Abhängigkeit birgt hohes Risiko
Hitzewelle: In Europa wird der Strom knapp

Die Hitzewelle in Europa schürt Ängste vor Stromausfällen. Auf Hochbetrieb laufende Klimaanlagen ziehen viel Energie, während die ersten Kraftwerke in die Sommerpause gehen.

HB PARIS/DÜSSELDORF/MAILAND. Vor allem in Südeuropa ist der Verbrauch deutlich angestiegen, während viele Kraftwerke nur noch mit halber Kraft laufen – auch in Deutschland sind erste Anlagen betroffen. In Italien kam es schon vereinzelt zu regionalen Blackouts, Spanien, Frankreich und selbst Großbritannien sorgen drohenden Engpässen vor. Deutschland exportiert verstärkt Strom in die Nachbarländer.

Schon in den vergangenen Jahren war es im Sommer regelmäßig zu Engpässen in der Stromversorgung gekommen – vor allem in Südeuropa. Lang andauernde Hitzeperioden lassen den Verbrauch klettern, weil Elektrogeräte wie Ventilatoren oder Klimageräte auf Hochtouren laufen. Gleichzeitig fällt ein Teil der Stromproduktion aus. Wasserkraftwerke müssen wegen der Dürre vom Netz, Windanlagen liefern kaum Strom und Kernkraftwerke dürfen nicht mehr betrieben werden, wenn die Temperatur in den Flüssen, aus denen die Reaktoren ihr Kühlwasser beziehen, Grenzwerte überschreiten. Hinzu kommt eine zum Teil schlechte Qualität der Stromnetze. Vor drei Jahren war durch eine Kettenreaktion in Italien der Strom für Stunden flächendeckend ausgefallen.

Italien hat in diesem Sommer bereits erste regionale Stromausfälle verzeichnet. Am Montag legte ein Blackout weite Teile Siziliens lahm. Grund war ein Gewitter, das eines der Starkstromkabel heruntergerissen hat, das wiederum weite Teile des Netzes in Mitleidenschaft zog. Anfang des Monats waren auch in der Hauptstadt Rom mehrere Stadtteile von Stromausfällen betroffen. Grund dafür war die Überlastung des Netzes vor allem durch Klimaanlagen. Einige Wasserkraftwerke mussten wegen der Dürre vorübergehend abgeschaltet oder gedrosselt werden.

Seitdem sind die Temperaturen in Italien – anders als in Spanien oder Portugal – zwar wieder leicht gesunken, einige Regenschauer sind niedergegangen, aber für die kommenden Tage ist eine neue Hitzewelle angesagt. Damit könnte es auch wieder zu Versorgungsengpässen kommen. Nach Angaben der italienischen Energie-Aufsichtsbehörde liegt Italien in Hinblick auf die Anfälligkeit für Stromausfälle auf Platz drei der insgesamt 35 europäischen Länder. Nur Zypern und Malta stehen schlechter da. „Italien hat bereits das hohe Risiko zu spüren bekommen, das die starke Abhängigkeit von Importen aus Drittländern außerhalb seiner Kontrolle mit sich bringt“, mahnt Aufsichtschef Alessandro Ortis.

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