Absatzstatistik
Was Frauen fahren

Klein und schick statt groß und stark – Frauen sind beim Autokauf andere Attribute wichtig als Männern. Nur die Hersteller scheint das kaum zu kümmern. In der Werbung und im Autohaus regiert die Männlichkeit.
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DüsseldorfWer wissen will, warum Autohersteller sich mit weiblichen Kunden so schwer tun, dem sei ein Besuch auf einer Automesse empfohlen. Egal ob in Genf, Frankfurt oder Detroit – die PS-Schauen sind Hochämter der Männlichkeit. Knapp bekleidete Hostessen räkeln sich an glänzenden Sportwagen. Andere Frauen sind deutlich in der Minderheit.

Männer dominieren nicht nur bei den Messebesuchen, sondern auch im Autohaus. Nur jedes dritte Auto in Deutschland wird an eine Frau verkauft, zeigt eine neue Studie des CAR-Instituts der Uni-Duisburg-Essen. Dabei ist der weibliche Anteil an der Bevölkerung sogar mehr als 50 Prozent. Nach der aktuellsten Volkszählung aus dem Jahr 2011 gibt es etwa zwei Millionen mehr Frauen als Männer in Deutschland.

„Solange es den Autobauern nicht gelingt, die wichtigste Käufergruppe besser anzusprechen, wird es nicht gelingen, den kontinuierlichen Abwärtstrend im deutschen Automarkt zu stoppen“, sagt Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Instituts.

Das Problem beginnt beim Marketing: Immer noch ist die Werbung der Autobauer sehr geprägt von technischen Details. Motoren, Verbrauchswerte, glänzende Chromfelgen - Technik, die Frauen nicht begeistert.

Insbesondere junge Frauen scheinen die Lust auf einen Neuwagen verloren zu haben. Nur ein Drittel aller weiblichen Autokäufer sind unter 45 Jahre alt. Im Schnitt kauft eine Frau ihr eigenes Auto mit 49,5 Jahren.

Dabei meiden die Frauen vor allem hochpreisige Modelle. Premiummarken wie Audi, BMW und Mercedes, aber auch Porsche und Jaguar landen beim Frauenanteil unter dem Marktschnitt. Insbesondere die Marke mit dem Stern scheint bei Frauen überhaupt nicht gefragt zu sein, ihr Anteil liegt bei gerade einmal 17,8 Prozent.

„Frauen wollen Autos, die wendig und optisch ansprechend sind“, sagt Autoprofessor Dudenhöffer. Entsprechend schlecht schneiden auch große SUV in der weiblichen Käufergunst ab, Land Rover und Jeep landen ebenfalls auf hinteren Plätzen.

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Knuffige Kleinwagen punkten

Kommentare zu " Absatzstatistik: Was Frauen fahren"

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  • Liebe Kommentatoren, es fällt ein wenig schwer, sachlich auf Kritik zu reagieren, wenn sie so persönlich daher kommt, aber ich versuche es trotzdem mal. Die im Text zitierten Zahlen haben sich weder Professor Dudenhöffer noch ich ausgedacht, es sind schlichte Absatzstatistiken. Die lügen erst mal nicht und zeigen: Frauen kaufen tendenziell kleinere Wagen und achten stärker auf den Preis/Verbrauch als Männer (Hyundai, Skoda, Toyota sind signifikant beliebter). Die zeigen auch: Junge Frauen kaufen nur selten einen Neuwagen. Natürlich gibt es - wie in jeder Statistik - Ausnahmen von dieser Regel. Die sind aber in der Minderheit und nicht repräsentativ.
    Was uns zu der Frage bringt, wie die Absatzstatistik zu interpretieren ist. Es gibt tatsächlich mehrere Gründe für den geringen Frauenanteil, die sich aus den gesellschaftlichen Strukturen ergeben. Frauen fahren immer noch deutlich häufiger den Zweitwagen eines Haushalts. Frauen fahren seltener einen Dienstwagen. Frauen verdienen im Schnitt weniger und fahren deswegen, wie Herr Buch völlig korrekt feststellt, auch kleinere Autos.
    Alle diese Effekte können aber nicht erklären, warum der Anteil der Frauen an allen Autokäufern über die vergangenen Jahre weiter geschrumpft ist, denn alle Effekte bewegen sich gesellschaftlich ja eigentlich gegenläufig. Und der geringe Anteil bei jungen Frauen sollte ebenfalls beunruhigen. Professor Dudenhöffer ist der Ansicht, dass hier Absatzpotentiale nicht genutzt werden. Sie fragen: "Also soll jetzt die Autoindustrie Autos für alte Frauen bauen?" Meine Antwort: Warum denn nicht? Was spricht dagegen, Zielgruppen, die bisher unterrepräsentiert sind, gezielter anzusprechen?
    Beste Grüße
    Lukas Bay
    P.S.: Herr Hamacher, ich tat es für die Alliteration. Und finden Sie einen Fiat 500 nicht irgendwie knuffig?

  • Knuffige Kleinwagen punkten
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    Was - bitte sehr - ist ein "knuffiger Kleinwagen?

  • Perfekt formuliert.
    Der Autor hat KEINE Ahnung von Autos. Noch nicht mal die Idee einer Ahnung. Und Dudi auch nicht. Der kommt immer erst dahergeschlichen, wenn ein Trend eigentlich schon fast wieder vorbei ist. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die Frauen, die beruflich erfolgreich sind (nicht die, die das Auto vom Gatten "gestellt" bekommen) auch genauso fette SUVs fahren, wie die Männer. Der Rest kann sich sowas meist nicht leisten und fährt dann zwangsläufig Autos des Merkmals "klein und schwach". Ich kenne auch Frauen, die mit Begeisterung Oldtimer fahren und sogar selber schrauben - und technisch sogar besser sind, als Männer. So ein verkorkstes Rollenverständnis, wie es sowohl der Autor als auch Dudenhöfer an den Tag legen, gehört auf den Schrottplatz der Geschichte. Reine 60er-Jahre...

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