Abgas-Skandal
VW vor wohl teuerster Rückrufaktion in der Autogeschichte

Prüfung, Rückruf und Umbau von Millionen von Fahrzeugen: Der Abgas-Skandal kommt VW teuer zu stehen. Wie teuer, ist schwer zu sagen. Doch Experten vermuten: Es könnte die teuerste Rückrufaktion im Automobilbau werden.

WashingtonDie wegen des VW-Abgasskandals notwendige Rückrufaktion von elf Millionen Autos mit Dieselmotoren könnte die größte und kostspieligste ihrer Art in der Geschichte der Automobilindustrie werden.

Der Konzern aus Wolfsburg muss wohl zusätzliche Teile in Fahrzeuge einbauen, die bereits zum Verkehr zugelassen sind. Die entsprechenden Umrüstungen müssen unter Umständen in eigens dafür einzurichtenden Spezialwerkstätten durchgeführt werden. Zudem wird die Betriebserlaubnis in dutzenden Ländern mit jeweils eigenen Vorgaben erneut erteilt werden müssen.

„Ich kann mich an keine andere Rückrufaktion erinnern, die dermaßen umfassend sein dürfte“, sagte Jake Fisher, beim US- Verbraucherschützermagazin Consumer Reports für Fahrzeugtests zuständig. Es werde eine wirklich teure Nachrüstung sein.

Die Reparaturkosten sind aber lediglich ein Teil jener Kosten, die im Zuge das Abgasskandals auf VW zukommen. In den USA haben bislang mehr als 325 Verbraucher Klage eingereicht, wie von Bloomberg ausgewertete Daten zeigen. Von VW selbst ist die US-Anwaltskanzlei Jones Day mit einer internen Aufarbeitung der Diesel-Affäre mandatiert worden.

Einschließlich der Kosten für anhängige Rechtsverfahren und Geldbußen der Behörden, etwa der US-Umweltbehörde EPA, geht das in Bergisch Gladbach ansässige Center of Automotive Management, das an der dortigen FH angesiedelt ist, von Belastungen aus, die 30 Mrd. Euro übersteigen könnten.

Broker Sandford C. Bernstein erwartet einer am 19. Oktober veröffentlichten Studie zufolge Rückstellungen im Umfang von wesentlich mehr als den vom Konzern bislang zurückgestellten 6,5 Mrd. Euro: „Wir glauben, eine Größenordnung von 15 Mrd. Euro bis 20 Mrd. Euro ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine angemessene Schätzung der sich abzeichnenden, barwirksamen Kosten“, schrieben die Analysten im Team von Max Warburton.

Die Volkswagen AG ist für einen beträchtlichen Schlag in finanzieller Hinsicht gerüstet. Ende Juni verfügte der Konzern über eine Nettoliquidität in der Größenordnung von 21,5 Mrd. Euro. Im Zeitraum danach verkaufte VW Aktien der Suzuki Motor Corp. für etwa 3,4 Mrd. Euro, nachdem die beiden Autobauer eine Zusammenarbeit nicht weiter verfolgen.

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