Absatzzahlen im Mai
Europas Automarkt verliert weiter an Fahrt

Der Absatz in der Autobranche steigt – jedoch immer langsamer. Im Mai wurden in der EU nur noch knapp 1,11 Millionen Fahrzeuge mehr abgesetzt als noch im Vorjahr. Grund für den Schwungverlust sind auch Kalendereffekte.
  • 0

FrankfurtDer europäische Markt für neue Autos hat im Mai einen Gang zurückgeschaltet. Zwar legte die Zahl der Neuzulassungen in der EU im Mai um 1,3 Prozent auf 1,1 Millionen Pkw zu, wie der europäische Herstellerverband Acea am Dienstag mitteilte. Allerdings waren die Zuwachsraten in den Monaten davor deutlich stärker ausgefallen – es war laut Experten das geringste Plus seit November 2013. „Die politische Unsicherheit bleibt sowohl in Europa als auch weltweit hoch“, sagte Branchenkenner Peter Fuß von der Unternehmensberatung Ernst & Young. „Die eingetrübten Konjunkturaussichten dämpfen das Marktwachstum.“

Vor allem die wichtigen Automärkte Deutschland und Frankreich schnitten vergleichsweise schlecht ab: Der Absatz fiel im Mai um 6,7 und 3,5 Prozent. Dass unter dem Strich doch noch ein kleines Plus stand, verdankte die Branche vor allem Ländern wie Italien (plus 10,8 Prozent) und Spanien (plus 14 Prozent). Bei den Spaniern machte sich die Neuauflage der Verschrottungsprämie bemerkbar. Auch in Großbritannien legten die Neuzulassungen zu, jedoch nur um rund zwei Prozent.

Bei den deutschen Herstellern schnitten Daimler mit plus 11,4 Prozent und BMW mit plus 7,6 Prozent besser ab als der Markt. Der Volkswagen-Konzern hingegen setzte 2,3 Prozent weniger ab als vor einem Jahr.

Hauptgrund für diese Entwicklung auf dem europäischen Automarkt ist einer Studie zufolge allerdings, dass Pfingsten in diesem Jahr im Mai gefeiert wurde. Bereinigt um die Kalendereffekte stiegen die Verkäufe in der EU um 8,7 Prozent, wie die Unternehmensberatung EY mitteilte. Das war ein stärkerer Zuwachs als im bisherigen Jahresverlauf. Seit Jahresbeginn legte der EU-weite Neuwagenabsatz um 6,8 Prozent zu.

Nach Einschätzung von Fuß befindet sich der Automarkt in Europa daher auf dem Weg nach oben. Die schwache Entwicklung im Mai liege auch daran, dass zwei Arbeitstage weniger in die Berechnung eingeflossen seien als im Jahr zuvor. Bereinigt um die Effekte sei die Zahl der neu angemeldeten Pkw gestiegen. „Tatsächlich bleibt der Neuwagenmarkt auf Wachstumskurs“, sagte Fuß. Im Juni werde wegen solcher Kalendereffekte wahrscheinlich sogar ein zweistelliges Plus bei den Neuwagenverkäufen stehen.

Sorgen dürfte der Autobranche das Geschäft im weltgrößten Pkw-Markt China machen. Laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) rollten dort im Mai zwar drei Prozent mehr neue Pkw auf die Straßen, im Vergleich zu früheren Jahren ist das aber ein drastischer Einbruch. Der Automarkt in der Volksrepublik war jahrelang im zweistelligen Prozentbereich gewachsen. Inzwischen halten sich dort die Verbraucher mit dem Kauf von Luxusgütern aber zurück. Die deutschen Premiumhersteller BMW und Audi mussten in China im Mai erstmals seit langem rückläufige Absatzzahlen hinnehmen. Mercedes konnte den Trend aber brechen und legte dort kräftig zu.

Die ehemaligen Hoffnungsmärkte der Autobauer, Russland und Brasilien, befinden sich im freien Fall. Die Neuzulassungen brach dort laut VDA um 38 und 26 Prozent ein. Die beiden Länder stecken in einer tiefen Wirtschaftskrise.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Absatzzahlen im Mai: Europas Automarkt verliert weiter an Fahrt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%