Abgasemissionen
US-Kanzleien wollen Daimler verklagen

Nach dem Bekanntwerden der internen Untersuchung über den Zulassungsprozess bei Abgasemissionen wollen gleich mehrere Anwälte Klagen gegen den Stuttgarter Autobauer vorbereiten. Daimler hält die Vorwürfe für unbegründet.

New YorkSie wittern die Chance aufs große Geld: Gleich eine ganze Reihe von amerikanischen Anwaltskanzleien haben am Dienstag angekündigt, ihre eigenen Untersuchungen im Fall Daimler vorzubereiten und möglicherweise Klagen für geprellte Investoren vorzubereiten.

Die Anwälte vermuten, dass der Stuttgarter Autobauer US-Kapitalmarktgesetze gebrochen haben könnte, „in dem er irreführende Informationen an die Investoren gegeben hat“, heißt es etwa in einer Pressemitteilung der Kanzlei Goldberg Law aus Los Angeles.

Ähnliche Statements wurden auch von einer Kanzlei in New York und einer in Bensalem, im US-Bundesstaat Pennsylvania veröffentlicht. Alle sind auf der Suche nach Investoren, die als potenzielle Kläger dienen könnten.
Ein Daimler-Sprecher wies die Vorwürfe zurück. „Wir haben den Kapitalmarkt nach den gesetzlichen Vorgaben informiert“, sagte er.

Daimler hatte in der Nacht zum Freitag in einer Pflichtmitteilung an die Finanzwelt auf eine interne Untersuchung hingewiesen, die der Autobauer auf Wunsch des US-Justizministeriums eingeleitet hat. Dabei gehe es um einen Zertifizierungs- und Zulassungsprozess in Bezug auf Abgasemissionen in den USA.

Daimler sei am 15. April zu der Untersuchung aufgefordert worden – mit der Bitte, die Sache Vertraulich zu behandeln. Fast eine Woche später ging Daimler damit jedoch an die Öffentlichkeit. Die Aktie hatte daraufhin um rund fünf Prozent nachgegeben. Zwar wird das Daimler-Papier nicht an US-Börsen gehandelt, es gibt in den USA jedoch sogenannte Aktienersatzpapiere, die den Kursverlauf der Aktie nachbilden und demnach von dem Rückgang ebenfalls betroffen waren.
Die Anwälte nehmen sich bei ihrem Vorgehen offenbar ein Beispiel an VW. Hier haben Investoren ebenfalls Klagen eingereicht. Sie werfen dem Autobauer vor, nicht früh genug über die Abgasaffäre informiert worden zu sein. VW weist diese Vorwürfe zurück.
Die Kanzlei Hagens Berman hat Anfang des Monats eine Sammelklage gegen Daimler eingereicht. Hier werfen Autobesitzer dem Stuttgarter Autobauer die Nutzung einer Schummel-Software, „ähnlich wie die von Volkswagen“ vor, sagt Partner Steve Berman.

Beweise gibt es in der Klageschrift jedoch nicht. Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte in den vergangenen Wochen immer wieder betont, dass in den Mercedes-Motoren keine illegalen Abschaltprogramme eingebaut seien.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda
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