Abrechnung des Ex-Esprit-Chef: „Esprit hat Kunden vergrault“

Abrechnung des Ex-Esprit-Chef
„Esprit hat Kunden vergrault“

15 Jahre lang galt Heinz Krogner als „Mr. Esprit“. Er kam, als die Marke am Boden lag und übergab dem heutigen Chef Ronald van der Vis einen hochprofitablen Konzern. Heute lässt Krogner kein gutes Haar an dem Holländer.
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Herr Krogner, Sie haben Esprit zum Vorzeigekonzern gemacht. Was läuft heute falsch?
Esprit hat den schlimmsten Fehler begangen, den es gibt: Die Firma hat den Kunden vernachlässigt.

Wie meinen Sie das?
Esprit stand für ein Qualitätsversprechen. Esprit hatte eine Handschrift. Beides wurde aufgegeben. Esprit hat die alten Kunden vergrault und neue nicht schnell genug gewonnen.

Woran lag das?
Esprit stand für moderne Klassik, für hohe Qualität. Jetzt sehe ich: Modisches Zeug, das kommt und geht. Da weiß keiner, dass es von Esprit kommt oder wofür Esprit steht.


Warum haben Sie da als Aufsichtsrat nicht eingegriffen?
Ich habe versucht, was ich konnte. Aber man hat nicht mehr auf mich gehört. Ronald van der Vis kam als neuer Chef und wollte alles anders machen. Man hat ihn gelassen.


Was passierte dann?
Van der Vis hat lauter neue Leute reingeholt. Die alten, diejenigen, die die Marke aufgebaut haben, waren von dem neuen Kurs enttäuscht und sind gegangen. Was war ein großes Übel. So ein radikaler Wechsel ist sehr gefährlich.

Warum?
Eine Marke muss aufpassen, nicht in die Beliebigkeit zu rutschen. Wer gewinnt denn am Markt? Die Qualitätsunternehmen. Der Kunde fordert von Esprit Qualität. Sonst kann er ja gleich zu Kik gehen. Die Erfolgsformel ist, den Verbraucher zu verstehen, ihn zu beobachten, auf ihn zu hören.


Und das wollten Sie Ihrem Nachfolger vermitteln?
Van der Vis hatte keine Erfahrung in der Branche. Aber er ist kein dummer Mensch. Ich wollte einen weichen Übergang, ihn in den Job einführen. Aber er hörte nicht zu und hatte einen extremen Machtanspruch. Und der Aufsichtsrat hat ihn machen lassen. Man hat hier praktisch einem Piloten das Flugzeug übergeben, bevor er fliegen konnte.

Aber Sie waren doch auch im Aufsichtsrat.
Aber ich war dort allein. Mir wurde gesagt: Was Du sagt, ist ja alles schön und gut. Aber Du bist ja nicht mehr lang da. Wir müssen auf den Neuen setzen. Dann habe ich mich aus dem Gremium zurückgezogen. Ich spiele doch nicht den einsamen Mahner und kämpfe im Aufsichtsrat gegen meine Kollegen. Was soll das?

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„Esprit hat Kunden vergrault“

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„Ich habe meine Aktien rechtzeitig verkauft“

Kommentare zu "„Esprit hat Kunden vergrault“"

Alle Kommentare
  • Ich bin seit 2001 Kunfin bei Esprit und hab im Jahr recht stark eingekauft weil mir die wirklich gefällt ABER ich bin mega geschockt von dem Kundenservice. Einige Beispiele: es gibt zwei Hotlines. Eine ist für den Online-Store die andere ist glaub ich für silberne membercards. Ich habe Probleme mit einer Lieferbestellung gehabt und habe bei der Hotline angerufen. Da bin ich dann aus der üblichen Warteschleife geflogen. Das hab ich dann noch zwei-, dreimal probiert und mich fûr die hotline nr 2 entschieden. Da nahm auch jemand ab konnte mir mein problem aber nich lösen als ich nachfragte was denn mit der ersten leitung sei, sagte sie mir das dort heute keiner da ist!!!!! Da war ich baff, eine Hotline ist tagsüber einfach nicht besetzt....!!! Sie gab mir noch den Tip ich soll eine Email schreiben. Bei Esprit bekommt man aber erst nach 48h, NEU nach 72 h eine Antwort, also so words im automatischen Email angesagt. Ist aber leider NICHT so. Und für jedes email was man schreibt, auch weiteres gibts eine neue Ticketnummer. Jetzt hab ich vor zwei Wochen eine Bestellung wieder getan. Ich hab bis heut keine Ylieferung, kriner kann mir sagen wann geliefert wird.....nach etlichen Anrufen meinerseits und mit wirklich unfreundlichen weiblicgen Angestellten und emails die ich geschickt habe, bekomm icb keine Antwort sondern werd nur wieder und wieder vertröstet oder mir wird patzig entgegen getreten.....das wars dann jetzt für mich auch. Nach über elf Jahren war ich mal ein treuer Espritkunde!!!!!!!

