Europas Automarkt sackt auf neuen Tiefstand

Absatzzahlen
Europas Automarkt sackt auf neuen Tiefstand

Allein die Briten kaufen in Europa mehr Autos, in den anderen Länder geht der Verkauf teils drastisch zurück. Darunter leidet etwa auch Volkswagen, allerdings nicht so stark wie andere Konkurrenten.
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HamburgDie krisengebeutelte europäische Automobilmarkt hat seine Talfahrt im Mai fortgesetzt. Nach dem leichten Hoffnungsschimmer im Vormonat sackten die Pkw-Neuanmeldungen auf den niedrigsten Stand in einem Monat Mai seit 20 Jahren. Als einziger großer Markt konnte sich erneut Großbritannien dem Abwärtssog entziehen - hier stieg der Absatz um elf Prozent. Nach Daten des Herstellerverbandes ACEA vom Dienstag kamen im vergangenen Monat in den 27 EU-Staaten und den drei EFTA-Ländern Schweiz, Island und Norwegen rund 1,1 Millionen Fahrzeuge neu auf die Straßen, 5,9 Prozent weniger als vor Jahresfrist.

Die Pkw-Märkte in Europa befinden sich seit langem im freien Fall. 2012 war mit zwölf Millionen verkauften Fahrzeugen das schlechteste Autojahr seit 1995. Vor allem im schuldengeplagten Süden des Kontinents kaufen die Menschen wegen der hohen Arbeitslosigkeit und den düsteren wirtschaftlichen Aussichten kaum neue Autos. Zu Beginn des laufenden Jahres hatten die Neuzulassungen mit unter eine Million bereits das niedrigste Niveau seit Beginn der ACEA-Aufzeichnungen im Jahr 1990 markiert - und eine Besserung zeichnet sich nach den jüngsten Daten nicht ab.

Unter den großen Herstellern verbuchte der angeschlagene französische Peugeot-Citroen-Konzern mit minus 13,3 Prozent den schärfsten Rückgang, gefolgt von Fiat mit minus elf Prozent und Renault mit minus zehn Prozent. Marktführer Volkswagen kam mit einem blauen Auge davon: Während die Hauptmarke VW sieben Prozent weniger verkaufte als vor einem Jahr hielt sich der Rückgang bei Audi mit minus 3,9 Prozent erneut in Grenzen. Die lange schwächelnde spanische Marke Seat legte sogar um fast 13 Prozent zu. Insgesamt sanken die Neuzulassungen des Wolfsburger Konzerns im vergangenen Monat um 2,8 Prozent.

Unter den Premiumautobauern schlug sich die Daimler -Tochter Mercedes-Benz am besten. Die Neuzulassungen der Stuttgarter stiegen um einen halben Prozentpunkt, während der Münchner Rivale BMW Federn ließ (minus 6,6 Prozent).

Auch bei Opel und Vauxhall setzte sich der Abwärtstrend bei den Neuzulassungen fort: minus 8,4 Prozent. Nach fünf Monaten verharrte der Marktanteil der GM -Tochter auf dem Tiefstand von 6,7 Prozent. Rivale Ford konnte den Absatz fast stabil halten, büßte seit Jahresbeginn aber Marktanteile ein.

Während in Europa keine Erholung absehbar ist, konnten sich die Automanager über Zuwächse in Übersee freuen. Auf dem weltgrößten Pkw-Markt in China legten die Pkw-Verkäufe im Mai um 14,4 Prozent zu, in den USA rollten acht Prozent mehr Pkw und leichte Nutzfahrzeuge zu den Käufern. In Brasilien wurden um fast zehn Prozent mehr Autos verkauft als vor Jahresfrist. Dagegen schrumpften die Neuzulassungen nach Daten des deutschen Verbandes der Automobilindustrie (VDA) in Russland um zwölf Prozent.

