Abgas-Skandal bei Volkswagen
Diesel-Reparaturen von VW verzögern sich weltweit

Deutschland, Amerika, Südkorea – in vielen Ländern haben Behörden Einwände gegen VWs Pläne eingelegt, die manipulierten Fahrzeuge zu reparieren. Vor allem der höhere Kraftstoff-Verbrauch stößt den Prüfern auf.

New York/SeoulEigentlich hätte alles ganz einfach sein sollen: Die elf Millionen Fahrzeuge, die weltweit von dem den Abgasmanipulationen betroffen sind, wollte VW zügig in diesem Jahr reparieren. In Deutschland unter anderem etwa mit einem Strömungstransformer, in den USA hatte VW-Chef Matthias Müller noch im Januar einen neuen Katalysator angepriesen. Doch in vielen Teilen der Welt verzögern sich nun die Reparaturen.

Südkorea etwa hat erst vor wenigen Tagen VWs Rückrufplan zum zweiten Mal zurückgewiesen. Dem Umweltministerium fehlt es auch im zweiten Anlauf an Details, auch habe VW keine Software eingereicht, mit der das Problem für die 125.000 betroffenen VW und Audi behoben werden könne, berichten Medien vor Ort.

Zudem wollen die Behörden offenbar ihre Ermittlungen gegen VW ausweiten. Jetzt sollen auch aktuelle Modelle auf die Einhaltung von Abgas-Vorschriften hin überprüft werden, wie die nationale Nachrichtenagentur Yonhap am Sonntag unter Berufung auf das Büro der Staatsanwaltschaft in Seoul berichtete.

Getestet werden soll demnach unter Aufsicht des südkoreanischen Umweltministeriums der aktuelle Motor EA 288 mit 1,6 Liter Hubraum. Der Antrieb mit der Schadstoffklasse Euro 6 ist im VW Golf sowie in den Audi-Modellen A1 und A3 verbaut. Vorgesehen seien Fahrtests über 3000 Kilometer. Ergebnisse sollten bis Ende April vorliegen. Der vorherige Rückrufplan von November bezog sich auf den Vorgänger-Motor EA 189 mit der Euronorm 5, der vor allem zwischen 2008 und 2015 verkauft wurde.

Auch in Deutschland verzögert sich der Start der ersten großen Diesel-Rückrufwelle. VW wartet bereits seit Wochen auf die Freigabe des Kraftfahrtbundesamtes. Die Gespräche und Messungen sollen nach Ostern fortgesetzt werden, hatte ein VW-Sprecher am Donnerstag mitgeteilt. Dabei hätten die Passats eigentlich schon Ende Februar in die Werkstätten berufen werden sollen.

Dem Vernehmen nach sind höhere Kraftstoff-Verbrauchswerte der Grund für die Verzögerungen. Grundsätzlich sollen sich die Eigenschaften des Fahrzeugs mit dem Update der Motorsoftware nicht ändern. Selbst ein minimal höherer Verbrauchswert würde als nicht zulässig gelten, weil bei den Nachrüstungen eine sogenannte „Null-Toleranz-Linie“ gilt.

Das Pick-up-Modell Amarok hatte den Auftakt für den größten Rückruf in der Konzerngeschichte gemacht. Erste Tests der Zeitschrift „Auto, Motor, Sport“ hatten jedoch für Schlagzeilen gesorgt. Demnach bleibe nach dem Update die Leistung zwar unverändert, der Treibstoff-Verbrauch sei jedoch nach der Reparatur angestiegen.

Auch die USA pochen auf eine Null-Toleranz-Linie. Ein Bezirksgericht in San Francisco hatte am Donnerstag eine Frist für VW verlängert, um sich mit den US-Umweltbehörden zu einigen. Die kalifornische Umweltbehörde Carb hatte im Januar VWs Rückrufplan abgelehnt. Seit dem wird weiter nach einer Lösung gesucht. In den USA sind die Abgas-Vorschriften besonders streng.

Carb-Chefin Mary Nichols hatte bereits angedeutet, dass einige Autos wohl nicht repariert werden können. Ein neuer Katalysator, den Müller im Januar für die gut 600.000 US-Autos angekündigt hatte, hat offenbar noch nicht den erhofften Durchbruch gebracht. Volkswagen hat in den USA nun bis zum 21. April Zeit, um detailliert zu beschreiben, welche Autos wie repariert werden können. Eine erste Erfolgsmeldung kann der Konzern dringend gebrauchen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda
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