächen mit Airbus, um dauerhaft oder temporär Ingenieure und gewerbliche Mitarbeiter nach Bremen oder Hamburg zu entsenden“, sagte eine Sprecherin von Daimler-Chrysler am Donnerstag in Stuttgart. Diese routinemäßigen Gespräche seien infolge des geplanten Arbeitsplatzabbaus bei Mercedes-Benz verstärkt worden. Angaben zum Umfang der Mitarbeiter-Übernahme nannte die Sprecherin nicht. Die „Netzeitung“ berichtete, Airbus habe Bedarf für rund 500 Arbeitskräfte. Daimler-Chrysler ist mit 33 Prozent an der Airbus-Mutter EADS beteiligt.

Bei Mercedes-Benz sind nach Berechnungen der Konzernführung in Deutschland 8500 Mitarbeiter zuviel an Bord. Doch kaum ein Mitarbeiter hat bislang die angebotene Abfindung genommen und ist gegangen. „In Untertürkheim und Mettingen sind noch keine 100 Auflösungsverträge unterschrieben“, sagte der IG-Metall-Funktionär Sieghard Bender der „Financial Times Deutschland“ (Donnerstagausgabe). Im Werk Sindelfingen seien es bislang „nicht viel mehr als 200“, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise. Ein Sprecher von Daimler-Chrysler erklärte dazu: „Wir nehmen uns Zeit für die Gespräche und wollen die Menschen nicht überrumpeln.“ Wer bis zum Jahresende einen Auflösungsvertrag unterschreibe, bekomme einen „Turbozuschlag“ von 10 Prozent. Am 31. März nächsten Jahres läuft die Frist dann endgültig ab.

Der geplante Abbau von 8500 Stellen bei Mercedes-Benz in Deutschland trifft das Werk Sindelfingen am härtesten. Dort sollen von 31 100 Beschäftigten rund 3100 gehen. In Bremen sollen 2700 von den dort 13 400 Arbeitsplätzen gestrichen werden. Im Motoren- und Getriebewerk Stuttgart-Untertürkheim sollen 1100 der 20 000 Arbeitsplätze wegfallen. Die restlichen Werke sind in geringerem Umfang betroffen.

Daimler-Chrysler hatte die Stellenstreichungen mit den vergleichsweise hohen Produktionskosten bei Mercedes und Überkapazitäten begründet. Jährlich soll der Stellenabbau nach Angaben des Unternehmens 500 Millionen Euro einsparen einbringen. Allerdings kostet die ganze Aktion zuvor 950 Millionen Euro - wenn denn wie geplant 8500 Mitarbeiter sich fürs Fortgehen entscheiden.

Aus dem Hause Daimler-Chrysler hieß es am Freitag: „Wir sind zuversichtlich, die angepeilte Zahl erreichen zu können.“ Ein Sprecher der IG Metall-Bezirksleitung in Stuttgart sagte: „Für eine saubere Bewertung ist es noch zu früh.“ Er fügte allerding hinzu: „Wir glauben, dass es schwer wird, die 8500 Stellen über Abfindungen abzubauen.“ Betriebsbedingte Kündigungen sind bei Mercedes durch den im vergangenen Jahr geschlossenen Beschäftigungspakt bis 2012 ausgeschlossen, weshalb nur das freiwillige Ausscheiden mit Abfindungen als Anreiz bleibt.

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