0 Bewertungen
20.06.2006 
Milliardär wird Großaktionär

Abramowitsch kauft sich in russischen Stahlsektor ein

Die europäische Stahlindustrie bleibt in Bewegung. Gestern gab der russische Milliardär Roman Abramowitsch den Einstieg beim Stahlkonzern Evraz bekannt. Der reichste Russe will die Beteiligung von 41,3 Prozent nach Einschätzung von Moskauer Analysten nutzen, um den Stahlsektor des Landes zu konsolidieren.

mbr/dih/mjh MOSKAU/DÜSSELDORF. Die Fusion des größten europäischen Stahlherstellers Arcelor mit der russischen Severstal ist hingegen noch nicht besiegelt. Zeitungsberichten zufolge erwägt Arcelor, die erste einer Serie von außerordentlichen Hauptversammlungen zu verschieben.

Abramowitsch hat sich schon mehrfach maßgeblich bei der Umgestaltung russischer Industriebranchen engagiert. So hat er zunächst die Aluminium-Industrie des Landes konsolidiert. Zuletzt verkaufte er seine Mehrheitsbeteiligung an dem Ölkonzern Sibneft für mehr als 13 Mrd. Dollar an Gazprom. In seiner Wahlheimat London ist Abramowitsch allerdings vor allem als spendierfreudiger Besitzer des Fußballclubs FC Chelsea bekannt.

Der Investor verhandelt nach Angaben aus Branchenkreisen bereits mit dem Milliardär Alischer Usmanow über eine Beteiligung an dessen Bergbau- und Stahl-Gruppe. Abramowitsch strebe dabei einen Zusammenschluss beider Konzerne unter seiner Führung an. Russische Medienberichte, denen zufolge Abramowitsch auch an einem Einstieg in den niederländisch-britischen Stahlkonzern Corus interessiert sei, haben sich bisher nicht bestätigt. An Corus war vor wenigen Jahren bereits Usmanow beteiligt. Er scheiterte aber mit seinem Übernahmeversuch und verkaufte die meisten Corus-Aktien wieder. Abramowitsch sei „faktischer Beauftragter des Kreml, der Industrien konsolidieren und in Staatshand überführen soll“, sagt ein Banker, der namentlich nicht genannt werden will.

Spätestens die überraschende Fusionsvereinbarung zwischen Severstal und Arcelor hat die russische Stahlindustrie massiv unter Konsolidierungsdruck gesetzt. Evraz ist in Russland der größte Stahlkocher mit einer Jahresproduktion von 13,8 Mill. Tonnen Rohstahl, vor Magnitogorsk MMK. Severstal produziert zwar nur 10,8 Mill. Tonnen in Russland, ist aber wegen seiner Beteiligungen in den USA und Italien der größte Stahlkonzern des Landes.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Was die Branche bewegt

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterKöpfe

Eick löst Middelhoff als Arcandor-Chef ab  Artikel in Merkliste

Das ist ein Paukenschlag in der deutschen Unternehmenslandschaft: Der Noch-Finanzvorstand der Deutschen Telekom, Karl-Gerhard Eick, wird neuer Vorstandschef des Handels- und Touristikkonzerns Arcandor. Das erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen. Was aus dem aktuellen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff wird, ist noch unklar. Artikel


Anzeige