Absatzkrise
Autobauer warten auf die Käufer

Der PKW-Absatz stockt und stürzt die Industrie in große Probleme. Welcher europäische Hersteller glimpflich durch die Flaute kommt - und welcher richtig unter die Räder kommt.

DÜSSELDORF. Welcher europäischer Automobilkonzern hat seit Oktober 2008 am besten an der Börse abgeschnitten? Spontan müsste die Antwort lauten: Ein Anbieter von kleinen Wagen für den schmalen Geldbeutel wie Fiat, Peugeot oder Renault. Doch weit gefehlt. Trotz der deutlichen Absatzeinbrüche im sogenannten Premiumsegment heißt der Sieger an der Börse BMW. Der Aktienkurs des Münchener Autobauers sank im vergangenen halben Jahr nur um knapp 13 Prozent. Selbst die VW-Aktie, die zwischenzeitlich bis auf über 1 000 Euro vorpreschte, schnitt mit einem Minus von 21,1 Prozent schlechter ab.

Ein überraschendes Ergebnis, zweifellos. Aber welche Schlüsse lassen sich daraus für die Zukunft ziehen? Steht BMW wirklich besser da als die Konkurrenz? Immerhin bekamen die Münchener jetzt die Quittung für eine aggressive Preispolitik auf ihrem lange Zeit wichtigsten Absatzmarkt USA. Gesunkene Restwerte der Leasing-Flotte und steigende Kreditausfälle belasteten das Ergebnis im vergangenen Jahr mit zwei Mrd. Euro. BMW geht aber davon aus, dass damit die Risiken zumindest bis Ende 2009 verdaut sind.

Als Folge des scharfen Nachfrageeinbruchs ab Sommer 2008 produzierten nahezu alle europäischen Hersteller in den vergangenen Monaten auf Halde. VW beispielsweise beziffert die eigene Überversorgung des Marktes auf 200 000 Fahrzeuge, für Daimler nennen Branchenkenner eine Zahl von 100 000. Anders als BMW hat Daimler allerdings erst damit begonnen, erforderliche Wertberichtungen auf das gestiegen Vorratsvermögen vorzunehmen, VW hat in seiner Bilanz noch gar nichts bereinigt.

Nur BMW und Renault konnten, weil sie frühzeitg bei der Produktion auf die Bremse traten, bereits im vergangenen Jahr ihren Bestand an unverkauften Fahrzeugen senken - BMW um 0,8 Prozent, die Franzosen sogar um 11,2 Prozent. Das änderte jedoch nichts daran, dass unter der Strich bei allen Autobauern der Free Cash-Flow 2008 mit Milliardenbeträgen ins Minus rutschte.

Anders ausgedrückt: Die Einnahmen aus dem operativen Geschäft sind im vergangenen Jahr so stark gesunken, dass die europäischen Automobilkonzerne ihre Investitionen nicht mehr mit eigenen Mitteln finanzieren konnten. An einen Abbau der traditionell hohen Nettofinanzschulden war schon gar nicht zu denken.

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