Absatzrückgang
Champagnerkorken knallen seltener

Die Rezession verleidet immer mehr Genießern die Lust auf Champagner. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird der edle Tropfen zum Luxusgetränk. Doch trotz Absatzrückgang und düsteren Prognosen hält man in der Champagne nicht viel von Panikmache. Die Hersteller setzen ihre Hoffnungen auf die neuen Märkte.

PARIS. Noch bis vor kurzem sprach alle Welt vom Boom in der Champagne. Doch die Wirtschaftskrise geht auch an dem edlen Schaumwein nicht spurlos vorbei. Die neuesten Verkaufszahlen sind alles andere als prickelnd: Zum ersten Mal seit dem Jahr 2000 bricht der Absatz ein. „Die Stimmung ist allgemein schlecht, und das wirkt sich auf den Champagnerkonsum aus“, erklärte Ghislain de Montgolfier, Chef der Vereinigung der Champagnerhäuser (UMC).

Die ernüchternde Einschätzung der Hersteller lautet: Champagner ist durch die weltweite Wirtschaftskrise wieder zum Luxusgetränk geworden, auf das verzichtet wird – oder werden kann. Allein im Oktober sank der Verkauf um 23 Prozent, seit Anfang des Jahres sind es acht Prozent. Champagnerexperten schätzen: Der Absatz könnte insgesamt in diesem Jahr um zehn Prozent sinken. Vor allem die kleineren Häuser, die keine soliden Finanzen haben, müssen um ihr Überleben bangen. „Der Schlag ist brutal. Es ist der Anfang einer Wende, identisch mit der, die wir im Jahr 1991 beim Golfkrieg erlebt haben und die zwei Jahre gedauert hat“, sagte der Chef einer großen Champagnermarke, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Denn in der Champagne hält man nicht viel von Panikmache. Beim Champagnerverband CIVC will man sich durch die Krise nicht einschüchtern lassen. „Der Rückgang war vorherzusehen. Die Nachfrage stieg in den vergangenen Jahren extrem an“, betonte CIVC-Sprecher Philippe Wibrotte. Er hält den Rückgang sogar für gesund, weil die Region fast ihre maximal mögliche Produktion erreicht hatte.

Doch schon jetzt befürchten die Winzer, dass 2009 schlechter wird als 2008. Seit Anfang des Jahres ist der Absatz auf den beiden größten Exportmärkten, USA und Großbritannien, stark zurückgegangen. In den USA sanken die Verkäufe bedingt durch die Finanzkrise bereits um 22 Prozent. Ein Ende der Krise ist dort nicht abzusehen.

Auch auf dem heimischen Markt in Frankreich, wo über die Hälfte des Champagners getrunken wird, ging der Absatz um mehr als vier Prozent zurück. Die Franzosen trinken im Jahr immerhin drei Flaschen Champagner pro Kopf, in Deutschland dagegen ist es nur eine Flasche für sechs Personen. Die Champagnerhersteller setzen deshalb ihre Hoffnungen auf die neuen Märkte, vor allem auf China.

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