Absatzverlust durch Affäre befürchtet
VW-Kunden überlegen sich Autokauf zweimal

Die Affäre im Volkswagen-Konzern schlägt sich zwar noch nicht auf die Verkaufszahlen nieder, doch hat sie die Kunden verunsichert. Viele stellen den Autokauf zurück - und weichen vielleicht sogar auf andere Fabrikate aus, wenn der Skandal nicht schnell aufgeklärt wird.

HB HANNOVER. „Wir spüren inzwischen die Auswirkungen. Das Thema ist drin in den Kundenköpfen“, sagt Michael Lamlé, Geschäftsführer des VW-Händlerverbands. Vor allem Großkunden würden die Affären sehr kritisch zur Sprache bringen. Je länger sich die Affäre hinziehe, desto größer werde der Schaden.

Laut einer Umfrage ist das Image der Marke VW schon beschädigt. Und viel schlimmer für Volkswagen: Viele wollen keinen VW mehr kaufen. Das Nürnberger Marktforschungsinstitut Puls befragte 1000 Menschen, die einen Autokauf planen. 71 Prozent sehen einen Imageschaden bei VW. 15 Prozent der Befragten erklärten ganz generell, nach solchen Skandalen käme für sie der Kauf der betroffenen Marke nicht in Frage. 14 weitere Prozent würden einen Kauf vorerst zurückstellen und erstmal abwarten, wie sich die Affäre weiter entwickelt. Umsatzrückgänge in den kommenden Wochen sind wahrscheinlich.

Bisher spüren die VW-Händler nach Aussagen ihres Verbandsvorsitzenden aber noch kein Minus. Im Juni fuhr VW gar einen Rekordabsatz ein. Zum Glück für VW waren die krummen Geschäfte im Konzern erst Ende des Monats ans Licht gekommen. Seitdem hat sich die Affäre deutlich ausgeweitet.

Mittlerweile geht es um Betrug, die Veruntreuung von Millionen Euro sowie um angebliche „Lustreisen“ des Betriebsrates. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Ex-Skoda-Personalchef Helmuth Schuster und den früheren VW- Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer. VW-Gesamtbetriebsratschef Klaus Volkert trat zurück. Konzernpersonalvorstand Peter Hartz hat seinen Rücktritt angeboten und wird nach Informationen des Spiegel am 1. August gehen.

Auf lange Sicht wird der Absatz nach Meinung von Experten nicht leiden. „Kunden vergessen solche Sachen sehr schnell“, sagt Automobilwirtschafts-Professor Ferdinand Dudenhöffer von der FH Gelsenkirchen. Vielleicht werde es Verunsicherung in den nächsten zwei, drei Monaten geben. Ein VW-Käufer kaufe ein Fahrzeug aber nicht vor allem wegen der Marke. „Wenn er zum Beispiel einen Golf kaufen will, vergleicht er ihn mit den Fahrzeugen anderer Marken und entscheidet dann.“ Gravierende wirtschaftliche Folgen müsse der VW-Konzern vor allem wegen des beschädigten Verhältnisses zu den Zulieferern und wegen der Verunsicherung der Mitarbeiter fürchten.

Die Börse jedenfalls befürchtet kein Minus bei den Zulassungszahlen. Seit Bekanntwerden des Skandals stieg der Wert der VW-Aktie.

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