Kommentare zu "Europas Automarkt sackt auf neuen Tiefstand"

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  • Autos kaufen keine Autos. Sie sind zu teuer und entwerten sich in Windeseile. Finger davon! Früher kauften sogar Rentner nochmals einen Neuwagen. Heute ist es vorbei, ohne Moos nichts los! Die Stromrechnungen blockieren inzwischen andere Investitionen. Die Wirtschaft ist ein Kreislauf aus Geben und Nehmen. Das haben die Politiker immer noch nicht begriffen. Und wenn man dann noch die Fremdschulden anderer Länder bei Gesetzesbruch übernimmt, muss sich keiner wundern, wenn Deutschland vor die Wand fährt. Als neues Regularium brauchen wir dringend die AfD, die sich wieder mehr auf uns in Deutschland besinnt. Die Euro- und EU-Auswüchse sind ja nicht mehr zu toppen!

  • Vor 3 Jahren, im Mai 2010, also vor all dem was danach kam,
    publizierte eine angesehene New York Times eine einfach zu verstehende Grafik "Europe`s Web of Dept" (mal googeln), zu den Schulden der PIIGS zum Beginn der Eeuro- Krise. Jeder Interessierte erinnjert sich was danach geschah,
    und sieht was noch heute geschieht.
    Heute soll diese amerikanische Zeitung, gemäß einem von
    mir am 12.06.13 in einer angesehenen deutschen Tageszeitung
    im www gelesenen Artikel folgender Ansicht sein:
    "Für die NYT ist die Währungsunion Euro inzwischen ein ökonomisches Gefängnis mit Deutschland als Wärter und der gemeinsamen Währung als Gitterstäbe (!).
    Ein Alarmzeichen für die politische Elite Europas mahnt die New York Times. Weitsichtige Staatenlenker müßten endlich erkennen, dass ausgerechnet der Euro als ihr geliebtes Integrationsprojekt letztendlich Frieden und Demokratie in Europa bedroht". Dazu von mir: Diese
    Einschätzung im 200. Jahr nach der Schlacht europäischer
    Völker bei Leibzig, für die Freiheit gegen Unterdrückung,
    im September 1813 (ohne zu wissen was danach grausameres kommen sollte), über die ich bisher noch in keiner der stets und ständig Freiheit / Demokratie proklamierenden deutschen Medien bis zum heutigen Zeitpunkt, etwa 100 Tage vor "der Wahl" in der BRD noch keinen Hinweis gefunden habe. Thema verfehlt ? Für mich nicht. Ich vermute das Thema Völkershclacht bei Leibzig soll von den Lenkenden gerade in dieser Zeit auf ganz kleiner Flamme gehalten werden, allenfalls wenige Kenntnisreiche sollen sich an die Zeit der deutschen-, europäischen Befreiungskriege
    gegen eine Aggressor im Zusammenhang mit den Auswirkungen der "Einheitswährung" in heutiger Zeit, besonders auf den "Kleineren Mann" in Europa erinnern.

  • Jetzt fehlt nur noch der obligatorische SANTOS "hätte man-mal-auf-mich-gehört" Artikel und das Gejammer ist komplett ...

  • Kürzlich war ein Bericht im Fernsehen (öffentlich-rechtlich - wo sonst) daß bei Mercedes Teile der Produktion im Werk als "Werkvertrag" vergeben wurden. Diese Werkvertragsnehmer verdienen ca. ein Drittel der Daimler-Beschäftigten. Und etliche müssen mit Hartz IV aufstocken.

  • "Die krisengebeutelte europäische Automobilmarkt hat seine Talfahrt im Mai fortgesetzt.

    Tja, damit folgt die Autoindustrie dem Arbeitnehmer... das war nicht anders zu erwarten!!!

