Abgasskandal Daimlers Diesel-Paradox

Für die Diesel-Umrüstung muss Daimler viel Geld ausgeben. Das trübt die ansonsten makellose Bilanz des Konzerns. Die Kunden bleiben dem Selbstzünder aber überraschend treu – denn sie wollen vor allem einen Autotyp.
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Dieselkriese: Autobauer Daimler muss für Umrüstungen viel Geld ausgeben Quelle: dpa
SUVs von Daimler

Der Autobauer hat seine Lücken bei den Geländewagen geschlossen.

(Foto: dpa)

MünchenAls Daimler-Finanzchef Bodo Uebber am Freitag die Quartalszahlen des Autobauers vorlegte, da war die Freude über die guten Verkäufe getrübt. Gut 450 Millionen Euro Belastungen stören die ansonsten makellose Bilanz der Autosparte. 230 Millionen Euro für einen am Montag bekannt gegebenen Rückruf, wegen „mangelhaft geerdeter Lenksäulen“ an rund einer Millionen Autos. Der Rest geht auf die Umrüstaktionen für Euro-5-Diesel, die Daimler als „freiwillige Serviceaktion“ seinen Kunden anbietet. Die in Stuttgart und München drohenden Fahrverbote haben die Dieselfahrer verunsichert; auch bei Daimler fürchtet man einen Einbruch bei den Selbstzündern.

Doch davon kann offenbar keine Rede sein. Zwar sehe man eine beim Dieselabsatz gegenüber Benzinern „relative Veränderung nach unten“. „Aber absolut haben wir mehr Absatz“, sagt Uebber, ohne allerdings konkrete Zahlen zu nennen. Auch mit Blick auf die Gebrauchtwagenpreise, bei denen Experten empfindliche Einbußen bei Daimler erwartet haben, gibt Uebber Entwarnung. „Das ist auf unserer Risikoliste“, sagt Uebber. „Aber wir haben hier keine Belastungen“.

Tatsächlich scheint sich bei Daimler die Dieselkrise zumindest beim Absatz zu beruhigen. Die Kunden haben offenbar die Risiken von Einschränkungen wie Fahrverboten verdrängt, weil sie vor allem einem Autotyp frönen: dem SUV. Anders als noch vor Jahren hat Daimler seine Lücken bei den Geländewagen geschlossen. Mittlerweile hat man vom kompakten GLA bis zum wuchtigen GLS mehr als ein halbes Dutzend Modelle im Markt. Kein Segment wächst bei Daimler schneller. Doch zumindest in Europa lassen sich die wuchtigen Geländewagen nur mit Dieselantrieb einigermaßen wirtschaftlich bewegen.

Dass die Kunden weiter Geländewagen mit Dieselantrieb vertrauen, ist aus mehreren Gründen gut für Daimler. Zum einen verdient man mit den tendenziell größeren SUVs mehr Geld als mit Limousinen. Wenn die Geländewagen weiter mit Diesel fahren, hält das die Klimabilanz einigermaßen im Lot, denn die Selbstzünder stoßen rund 15 Prozent weniger Kohlendioxid aus als Benziner.

Und schließlich hat Daimler jüngst noch einmal drei Milliarden Euro in die neue Dieselgeneration OM 656 gesteckt, einem Motor, dem selbst schärfste Dieselkritiker ein sauberes Abgasverhalten bescheinigen. Der neue Motor wird jetzt beginnend mit der neuen S-Klasse in alle Modelle eingeführt. Wenn der Diesel eine Zukunft hat, dann hat Daimler hier einen Wettbewerbsvorteil.

Relative Ruhe beim Dieselabsatz kann Daimler gut gebrauchen. Zwar liegt der Absatz um neun Prozent über Vorjahr, was auch den unerwartet starken Lastwagenverkäufen zu verdanken ist. Das operative Ergebnis brach aber aufgrund der Sonderbelastungen um 500 Millionen Euro auf 3,5 Milliarden Euro ein. Daimler braucht in den kommenden Jahren viel Geld, um die hohen Investitionen in den Ausbau der Elektromobilität und das Autonome Fahren finanzieren zu können. Massive Einbrüche beim Diesel würden Anleger und Mitarbeiter beunruhigen.

Das sind die Bestseller von Daimler
Starke Absatzzahlen
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Beim Stuttgarter Autobauer läuft es rund: Dank neuen Bestwerten beim Absatz hat der Autobauer Daimler auch bei Umsatz und Ergebnis noch einmal deutlich zugelegt. 2017 verbuchte Daimler einen Umsatz von 164,3 Milliarden Euro – sieben Prozent mehr als im Jahr zuvor. Lagen die Stuttgarter 2012 noch hinter den Rivalen aus München und Ingolstadt, so ist die Marke Mercedes jetzt mit 2,2 Millionen verkauften Autos 200.000 Einheiten vor BMW und 400.000 Stück vor Audi. Die Bestseller im Überblick.

