Absatz in Gefahr: Die Grenzen des chinesischen Auto-Booms

Absatz in Gefahr
Die Grenzen des chinesischen Auto-Booms

Die Autoindustrie in China wächst rasant – mit verheerenden Folgen für die Metropolen. Um die Luftqualität zu verbessern, sollen die Zulassungen begrenzt werden. Eine Gefahr für die Strategie der deutschen Autobauer.
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DüsseldorfNoch nie wurden in einem Land so viele Autos in einem Jahr verkauft wie in China. Mit rund 22 Millionen Fahrzeugen hat der Absatz im Jahr 2013 eine neue Rekordmarke erreicht. Längt ist China für Volkswagen und General Motors der weltweit wichtigste Markt. Mit einem Wachstum von 14 Prozent steigen die Absätze immer noch deutlich stärker als in Nordamerika. Und erstmals seit acht Jahren könnte Volkswagen zur stärksten Automarke auf dem chinesischen Markt aufsteigen.

Obwohl der derzeitige Marktführer General Motors den Absatz um 11 Prozent auf 3,16 Millionen Fahrzeuge steigern konnte, muss er wohl die Spitzenposition räumen. Die zwei chinesischen VW-Gemeinschaftsunternehmen verkauften allein im Dezember 235.700 Fahrzeuge. Für das Gesamtjahr kommt Volkswagen damit auf einen Absatz von 3,19 Millionen - und reiht sich das erste Mal seit acht Jahren vor General Motors ein.

Obwohl die derzeitigen Absatzzahlen die Phantasie der Automanager beflügeln, sind die Grenzen des Wachstums schon sichtbar. Die chinesischen Mega-Citys leiden unter dem wachsenden Verkehrsaufkommen. Automassen haben die Hauptverkehrsstraßen zu Parkplätzen gemacht, die Luftqualität in den Metropolen ist so schlecht, das Atmen nur noch mit Maske möglich ist. Rentner und Kinder werden regelmäßig aufgefordert, ihre Wohnung nicht zu verlassen.

China, das sich lange wenig um Umweltschutz scherte, bekommt nun die Schattenseiten des Wachstums zu spüren. Kein Land der Welt stößt mehr Kohlendioxid aus, in einigen Städten übersteigt die Luftverschmutzung die Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation um das 40-fache. Das Risiko der Chinesen an Lungenkrebs und Leukämie zu erkranken steigt stetig.

Von Shanghai bis Peking kursiert längst der Begriff „Airpocalypse“. Um die Luftverschmutzung zu verringern, setzen Chinas Metropolen auf strengere Quoten und begrenzte Zulassungen. Ziel des chinesischen Staatsrates ist es, die Luftverschmutzung in Peking, Shanghai und Guangzhou bis 2017 um 15 bis 25 Prozent zu reduzieren. Derzeit ist der Straßenverkehr für rund 20 Prozent der Feinstaubbelastung verantwortlich. Für die Autobauer dürfte die neue Strategie daher nicht folgenlos bleibe: Das chinesische Industrieministerium warnte bereits vergangenen Monat, dass die Autoverkäufe im kommenden Jahr stagnieren könnten.

„Weil viele große Städte neue Regeln aufstellen, müssen die Autobauer auf kleinere Städte und das Inland setzen, um weiter zu wachsen“, sagt Harry Chen, Analyst von Guotai Junan Securities in Shenzen. „Chinesische Automarken müssen ihre Qualität verbessern und mit den ausländischen Marken konkurrieren, um zu überleben.“

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China soll der größte Markt für Elektroautos werden

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  • Gibt doch schon genug moderne Wagen mit Elektroantrieb (siehe Tesla). Die Chinesen sollten halt veraltete Technik aus Europa besteuern und das Problem wäre schnell gelöst.

  • Der Smog kommt von der zum Großteil extrem veralteten Schwerindustrie, Kohleheizungen der Privathaushalte und Uralt-LKW ohne Filter (deutsche PKW sind schadstoffarm, aber Wasserstoffantriebe (vgl. Stadtbusse in Hamburg) sind eine weitere Option; in allen drei Problemfeldern liegen deshalb große Chancen für die deutsche Industrie; Deutschland hat schon heute die Technologie, deshalb bleibt der asiatische Markt für unsere Exporteure von umweltschonender Technik auf lange Sicht eine Goldgrube.

  • Hat HB von Tesla gehort? Wenn man uber elektroautos redet, sollte man mit Tesla anfangen und nicht BMW. BMW hat da nicht besonders viel anzubieten.

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