Abgasskandal und die Folgen
VW wäscht sich selbst rein

Die Abgas-Affäre hat VW in eine tiefe Krise gestürzt. Doch die Vorstandsebene trägt daran keine Schuld. Das komplette Management um Ex-Chef Winterkorn soll für das abgelaufene Jahr entlastet werden. Ein heikles Manöver.
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Wolfsburg16,2 Milliarden Euro hat die Abgasaffäre VW bislang gekostet. Eine Summe, die in den kommenden Jahren aber noch größer werden dürfte. Wer von den Manipulationen an den Dieselmotoren wusste, ist bis heute nicht geklärt. Das Topmanagement soll aber nach Lesart des Aufsichtsrates keine Verantwortung gehabt haben. Die Hauptversammlung, so die einstimmige Empfehlung der 20 Kontrolleure, soll den VW-Vorstand für das abgelaufene Jahr zumindest eingeschränkt entlasten.

Da die Großaktionäre der Familien Porsche und Piëch, das Land Niedersachsen und das Emirat Katar die Empfehlung mittragen, gilt die Zustimmung der Hauptversammlung als sicher.

Die Entlastung eines Vorstandes ist ein rechtlich und kommunikativ wichtiges Signal der Eigentümer. Denn mit der Entlastung billigen die Aktionäre die Arbeit des Vorstandes für das abgelaufene Jahr. Zwar lässt sich VW mögliche Ansprüche auf Schadensersatz offen, doch eine Entlastung durch die Hauptversammlung erschwert einen solchen juristischen Schritt für die Zukunft.

Bei Volkswagen ist die Schuldfrage noch offen: Der Abschlussbericht des vom Aufsichtsrat in Auftrag gegebene Gutachtens der Kanzlei Jones Day liegt bislang nicht vor. Auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig und des US-Justizministeriums sind nicht abgeschlossen.

Andere deutsche Unternehmen handelten in vergleichbaren Fällen deutlich strenger: Siemens verweigerte 2007 einzelnen Vorständen die Entlastung, nachdem der Münchener Konzern milliardenschwere Strafen wegen Schmiergeldzahlungen leisten musste.

Und auch die Münchener VW-Tochter MAN zeigte Härte gegen ihre Manager, als Schmiergeldzahlungen ruchbar wurden. Der damalige Großaktionär VW verweigerte dem Management um Konzernchef Hakan Samulesson die Entlastung – auch um später einen saftigen Schadensersatzanspruch geltend machen zu können.

2011 forderte der damalige Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch 237 Millionen Euro von seinem Vorstandschef. Begründung: Samuelsson habe die Schmiergeldzahlungen zwar nicht angeordnet, aber seine mangelhafte Aufsicht hätte die Schmiergeldzahlungen ermöglicht.

Eine Begründung, die auch bei Volkswagen nahe liegen könnte. Motorenentwicklung ist traditionell das Herzstück eines Autokonzerns. Doch soviel Härte wird VW-Aufsichtsratschef Hans-Dieter Pötsch nicht walten lassen.

Pötsch diente bis zum vergangenen Oktober unter Martin Winterkorn als Finanzvorstand. Kritiker wie der Londoner Aktionärsvertreter Hans-Christoph Hirt haben deshalb in den vergangenen Wochen mehrfach bezweifelt, ob Pötsch die Aufarbeitung des Abgasskandals wirklich voranbringen wird.

Sicher ist: Volkswagen steuert am 22. Juni auf eine turbulente Hauptversammlung zu.

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  • "Da die Herren Vorstände ja offensichtlich über nichts informiert sind, fragt man sich, wo für sie das viele Geld bekommen.

    Eine Schande ist das!"

    Da sagen Sie was.

  • Das war nicht anders zu erwarten. Ich habe für mich entschieden, jegliche Zusammenarbeit mit VW zu beenden. Dies sowohl als Aktionär wie auch als Käufer von Produkten aus dem Konzern und zwar mindestens so lange, wie hier keine juristische Aufarbeitung dieser Betrugsvorwürfe erfolgt sind. Dieses Verhalten war und ist einfach nur eines: PFUI!

    Ob die Verantwortlichen dieser Betrügereien ihre eigenen Kinder wohl nach den gleichen ethischen Werten erziehen?

  • Das ist nur in Deutschland möglich und das wissen diese Leute aus der Führungsriege!

    Es ist nicht von ungefähr, dass Deutschland ein großes Problem mit Korruption hat!

    VW kaufen wir aus Prinzip nicht mehr, obwohl es leider nur den kleinen Arbeiter trifft wenn VW pleite geht!

    Schaut doch mal wie in den USA mit solchen kriminellen umgegangen wird!

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