Kompaktklasse
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2017 war mehr als jedes vierte verkaufte Fahrzeug bei Mercedes-Benz ein Kompaktwagen – insgesamt 620.000 Mal wurde ein Wagen aus dieser Kategorie verkauft. Dazu gehören beispielsweise die A-Klasse (im Bild) und die B-Klasse.

Kompaktklasse
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Wachsen konnte Mercedes Benz im Kompakt-Segment auch, weil die Marke die Modellpalette um Autos wie die Limousine CLA, den CLA Shooting Brake (im Bild) oder den SUV GLA erweitert hat. Die beiden größten Märkte für Kompaktwagen waren Deutschland und China.

Mittelklasse
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Der Bestseller bei Mercedes ist allerdings das Mittelklasse-Modell C-Klasse: Die Limousine und das T-Modell wurden insgesamt 450.000 Mal verkauft. Ein Viertel ging auf die Langversion der C-Klasse Limousine zurück, ein Modell, das ausschließlich in China gebaut und verkauft wird.

Obere Mittelklasse
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Auch die neuen Modelle der Mercedes E-Klasse haben in ihrem ersten Verkaufsjahr Rekorde gebrochen. Nie war die E-Klasse so beliebt wie in den vergangenen zwölf Monaten – 350.000 Mal wurden die Limousine und das T-Modell verkauft. Daimler schaffte es, mit den neuen Modellen eine Absatzsteigerung von 40 Prozent zu erzielen. Größter Abnehmer der Limousine ist China, dort wurden die Verkäufe sogar verdoppelt.

SUV
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Stärkste Produktkategorie ist bei Daimler – wie auch im Vorjahr – das Segment SUVs: Die Beliebtheit der Geländewagen stieg weiter stark an. 850.000 SUVs konnte der Konzern absetzen. Mit 14 Prozent Absatzwachstum trugen die SUVs maßgeblich zum Verkaufserfolg der Marke bei.

SUVs
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Getrieben wurde das Wachstum in dem Segment vor allem durch starke Verkäufe der Kompakt-SUVs. Bestseller waren die Modell GLC (im Bild) und GLA, die auf den Plattformen der C-Klasse und der A-Klasse basieren.

Zugleich erläuterte Uebber den Plan, den Konzern langfristig durch eine Holdingstruktur zu ersetzen. Derzeit werde geprüft, die Geschäftsbereiche Auto, Lastwagen und Dienstleistungen in „rechtlich eigenständige Einheiten“ zu überführen. Am Ende könnten eigene Aktiengesellschaften stehen, die eigenständig Partnerschaften schließen und sich selbst refinanzieren können.

Die notwendige Zustimmung der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat und der Beschäftigten für die Betriebsübergänge will sich Daimler mit einer ungewöhnlich langen Jobgarantie sichern. Bis Anfang 2030 soll es für die 130.000 Beschäftigten in Deutschland keine betriebsbedingten Kündigungen geben.

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  • "neue Dieselgeneration OM 656 gesteckt, einem Motor, dem selbst schärfste Dieselkritiker ein sauberes Abgasverhalten bescheinigen" - Daimler hat lange entwickelt etliche Milliarden ausgegeben. Heute hat Daimler einen hervorragenden Diesel Motor! Daimler leistet das, was man von Daimler erwartet: Beste Qualität!

  • Daimler macht vieles richtig. Das Design ist deutlich besser als die meisten Fahrzeuge der Konkurrenz, einschliesslich Tesla. Tesla wird ohnehin bald die Luft ausgehen. Elektro bzw. Brennstoffzellen Strategie wird sicher bald angepasst. Das Command System ist veraltet!

  • Mercedes produziert genau das, was die Verbraucher wollen. Das sind schwere SUV's mit sparsamen Dieselmotoren. Immer weniger Käufern leuchtet es ein, wie eine Insel wie Deutschland das Weltklima retten könnte, wenn sonstwo tausende von neuen Kohlkraftwerken geplant und wohl auch gebaut werden.

  • Von den beiden brandneuen Reihenmotoren kann Mercedes lange zehren. Gerade bei den Importeuren aus Frankreich und Italien wird man gewaltig ins Schleudern geraten, wenn hierzulande der Fokus auf Straßenabgase gerät.

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