Absatzeinbruch der japanischen Daimler-Lkw-Tochter hält sich zunächst in Grenzen
Fuso bleibt die große Krise erspart

Die Daimler-Lastwagentochter Fuso scheint noch einmal mit einem blauen Auge aus dem massiven Skandal um jahrelang vertuschte Qualitätsmängel davonzukommen. Zwar sank der Absatz in Japan in den vier Monaten von April bis August, dem Zeitraum nach dem Bekanntwerden der ersten Rückrufskandale, mit 17 Prozent zum Vor-jahr deutlich stärker als der Markt, der um 11 Prozent nachgab. Fuso-Chef Wilfried Porth wertete die Entwicklung gestern jedoch angesichts des weit reichenden Rückrufskandals als positiv.

bas TOKIO. „Das zeigt, dass wir eine solide Kundenbasis haben“, sagte er. Der Marktanteil in Japan sank um zwei Prozentpunkte auf 25,6 Prozent. Porth zeigte sich überzeugt, die alte Marktstellung nach Abarbeitung wieder zu erlangen. Pkw-Hersteller Mitsubishi Motors (MMC) hingegen hat in Folge von Qualitätsskandalen Absatzeinbrüche in Japan von rund 50 Prozent zu verkraften. Der Marktanteil auf dem Heimatmarkt ist auf drei Prozent gesunken. Bis 2003 war Fuso Teil von MMC, aus jener Zeit rühren die Qualitätsskandale.

Mittlerweile hält Daimler-Chrysler 65 Prozent an der Mitsubishi Fuso Truck & Bus Corporation und erwägt, MMC zu verklagen, weil die Mängelvertuschungen beim Verkauf der Fuso-Anteile verschwiegen wurden. Fuso muss schätzungsweise mehr als eine halbe Million Fahrzeuge in die Werkstätten rufen, zum Teil mehrmals. Prozesse, unter anderem wegen eines Todesfalls, laufen. Porth sagte, eine Schätzung, wie groß der Schaden für Fuso insgesamt sei, werde noch einige Wochen dauern. Mit Workshops und Vorträgen will er eine offenere Unternehmenskultur schaffen, spricht von einer „Kulturrevolution“.

Starke Zuwächse im Ausland von 26 Prozent gleichen bei Fuso derzeit die Verluste in Japan mehr als aus. Im ersten Geschäftsquartal von April bis Juni verkaufte Fuso weltweit inklusive Japan acht Prozent mehr Fahrzeuge als im Jahr zuvor. Während sich der Absatz in Japan und im Ausland im Ende März abgelaufenen gesamten Geschäftsjahr ungefähr die Waage hielten, verkaufte das Unternehmen im ersten Quartal rund zwei von drei Fahrzeugen im Ausland. In Europa profitiert Fuso von der Hilfe durch den Daimler-Chrysler-Vertrieb. Aber auch im Nahen Osten, in Nord- und Südamerika stiegen die Verkäufe stark, zum Teil wegen des Starts des neuen Kleinlasters Canter.

Der September könnte jedoch für Fuso in Japan größere Einbrüche bringen. Bei den leichten bis mittelschweren Lastwagen gelten zum Teil seit Anfang des Monats neue landesweite Abgasregeln. Das japanische Verkehrsministerium hat jedoch rund 40 Prozent der neuen Fahrzeugtypen Fusos mit den geringeren Emissionswerten noch nicht zugelassen. Angesichts des Qualitätsskandals wollen die Beamten zusätzliche Daten sehen. Da die Abgasregeln für eine Sondernachfrage sorgen, kann Fuso nicht sofort voll davon profitieren. Im August habe sich dies schon bemerkbar gemacht, sagte Porth. Er rechnet jedoch mit einer baldigen Zulassung.

Lastwagen-Konkurrent Hino hat bisher spürbar von Fusos Qualitätsskandal profitiert. Doch Hino warnt bereits, in einigen Jahren, könnte der japanische Markt wieder ein hartes Pflaster werden, wenn die Sondernachfrage wegen der strengen Abgasregeln vorüber und der Markt mit neuen Fahrzeugen voll sei. Im Geschäftsjahr 2003/04 hatte eine Tokio-weite Abgasregel bereits für eine Sondernachfrage gesorgt. Fuso erzielte einen Nettogewinn von 136 Mill. Euro. Innerhalb des Daimler-Konzerns will sich Fuso mit Leicht-Lastwagen und Abgas-Technologie positionieren. Auf der Nutzfahrzeug IAA wird der Hersteller seinen Hybridantrieb zeigen, den er in Kürze mit einem Kunden auf der Straße testen will.

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