Abgas-Manipulation
Wie ein Zufall den VW-Skandal auslöste

Ein Inserat in einer Lokalzeitung führte dazu, dass US-Wissenschaftler die Abgas-Manipulation bei Volkswagen entdeckten. So kostete ein Zufall den Vorzeige-Konzern Milliarden Euro und Martin Winterkorn den Job.

New YorkAlles fing mit einem Aushang an. Die amerikanische Umweltstiftung „International Council on Clean Transportation“ (ICCT) suchte Anfang 2013 nach Ingenieuren, die Dieselautos auf Abgaswerte untersuchen sollten. Das weckte das Interesse von Arvind Thiruvengadam, Daniel Carder, Mark Besch und Hemanth Kappanna von der West Virginia University. Für Außenstehende kaum zu verstehen, war die Ausschreibung für sie eine hochspannende Sache.

Bislang hatten die Forscher im „Center for Alternative Fuels, Engines, and Emissions“ – dem Institut für alternative Brennstoffe, Motoren und Emissionen – nur die Abgaswerte von Lastwagen oder Bussen geprüft. Jetzt konnten sie ihre mobilen Testgeräte an Autos ausprobieren. Das Projekt war wissenschaftliches Neuland: „Das hat in Amerika niemand zuvor gemacht“, sagte Thiruvengadam. „Außerdem waren wir die Lkw so leid“.

Das Team sollte viele Widerstände überwinden müssen: Geldnot, Schlaflosigkeit und ein Mangel an Testautos. Es war reiner Zufall, dass ein Passat dabei war. Ansonsten, so die Maschinenbau-Ingenieure, wären sie Volkswagen nicht auf die Schliche gekommen. So aber fanden sie heraus: Der Passat stieß unter Realbedingungen bis um das 20-fache mehr Stickoxide aus, als es die US-Normen erlaubten. Allerdings verhielt das Auto sich im Labor mustergültig. Des Rätsels Lösung: Der Konzern manipulierte mit einer Software die Abgaswerte seiner Dieselfahrzeuge, die bei Labortests den Ausstoß künstlich verringerte.

Der Rest ist Geschichte: Volkswagen muss Milliarden Dollar zahlen, Vorstandschef Martin Winterkorn zurücktreten. Das Team erlangte unverhofften Weltruhm. „Die hartnäckige Detektiv-Arbeit in dem Labor brachte uns die Daten, die in dem Eingeständnis von Volkswagen resultierten“, sagte Richard Corey, Chef der kalifornischen Luftreinhaltungsbehörde CARB.

Attraktiv war das Projekt anfangs nicht. Das Budget lag nur bei 50.000 Dollar. Viel zu wenig, um mehrere Fahrzeuge wochenlang in Staus, Langstrecken oder Bergetappen zu fahren und zu messen. Letztlich gab das Team die doppelte Summe aus. Sie kratzen sich das Geld aus anderen, thematisch verwandten Projekten zusammen, um es zu verwirklichen. „Auf was haben wir uns nur eingelassen?“, erinnerte Thiruvengadam sich an die damaligen Geldsorgen. „Nur die akademische Neugier hat uns vorangetrieben“.

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