Abgasaffäre
Volkswagen plant Kronzeugen-Regelung für Mitarbeiter

Mit einem Kronzeugen-Programm will Volkswagen die schleppende Aufklärung des Abgasskandals voranbringen. Mitarbeiter, die in den Skandal verstrickt sind, zur Aussage motiviert werden. Doch für alle gilt der Deal nicht.

FrankfurtVolkswagen plant einem Zeitungsbericht zufolge ein Kronzeugen-Programm für Mitarbeiter, die in die Abgasaffäre verstrickt sind und gestehen. Mit einer solchen Regelung sollten die Ermittlungen vorangetrieben werden, berichteten „Süddeutsche Zeitung“, WDR und NDR am Freitag. Für Vorstände und andere hoch dotierte Manager gelte dies aber nicht. Nur Beschäftigte unterhalb der obersten Führungsebenen dürften dann ihren Arbeitsplatz behalten und blieben von Schadensersatzforderungen verschont.

Vorstandschef Matthias Müller habe Anfang Oktober bei einer Betriebsversammlung versprochen, wer zur Aufklärung beitrage und die Wahrheit sage, habe „keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen“ zu befürchten. „Warum sollten die Leute auspacken und sich selbst belasten, wenn sie nichts davon haben?“, schrieb die Zeitung unter Berufung auf die Konzernspitze. VW wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Ein Sprecher sagte lediglich, die Untersuchungen der externen und internen Ermittler liefen auf Hochtouren.

Das Instrument ist bei deutschen Unternehmen bereits erprobt: Als erster Konzern in Deutschland hatte Siemens 2007 in großen Stil dieses Instrument genutzt. Damals hatte das Programm Erfolg: Zahlreiche Beschäftigte meldeten sich, Siemens kam damals glimpflich davon – der Konzern zahlte wesentlich weniger Bußgeld an die deutschen und US-amerikanischen Behörden als befürchtet.

Indes fordern der Autofahrerclub ADAC und die Deutsche Umwelthilfe Änderungen bei der Kontrolle von Abgaswerten neuer Fahrzeugtypen. Der Bund solle das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) „mit einem ausreichenden Etat versehen, um unabhängige Institutionen mit der Überwachung der Emissionen und Messungen im Straßenverkehr zu beauftragen“, heißt es in der Stellungnahme des ADAC für eine Anhörung des Bundestags-Verkehrsausschusses an diesem Montag.

Die Umwelthilfe erläuterte, die derzeit für Messungen zuständigen Institute seien qualifiziert. Sie stünden aber in einem unmittelbaren wirtschaftlichen Abhängigkeitsverhältnis zur Autoindustrie. Nötig seien grundlegende Änderungen nach Muster der US-Umweltbehörde EPA, die den Skandal Mitte September ans Licht gebracht hatte. Demnach könnte „eine unabhängige Stelle“ die Hersteller-Angaben durch Messungen auf der Straße kontrollieren. In Deutschland käme das KBA dafür „ausdrücklich nicht infrage“.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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