Abgasbetrug
Staatsanwaltschaft prüft Vorwürfe gegen Renault

Hat auch Renault bei den Abgaswerten betrogen? Die Staatsanwaltschaft in Frankreich geht dem Verdacht jetzt nach. Der Autobauer streitet die Vorwürfe ab – die Renault-Aktie stürzte zeitweise ab.
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Paris, Brüssel, BerlinIm Sog des VW-Dieselskandals geraten immer mehr Autobauer ins Visier der Ermittler. Nach Fiat-Chrysler, dem die US-Umweltbehörde EPA einen massiven Verstoß gegen das Luftreinhaltegesetz vorwirft, gerät nun in Europa auch der französische Autobauer Renault stärker unter Druck. Die Pariser Staatsanwaltschaft prüft einem Insider zufolge einen möglichen Abgasbetrug bei Europas zweitgrößtem Autobauer, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag aus Justizkreisen erfuhr.

Die Ermittlungen in dem Fall sind offenbar so weit gediehen, dass inzwischen Richter mit der Frage befasst sind, ob es zum Prozess kommt. Renault wies den Schummelverdacht zurück. Das Unternehmen beachte alle Gesetze zu Abgasemissionen.

Die Renault-Aktie verlor deutlich an Wert. Der Kurs sank zeitweise um vier Prozent und fiel auf den tiefsten Stand seit rund einem Jahr, ehe er sich wieder etwas erholte. Vor einem Jahr hatte eine Razzia bei Renault im Zusammenhang mit einer Überprüfung von Abgaswerten für Unruhe in der Autobranche gesorgt und binnen kurzer Zeit mehr als fünf Milliarden Euro an Börsenwert vernichtet.

Auch Fiat-Chrysler geriet in Europa ins Fadenkreuz. Die EU-Kommission forderte Italien auf, gegen den Autobauer gerichtete Vorwürfe des Bundesverkehrsministeriums zu entkräften. Dem italienisch-amerikanischen Konzern wird vorgehalten, in Dieselmotoren eine illegale Software einzusetzen. Nach Messungen des Flensburger Kraftfahrt-Bundesamts schaltet in bestimmten Fahrzeugen die Abgasreinigung jeweils nach 22 Minuten vollständig ab. Abgastests dauern in der Regel nur 20 Minuten.

Eine Kommissionssprecherin nannte die in den USA gegen Fiat Chrysler erhobenen Vorwürfe besorgniserregend. Man werde mit der US-Umweltbehörde EPA, den EU-Mitgliedstaaten und Fiat zusammenarbeiten, um mögliche Konsequenzen für in Europa verkaufte Fahrzeuge zu ermitteln. Allerdings sei die Durchsetzungsmacht der EU-Kommission in diesem Fall begrenzt.

Das Bundesverkehrsministerium sieht sich in seinem Verdacht bestätigt: „Es ist gut, dass die Kommission jetzt endlich den Druck auf Fiat und Italien erhöht”, sagte ein Sprecher. „Das zeigt, dass wir von Anfang an richtig lagen.” Fiat verwende illegale Abschalteinrichtungen.

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