Abhängigkeit von Russland soll sinken – US-Vorbehalte könnten Projekt gefährden
Eon will iranische Gasfelder anzapfen

Die Eon AG strebt als erster deutscher Energieversorger den Einstieg in das Gasgeschäft mit Iran an. Der Konzern könne so unabhängiger von Lieferungen aus Russland werden, hieß es in Kreisen des Unternehmens.

DÜSSELDORF. Erste Delegationen der Tochter Eon Ruhrgas seien schon vor Ort gewesen und hätten mit Vertretern der iranischen Regierung gesprochen. Iran sei sowohl als Bezugsquelle für verflüssigtes Erdgas (LNG) als auch für Pipeline-Gas attraktiv. Bislang bezieht die Eon-Tochter Ruhrgas ihr Erdgas aus Russland, Deutschland und der Nordsee.

Umgekehrt hat auch Iran ein starkes Interesse, mit den Deutschen ins Geschäft zu kommen. Das Land verfügt nach Russland zwar über die größten Reserven der Welt, exportiert aber bislang kaum etwas davon. „Eines der wichtigsten strategischen Ziele Irans ist es, diese Lücke zu schließen“, sagt Valerie Marcel, Energieexpertin bei Royal Institute for International Affairs in London.

Irans Vize-Ölminister Hadi Nejad-Hosseinian hatte erst kürzlich angekündigt, den Gasexport massiv auszuweiten. Als Märkte hat Nejad-Hosseinian neben Indien und China daher vor allem auch Europa im Visier. Aus Kreisen eines Eon-Konkurrenten hieß es: „Iran wirbt derzeit in der ganzen deutschen Energiebranche um Investitionen.“

Mit einem Engagement in Iran würde der Eon-Konzern gleichzeitig die Verhandlungsposition gegenüber dem russischen Branchenprimus Gazprom entscheidend verbessern. Der russische Partner hatte Eon jüngst unter Druck gesetzt, als er mit dem Konkurrenten BASF ein breit angelegtes Kooperationsabkommen schloss und die BASF-Tochter Wintershall an einem sibirischen Gasfeld beteiligte, über das er ursprünglich mit Eon verhandelt hatte. Nachdem inzwischen auch RWE starkes Interesse an russischem Gas signalisiert hat, steht Eon unter Zugzwang. RWE-Chef Harry Roels traf sich erst in diesen Tagen erneut mit Gazprom-Chef Alexej Miller.

Der Eon-Konzern, der aus Russland rund ein Drittel seines Gases bezieht und sogar mit 6,5 Prozent an Gazprom beteiligt ist, kommt mit seinen Verhandlungen über strategische Projekte dagegen nur mühsam voran. Nicht zuletzt um den staatlichen Einfluss Russlands im Gasgeschäft zu bremsen, wäre es sinnvoll, dass Eon Ruhrgas die Iran-Karte in das Gaspoker einbringen könnte, sagt der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt.

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