Abhängigkeit vom Export wächst – Konsum hängt am Arbeitsmarkt
Heimatmarkt ist Achillesferse der deutschen Industrie

Die Kluft zwischen dem schwachen Inlandsgeschäft und dem starken Export wird für die deutschen Unternehmen immer tiefer. Während das Auslandsgeschäft brummt, entwickelt sich die Nachfrage auf dem Heimatmarkt schlechter als befürchtet. Das trifft die Unternehmen umso stärker, je mehr sie vom Konsum in Deutschland abhängen.

HB DÜSSELDORF. So musste der Leid geprüfte Einzelhandel einen weiteren Rückschlag hinnehmen: Im Mai ist sein Umsatz nach gestern veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes preisbereinigt um 1,7 Prozent geschrumpft. Auch die Chemieindustrie berichtete gestern von einer gespaltenen Entwicklung im In- und Ausland und bestätigte damit eine Tendenz, die zuletzt aus mehreren Branchen zu hören war.

„Der Einzelhandel befindet sich in einem kontinuierlichen Sinkflug“, klagt der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr. Der Umsatzeinbruch im Mai sei ein Desaster. „Wir wissen, dass der Juni kaum besser war“, sagte er. Das habe bereits der Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindexes für die Branche angedeutet. Nun werde es schwer, die vom Verband für 2004 erhoffte nominale Umsatzsteigerung von 0,5 Prozent zu erreichen. „Wir werden aber noch ein oder zwei Monate abwarten, bevor wir unsere Prognose korrigieren“, sagte Pellengahr. Das zweite Halbjahr sei umsatzstärker und die Vergleichsbasis vom vergangenen Jahr sehr niedrig. Noch allerdings sei die Lage der Branche ernst.

Wegen der hohen Benzinpreise hätten die Kunden noch weniger Geld für Einkäufe übrig, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes BAG, Johann Hellwege. Volkswirte warnten, erst die seit langem ersehnte Wende am Arbeitsmarkt werde den privaten Konsum beleben. Die schwachen Umsatzzahlen drückten gestern die Aktien von Einzelhandelsunternehmen gegen den Markttrend ins Minus.

Auch die Autohersteller spüren die Zurückhaltung der deutschen Kunden empfindlich. Branchenvertreter und Experten rechnen damit, dass der Verband der Automobilindustrie in den nächsten Wochen seine optimistische Jahresprognose revidieren wird. Statt des vom VDA vorausgesagten Anstiegs der Neuzulassungen auf 3,35 Millionen Fahrzeuge rechnen Marktforscher nach einem Minus von 2,5 Prozent bis Ende Mai damit, dass die Branche das Vorjahresergebnis von 3,24 Millionen Autos verfehlen wird. Im Ausland sind deutsche Wagen aber nach wie vor gefragt: Der Export wuchs bis Ende Mai um drei Prozent.

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