Absatz-Boom in den USA: Deutsche Jagd- und Sportwaffen begehrt

Absatz-Boom in den USA
Deutsche Jagd- und Sportwaffen begehrt

Jahrelang war die Branche verhalten gewachsen. Doch nun bescherten verunsicherte US-Verbraucher deutschen Herstellern von Jagd- und Sportwaffen einen Umsatzsprung – kurz bevor neue Waffengesetze gelten.
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NürnbergEin Absatz-Boom in den USA hat bei deutschen Herstellern von Jagd- und Sportwaffen im Vorjahr für glänzende Geschäfte gesorgt. Der Produktionswert deutscher Jagdwaffen habe im Jahr 2013 mit rund 330 Millionen Euro um rund 15 Prozent über dem Wert von 2012 gelegen, berichtete der Verband für Jagd-, Sportwaffen und Munition (JSM) am Freitag zum Auftakt der Nürnberger Messe IWA Outdoor Classics.

„Das Jahr 2013 ist für uns gut gelaufen“, stellte JSM-Geschäftsführer Klaus Gotzen fest. Noch 2012 war der Produktionswert deutscher Freizeitwaffen lediglich um rund fünf Prozent gestiegen. Zusammen mit dem Handel beschäftigt die Branche in Deutschland rund 40 000 Menschen.

Die deutlich gestiegene Nachfrage in den USA nach deutschen Waffen hängt nach Gotzens Einschätzung vor allem mit der Sorge vieler US-Bürger zusammen, restriktivere US-Waffengesetze könnten künftig den Erwerb von Jagd- und Freizeitwaffen erschweren. „Vor allem bei Munition gab es regelrechte Hamsterkäufe“, berichtete der Verbandschef.

Viele deutsche Hersteller hätten daraufhin ihre Produktion hochgefahren und im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet. Bei der Einstellung neuer Mitarbeiter warteten die meisten aber noch ab. Derzeit sei noch unklar, wie sich der US-Markt künftig weiter entwickele, sagte Gotzen.

In Deutschland habe sich der Absatz von Jagd- und Freizeitwaffen dagegen im Vorjahr wenig dynamisch gezeigt. Nach Hochrechnungen auf der Basis von Neun-Monatszahlen erwartet der Verband für 2013 eine Steigerung des Produktionswertes von höchstens drei Prozent. „Waffen sind viele Jahre haltbar - und deutsche Jäger entscheiden sich erst bei wirklichen Produktinnovationen für eine neue Büchse oder ein neues Gewehr“, erläuterte Gotzen.

Dafür scheinen die wirtschaftlichen Probleme in Südeuropa die Nachfrage nach Jagdwaffen kaum zu bremsen. Vor allem nach Italien und Spanien sei der Export gut gelaufen. „Jagdwaffen sind Luxusgüter. Und wer sich bisher eine gute Jagdwaffe geleistet hat, der tut das auch weiterhin“, sagte Gotzen. Auf der IWA Outdoor Classics präsentieren noch bis zum kommenden Montag (10. März) 1300 Aussteller ihr Neuheiten.

Das wachsende Interesse an Jagd- und Sportwaffen hat unterdessen den Ruf nach schärferen Waffengesetzen wieder lauter werden lassen. Zwar hat die Bundesregierung nach den Amokläufen von Erfurt und Winnenden inzwischen ein zentrales Waffenregister eingeführt.

Nach den Schulamokläufen in Deutschland und den USA sorgt die Verbreitung von Waffen in der Bevölkerung indes weiterhin für Diskussionen. Nach Ansicht von Angehörigen von Opfern des Amoklaufs von Winnenden liegt noch viel im Argen. So haben sie sich erst am vergangenen Mittwoch unter anderem für ein Verbot großkalibriger Waffen ausgesprochen. Auch an US-Schulen war es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Amokläufen gekommen - zuletzt im Dezember 2012 an einer Grundschule in Newtown (Connecticut). 27 Menschen wurden erschossen, darunter 20 Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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