Abgasskandal und die Folgen

VW wäscht sich selbst rein

Die Abgas-Affäre hat VW in eine tiefe Krise gestürzt. Doch die Vorstandsebene trägt daran keine Schuld. Das komplette Management um Ex-Chef Winterkorn soll für das abgelaufene Jahr entlastet werden. Ein heikles Manöver.
Update: 11.05.2016 - 15:06 Uhr 7 Kommentare
Auch Ex-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn soll entlastet werden. Quelle: dpa
Volkswagen

Auch Ex-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn soll entlastet werden.

(Foto: dpa)

Wolfsburg16,2 Milliarden Euro hat die Abgasaffäre VW bislang gekostet. Eine Summe, die in den kommenden Jahren aber noch größer werden dürfte. Wer von den Manipulationen an den Dieselmotoren wusste, ist bis heute nicht geklärt. Das Topmanagement soll aber nach Lesart des Aufsichtsrates keine Verantwortung gehabt haben. Die Hauptversammlung, so die einstimmige Empfehlung der 20 Kontrolleure, soll den VW-Vorstand für das abgelaufene Jahr zumindest eingeschränkt entlasten.

Da die Großaktionäre der Familien Porsche und Piëch, das Land Niedersachsen und das Emirat Katar die Empfehlung mittragen, gilt die Zustimmung der Hauptversammlung als sicher.

Die Entlastung eines Vorstandes ist ein rechtlich und kommunikativ wichtiges Signal der Eigentümer. Denn mit der Entlastung billigen die Aktionäre die Arbeit des Vorstandes für das abgelaufene Jahr. Zwar lässt sich VW mögliche Ansprüche auf Schadensersatz offen, doch eine Entlastung durch die Hauptversammlung erschwert einen solchen juristischen Schritt für die Zukunft.

Bei Volkswagen ist die Schuldfrage noch offen: Der Abschlussbericht des vom Aufsichtsrat in Auftrag gegebene Gutachtens der Kanzlei Jones Day liegt bislang nicht vor. Auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig und des US-Justizministeriums sind nicht abgeschlossen.

Andere deutsche Unternehmen handelten in vergleichbaren Fällen deutlich strenger: Siemens verweigerte 2007 einzelnen Vorständen die Entlastung, nachdem der Münchener Konzern milliardenschwere Strafen wegen Schmiergeldzahlungen leisten musste.

Und auch die Münchener VW-Tochter MAN zeigte Härte gegen ihre Manager, als Schmiergeldzahlungen ruchbar wurden. Der damalige Großaktionär VW verweigerte dem Management um Konzernchef Hakan Samulesson die Entlastung – auch um später einen saftigen Schadensersatzanspruch geltend machen zu können.

Das verdient der VW-Vorstand
Gruppenbild mit Dame
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Insgesamt 63,2 Millionen Euro hat Volkswagen im Geschäftsjahr 2015 an den Vorstand ausgeschüttet. Nicht nur aktuelle Vorstände sind unter den Spitzenverdienern...

Matthias Müller - 4,17 Millionen Euro
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Seine ersten Monate an der Konzernspitze war für Matthias Müller sicher nicht vergnügungssteuerpflichtig. Im Vergleich zu seinen Vorgängern verdiente er in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2015 deutlich weniger. Seine Vergütung setzt sich zusammen aus einem Festgehalt von etwa 1,11 Million Euro und einem Bonus von 2,77 Millionen Euro. Hinzu kommt ein Versorgungsaufwand von etwa 300.000 Euro. Im September hatte er Martin Winterkorn an der Konzernspitze abgelöst.

Herbert Diess - 7,12 Millionen Euro
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Der Königstransfer hat sich seinen Wechsel von München nach Wolfsburg gut bezahlen lassen. In seinem ersten halben Jahr in Diensten von VW hat der ehemalige BMW-Spitzenmanager Diess mehr verdient als Konzernchef Müller. Zu seinem Fixgehalt von rund 5,7 Millionen kommt ein Versorgungsaufwand von 312.000 Euro und ein Bonus von 1,13 Millionen Euro. In der Vergütung enthalten ist allerdings eine Wechselprämie von 5 Millionen Euro.

Francisco Garcia Sanz - 4,36 Millionen Euro
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Der alte Hase im VW-Vorstand verdient deutlich weniger als im Vorjahr. Der Einkaufchef kassierte im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Fixgehalt von 1,29 Millionen Euro, hinzu kamen Prämien in Höhe von rund 2,26 Millionen Euro und ein Versorgungsaufwand von 816.000 Euro.