  • Wer soll denn noch kaufeen? Da wurde den Politikern eingeredet,d ass die EU wachsen muss. So herrlich schöne große Absatzmärkte udn vor allen Dingen: noch nicht gesättigte Märkte, sprich Bedarf. Blöd nur, dass den Leuten in den neuen EU Ländern keine Löhne gezahlt werden udn die Arbeitnehmer in den alten EU Ländern seit Jahren konsequent gedrückt werden.
    Es gab mal eine Zeit, da wussten die Firmenbosse noch, dass die Leute ihre Produkte auch kaufen können müssen. Das gilt zwar heute noch, aber ...

  • Wie soll ein dauer-komakranker und fauler Einheitseuro den Absatz steigern??? Die wahren Folgen dieser Fehlpolitik kommen erst noch. Autos kaufen keine Autos! Das gilt immer noch.

  • @karstenberwanger, clolide und General-Investigation:
    Ich gebe Ihnen allen Recht. Ja, es ist vieles im Argen. Gleichzeitig geht es uns allg. besser als oft dargestellt.
    Aber die Autobauer-Parkplätze voll mit Eigenmarken--Mitarbeiter-PKW gibt es noch! Fahren Sie nur mal durch Wolfsburg...

  • Gesättigte Märkte geben eben kein Wachstum her! Musste manch Fahrzeug früher schon nach wenigen Jahren zum Schrottplatz, da völlig durchrostet (R5/R19 und Co.), so sind heute mehr als 10 Jahre alte Autos noch topfit. Da braucht es eben länger bis ein neuer Wagen fällig ist. Außerdem sind die Preise so stark gestiegen, das die familiären Prioritäten oft gegen einen Neuwagen sprechen.

  • Der Kapitalismus frisst seine Kinder
    Das hatten sich die Wirtschaftspolitiker so gedacht

    Der Sozialismus ist tot. Lassen wir also dem Kapital seinen freien Lauf- dann wird der Kapitalismus überall seine revolutionäre Kraft entfalten. Neue Technologien werden einen weltweiten Wirtschaftsboom auslösen. Eine Popkultur des Geldes wird alle Menschen zu Aktionären machen und alle sozialen Probleme ausräumen. Kapitalismus total als neue Verheißung?

    Spätestens jetzt ist dieser (Alb-)Traum geplatzt. Die kapitalistische Revolution frisst ihre Kinder. Und sie wird auch die Politiker fressen, wenn diese nicht tun, wofür sie gewählt sind: nämlich Politik für die zu betreiben, die sie gewählt haben.

    Viele Politiker in Deutschland und anderswo baden sich in Selbstmitleid. Durch die Globalisierung der Wirtschaft und die freien Märkte könnten sie die wirtschaftlichen Entwicklungen kaum noch beeinflussen, entschuldigen sie sich. Mit diesem traurigen Eingeständnis ignorieren sie, dass die Politik die Verantwortung für die kapitalistische Revolution trägt.

    In den achtziger Jahren setzte sich der Neoliberalismus durch, in vielen Ländern der Welt, überall mit dem gleichen Ergebnis: Die Wachstumsraten stiegen, die Unternehmungsgewinne explodierten, neue Technologien eroberten die Märkte. Doch gleichzeitig wuchs die Kluft zwischen Arm und Reich; weltweit stiegen die ökologischen Kosten eines Wachstumsprozesses, der immer mehr Ressourcen verschlang. Statt gegenzusteuern, verteidigten die meisten Wirtschaftspolitiker die Freiheit des Marktes gegenüber der Politik. Dies war der erste große Schritt weg vom sozial gebändigten Kapitalismus.

    Der Kapitalismus hatte gesiegt. Die Wirtschaftspolitiker aller Länder vereinigten sich und bauten (fast) alle Grenzen und Kontrollen für das Kapital ab. Jetzt konnte sich der Flaschengeist des Kapitalismus so richtig austoben- und er tat dies weidlich.
    Vor allem an den Börsen.
    Der heutige Kapitalismus ist zu einem Spielcasino verkommen.

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