  • Ich kann nur dazu sagen der Fisch beginnt am Kopf zu stinken. Unglaublich wie man so ein hervorragendes Textilunternehmen so in den Dreck fahren kann, jüngste Werbung ESPRIT bei TOOM!!!! Erst Penny,KIK und nun auch noch TOOM sorry Leute dat geht ja mal gar nicht. Qualität gibt es bei ESPRIT schon lange nicht mehr abgesehen vom Kundenservice, der sich auch so drastisch verschlechtert hat keine Kompetenz in den Läden meine Herren ich sag da mal nur "Schlecker....Die Arroganz wird dem Konzern noch vergehen da bin ich mir sicher.

  • Wie wahr das doch alles ist. ESPRIT als Marke hat den Kunden vergessen, aber das ist leider bei vielen anderen auch der Fall. Diletantismus auf hohem Niveau. Ein Beispiel: Während wir als Agentur den Kunden darauf ansprechen, dass der Sales-Prozess auf der Website nicht funktioniert, faselt der verantwortliche Geschäftsführer davon, der Relaunch des Logos hätte höchste Priorität. natürlich, seine Frau Gemahlin hat das ja auch mit angepinselt.... mehr Fachverstand, Kundennähe und Sinn für die Realität. täte ja nicht nur ESPRIT gut.

  • Lieber Herr Krogner,
    haben sie das nötig? Es steht doch ausser Frage, dass Sie in den ersten 10 Jahren nach ihrer Berufung zum CEO aus einer Beinahe-Insolvenz eines der erfolgreichsten Textilunternehmen Europas gemacht haben - in einer Zeit, in der Sie mit mäßig modischen Produkten den Otto-Normal-Bürger im Herzen getroffen haben und quasi konkurrenzlos waren, dahinter ein perfektes Beschaffungssystem. Die Konkurrenz hat aber mittlerweile aufgeholt, überholt und in Bereiche investiert, die Esprit zu lange ignoriert hat. Zum einen sind da die Händler, ohne sie läuft doch trotz Vertikalisierung in Zentraleuropa gar nichts. Integration statt Arroganz führt hier nachweisbar eher zum Erfolg. Zum anderen sind da die Kunden, die im immer mehr eine Marke begehren, die für irgendetwas steht, egal ob teuer oder billig. Ganz am Anfang stand Esprit mal für Freiheit, Völkerverständigung, das Hippie-Lebensgefühl, die Marke war einfach cool. Das war in den 70ern-Ende der 80er. Davon zehrt die Marke noch heute, vor allem bei den Älteren Kundinnen. Aber das ist irgendwann einmal verbraucht. Eine G.Bündchen Kampagne wird da auch nicht helfen, vielleicht eher H&M, die Frau Bündchen schon allzu oft gebucht haben. Esprit ist austauschbar geworden und wird gerade ausgetauscht - für andere Marken, bei den Händlern und beim Kunden. RvdV hat in seinen 3 Jahren keine erkennbaren Veränderungen geschaffen. Wenn er ein Marketingexperte wäre, hätte er sich sicher erst Gedanken über die Profilierung gemacht, bevor er ein ECHTES Top Model engagiert. Hoffentlich ergeht es Esprit nicht wie Schlecker, die zu spät erkannt haben, das sich Systeme verändern und die Marke in Commodity Märkten immer mehr an Relevanz gewinnt.....

  • Ich für meinen Teil bin wirklich nur Konsument und stelle keinen Anspruch die Leute ganz oben Anzuprangern bei Esprit. Für mich steht fest: Ich bin nicht bereit 40 oder 50 EUR für ein Shirt auszugeben das nach einmal Waschen die Form verliert oder noch besser, Jacken in die Reinigung zu geben die danach andere Farben hatten (alles passiert, war alles schon mal anders dort...)
    Der Herr Krogner hat vollkommen recht, die Marke hat stark an Vertrauen verloren und hat kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Sieht alles aus wie eben dem anderen Modeschnulli auch, kein Unterschied zu C&A mehr da...
    Also, sagt mir als Verbraucher mal warum ich EUCH tragen soll und zeigt mir das Ihr Qualität herstellt, vielleicht wirds dann was mitm Einkaufen...

  • Da kann ich dem Kommentr von RalfRindke oben nur beipflichten. Das Problem war ein ganz schwacher Nachfolger von Heint Krogner => Thomas Grote, nur willfähriger Ausführungsgehilfe von Krogner, der das Unternehmen und die Werte für die es stand vollkommen vernachlässigt hat. In dieser Zeit begann bereits der Exodus von den besten Mitarbeitern, die Esprit einmal gross gemacht haben.

  • Ganz schwach, Herr Krogner.
    Eine Klitsche als Patriarch groß zu machen aber den entscheidenden Augenblick zu verpassen, stabile Strukturen aufzubauen und echte Führungskräfte einzusetzen ist nur teilweise eine Leistung.
    Ihre Methode hat nicht skaliert, das sieht man allerorten.
    Und Maßnahmen entfalten Ihre Wirkung bei einem Konzern nicht innerhalb weniger Wochen sondern meist erst nach Monaten und Jahren.
    Und genau zu dem Zeitpunkt sind Sie ausgestiegen, denn die Qualitätsprobleme waren am Schlimmsten als RvdV angefangen hat.
    Ich will nicht sagen, dass RvdV alles richtig gemacht hat, aber das Schiff steuerte ganz klar auf einen Eisberg zu.

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