Absatzprobleme auf dem US-Markt
Timberland zwischen Baum und Börse

Der US-Schuhfabrikant und Bekleidungshersteller Timberland sieht sich als Pionier der Nachhaltigkeitswelle und will künftig stärker denn je soziale Gerechtigkeit und Gewinnmargen unter einen Hut bringen.

STRATHAM. "Wir haben in den vergangenen zehn Jahren bewiesen, dass dieses Geschäftsmodell funktioniert", sagte der Chef der börsennotierten Firma, Jeffrey Swartz, in der Firmenzentrale in Stratham/New Hampshire. Zwar kämpft Timberland seit eineinhalb Jahren mit Absatzproblemen insbesondere auf dem Heimatmarkt USA. Der 46-jährige Enkel des Firmengründers Nathan Swartz sieht das Unternehmen jedoch gut positioniert, um mittelfristig wieder an die erfolgreichsten Jahre anknüpfen zu können. "Es geht nicht um Preis oder Kosten: Wir haben im Moment ein reines Problem mit der Mode", sagte Swartz. Timberland ist bekannt für seine wasserdichten Lederstiefel, die seit ihrem Verkaufsstart 1973 einen kuriosen Modezyklus hinter sich haben: Mit den so genannten "Yellow Boots" wurden vom Bauarbeiter und Gärtner über betuchte Großstädter und Studenten bis hin zu Fans aus der Hiphop-Szene bereits die unterschiedlichsten Zielgruppen angesprochen.

Mit Umsatzrenditen von zeitweise über 40 Prozent ist Timberland in den vergangenen Jahren zum profitabelsten Unternehmen seiner Branche aufgestiegen. Zwar sind die Ergebnisse deutlich rückläufig, doch im dritten Quartal blieben bei 503 Mill. Dollar Umsatz immerhin noch 52 Mill. Dollar Nettogewinn in der Firmenkasse. Swartz, dessen Familie alle Timberland-Aktien der B-Klasse und damit 70 Prozent der Stimmrechte hält, will Analysten zwar auch mit Kostensenkungen entgegenkommen. Vielmehr setzt er aber darauf, dass sein geradezu missionarisches Engagement in Sachen Umwelt und Soziales vom Konsumenten belohnt wird. Dabei blickt er auf erfolgreiche Bionahrungshersteller wie Whole Foods in den USA, die deutlich höhere Verkaufspreise am Markt durchsetzen können als die Konkurrenz. Irgendwann werde der Kunde auch vor zwei Paar Schuhen stehen und fragen: "Wie sind die produziert worden?", sagte Swartz.

So haben Timberland-Schuhkartons neuerdings einen Beipackzettel, der Verbraucher über Fabrikstandort, Umweltbelastungen aus der Schuhproduktion sowie über das soziale Engagement der Firma informiert. "Das ist keine Schönwetter-Veranstaltung. Wir leben das seit 25 Jahren", betonte Swartz. Seine 5 600 Mitarbeiter bezahlt er dafür, dass sie 40 Stunden im Jahr gemeinnützige Arbeit leisten.

Ob sich dieser Stil jenseits der Börse besser leben lässt, werden die nächsten Wochen zeigen. Wall-Street-Spekulationen, nach denen die Gründerfamilie einen Verkauf an Finanzinvestoren prüft, wollte Swartz nicht kommentieren. Er bestätigte aber, dass sich das Unternehmen derzeit von Goldman Sachs beraten lasse. Das "Wall Street Journal" hatte Mitte November berichtet, dass es informelle Gespräche mit mindestens drei Investoren gäbe. Die Swartz-Familie sei nicht zufrieden mit der Entwicklung des Aktienkurses, hieß es.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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