Jochem Heizmann - 3,45 Millionen Euro
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Das China-Geschäft zeigt sich vom Dieselskandal absolut unbeeindruckt. Auch an China-Vorstand Jochem Heizmann ist der Skandal spurlos vorbeigegangen. 1,2 Millionen kassiert Heizmann als Fixgehalt, hinzu kommen Bonuszahlungen von etwa 2,25 Millionen Euro.

Andreas Renschler - 14,91 Millionen Euro
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Mit seinem Wechsel von Daimler zu VW überflügelt Lkw-Vorstand Andreas Renschler sogar seinen ehemaligen Boss Dieter Zetsche beim Einkommen. Durch eine Wechselprämie von 11,5 Millionen Euro schießt sein Fixgehalt auf 12,8 Millionen Euro - und das ohne den Januar. Hinzu kommt ein Bonus von 2,06 Millionen Euro. Damit ist Renschler der Spitzenverdiener im VW-Vorstand.

Rupert Stadler - 4,1 Millionen Euro
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Audi ist zwar die Gewinnmaschine von Volkswagen. Doch Audi-Chef Stadler verdient im Vergleich zum Vorjahr allerdings fast drei Millionen Euro weniger. Sein Fixgehalt beläuft sich auf 1,11 Millionen Euro. Hinzu kommt ein Bonus von etwa 2,26 Millionen Euro, plus einem Versorgungsaufwand von 723.000 Euro.

2011 forderte der damalige Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch 237 Millionen Euro von seinem Vorstandschef. Begründung: Samuelsson habe die Schmiergeldzahlungen zwar nicht angeordnet, aber seine mangelhafte Aufsicht hätte die Schmiergeldzahlungen ermöglicht.

Eine Begründung, die auch bei Volkswagen nahe liegen könnte. Motorenentwicklung ist traditionell das Herzstück eines Autokonzerns. Doch soviel Härte wird VW-Aufsichtsratschef Hans-Dieter Pötsch nicht walten lassen.

Pötsch diente bis zum vergangenen Oktober unter Martin Winterkorn als Finanzvorstand. Kritiker wie der Londoner Aktionärsvertreter Hans-Christoph Hirt haben deshalb in den vergangenen Wochen mehrfach bezweifelt, ob Pötsch die Aufarbeitung des Abgasskandals wirklich voranbringen wird.

Sicher ist: Volkswagen steuert am 22. Juni auf eine turbulente Hauptversammlung zu.

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7 Kommentare zu "Abgasskandal und die Folgen: VW wäscht sich selbst rein"

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  • "Da die Herren Vorstände ja offensichtlich über nichts informiert sind, fragt man sich, wo für sie das viele Geld bekommen.

    Eine Schande ist das!"

    Da sagen Sie was.

  • Das war nicht anders zu erwarten. Ich habe für mich entschieden, jegliche Zusammenarbeit mit VW zu beenden. Dies sowohl als Aktionär wie auch als Käufer von Produkten aus dem Konzern und zwar mindestens so lange, wie hier keine juristische Aufarbeitung dieser Betrugsvorwürfe erfolgt sind. Dieses Verhalten war und ist einfach nur eines: PFUI!

    Ob die Verantwortlichen dieser Betrügereien ihre eigenen Kinder wohl nach den gleichen ethischen Werten erziehen?

  • Das ist nur in Deutschland möglich und das wissen diese Leute aus der Führungsriege!

    Es ist nicht von ungefähr, dass Deutschland ein großes Problem mit Korruption hat!

    VW kaufen wir aus Prinzip nicht mehr, obwohl es leider nur den kleinen Arbeiter trifft wenn VW pleite geht!

    Schaut doch mal wie in den USA mit solchen kriminellen umgegangen wird!

  • Was für eine Schm.....komödie.Wenn Kinder so agieren, setzt es was.

    Hier scheint der Grundsatz zu gelten: Nichtleistung lohnt sich!

  • Von mir aus sollen sie den Vorstand nicht nur entlasten sondern ihre Bezüge für die tolle Arbeit auch noch verdoppeln. Ich fahre kein Auto aus dem VW Konzern also muss ich das auch nicht bezahlen. Geleimt sind die Käufer von VW, Audi, Seat, Skoda usw. und die Arbeiter die keine Bonis bekommen werden.

  • Langsam aber sicher verliert man den Glauben daran, daß es im Management noch einen Funken Anstand gibt. Da die Herren Vorstände ja offensichtlich über nichts informiert sind, fragt man sich, wo für sie das viele Geld bekommen.

    Eine Schande ist das!

  • Wer die Aktienmehrheit an einem börsennotierten Unternehmen hat, hat das sagen. Wenn also die " Gegner " eine andere Entscheidung herbeiführen wollen, dann sollen sie bei der Porsche SE (dem Mehrheitseigentümer der Volkswagen AG), respektive P & P, ein Angebot machen. Aber ich denke mal, das wird auf Granit stoßen .....

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