Abfertigungstests sollen Kofferchaos verhindern
Der wahre Praxistest folgt noch

Der echte Praxistest beim Airbus A380 kommt erst lange nach dem Jungfernflug - dann, wenn das Flugzeug in den Liniendienst geht. Rund 550 Passagiere wollen schnell ein- und aussteigen, Berge von Koffern müssen verstaut werden. Nicht jeder Flughafen ist für den riesigen Vierstrahler geeignet.

HB HAMBURG. „Der Airbus A380 wird das Gesicht unseres Flughafens verändern“, kündigte Eryl Smith, Strategiedirektor der Londoner Flughafenbehörde, schon im vergangenen Jahr bei der Luftfahrtmesse in Farnborough an. Den Planern in London und an anderen europäischen Drehkreuzen dürften mehr Schweißperlen auf der Stirn stehen als manchen Kollegen in Mittel- und Fernost. Architekten und Flughafendirektoren in einigen asiatischen Metropolen hatten es vergleichsweise einfach: Sie bauten neue Flughäfen und orientierten sich gleich an den Dimensionen des gigantischen A380. Flughafen-Manager in Europa oder Nordamerika müssen die Infrastruktur innerhalb eines gewachsenen Flughafens anpassen - bei laufendem Betrieb.

Das neue Flaggschiff von Airbus fällt für die Airports im Jahr 2006 oder 2007 aber nicht wie eine Überraschung vom Himmel. Seit 1994 hat der Flugzeugbauer die Flughäfen in den Entwicklungsprozess für die A380 einbezogen. Bis zum Jahr 2010, so rechnet Airbus, werde der Gigant rund 60 Flughäfen weltweit anfliegen.

Die Zahl der Flughäfen, an denen die A380 einschweben wird, bleibt aber begrenzt. Bei der Prognose hat sich Airbus die Entwicklung beim Erfolgsmodell Boeing 747 der Konkurrenz angeschaut: 80 Prozent aller 747-Flüge konzentrieren sich auf 37 Flughäfen.

Ob ein Flughafen für den riesigen Vierstrahler geeignet ist, lässt sich nur in bestimmten Bereichen klar beantworten. Für Startbahnbreite, Tragfähigkeit der Rollbahn oder Gestaltung der Rollwege gibt es klare Sicherheitsnormen des Zivilluftfahrtverbandes ICAO. So ist nach Angaben von Airbus zum Beispiel die Bodenbelastung bei der A380 vergleichsweise gering. Der Airbus bringt zwar mehr Masse auf die Waage, verteilt diese aber im Vergleich gerechnet auf mehr Räder.

Für Komfort bei der Abfertigung gibt es dagegen keine messbare Norm - und an diesem Punkt warten auf viele Flughäfen die Herausforderungen. So schlägt Airbus zum Beispiel den Fluggesellschaften vor, die Passagiere über drei Fluggastbrücken gleichzeitig in die A380 einsteigen zu lassen - zwei am Hauptdeck und eine am Oberdeck.

An den meisten Flughäfen sind derzeit aber nur zwei Brücken pro Abfertigungsposition Standard. Diese Kapazität reicht für die rund 350 bis 400 Passagiere eines Jumbo-Jets aus. Viele Flughafenbetreiber scheuen die teure Investition einer dritten Brücke - vor allem, wenn nur drei oder vier A380 pro Tag abgefertigt werden müssen.

Am Boden entscheidet sich für viele Fluggesellschaften, wie wirtschaftlich sie mit dem neuen A380 arbeiten können. Wenn es zu lange dauert, den Jet am Ziel wieder für den Rück- oder Weiterflug vorzubereiten, schlägt sich das schnell in der Bilanz nieder. Die Abfertigung eines Jumbo-Jets klappt heute in 90 bis 120 Minuten, ähnliche Zeiten verlangen die Fluggesellschaften auch bei der A380.

Für die Flughäfen beginnen die heißen A380-Testläufe in einigen Monaten. Dann startet Airbus, wenn beim Erstflug alles gut geht - zu den so genannten „Route-Proving“- Flügen. Bei diesen Reisen stehen Landungen und Abfertigungstests auf mehreren Großflughäfen auf dem Programm.

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